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VAR-Ärger: Warum prüfte der Schiedsrichter nicht selbst?


Es sollte alles besser werden, versprachen die Schiedsrichter und Verbandsbosse vor der Saison. Gerade an der Kommunikation zwischen dem Schiedsrichter und dem Videoassistenten im „Kölner Keller“ habe man gearbeitet, hieß es. Am Samstag nach dem Spiel des 1. FC Köln beim VfL Wolfsburg jedoch fragte man sich auf Kölner Seite einmal mehr, warum in einer spielentscheidenden Szene eine Prüfung der Videobilder durch Schiedsrichter Sven Jablonski ausblieb.

Aus Wolfsburg berichtet Marc L. Merten

Es waren 32 Minuten gespielt. Der 1. FC Köln lag mit 0:1 in Wolfsburg zurück. Ungünstig für einen Aufsteiger, der sich viel vorgenommen hatte. Doch dann zog Dominick Drexler in den Wolfsburger Strafraum, Joshua Guilavogui ging gleichsam zum Ball. Der Kölner aber war eher dran, spitzelte das Kunstleder am Kapitän des VfL Wolfsburg vorbei. Es kam zum Kontakt, Drexler fiel. Doch die Pfeife on Sven Jablonski blieb stumm. Proteste folgten. Drexler beschwerte sich, forderte den Videobeweis.

Tatsächlich fragte Jablonski im „Kölner Keller“ bei seinen Videoassistenten nach. In dieser Saison sitzen ein Videoassistent und ein Assistent des Videoassistenten sowie zwei Techniker an einem Spiel und beobachten die kritischen Szenen am Bildschirm. Deniz Aytekin war als VAR eingeteilt, Christian Dietz als dessen Assistent. Jablonski nahm mit Aytekin Kontakt auf und blieb letztlich bei seiner Entscheidung. Einen eigenen Blick auf die Videobilder hielt er für nicht nötig, die Review Area wurde am Samstag in Wolfsburg nicht benötigt.

Er meinte zu mir, ich hebe zu früh ab

Oder wäre sie doch hilfreich gewesen? Hinterher sagte selbst Guilavogui, „dass man den geben kann“. Dass es einen Kontakt gegeben hatte, war ohnehin unstrittig. Selbst für Schiri Jablonski. Doch der Referee aus Bremen bewertete Drexlers Verhalten im Zweikampf als versuchte Provokation eines Elfmeters. „Er meinte zu mir, ich hebe zu früh ab“, gab Drexler hinterher bei Sky das Gespräch mit dem Unparteiischen wieder. „Aber wenn ich nicht abhebe, rammt er mich komplett um. Ich finde, dass das reicht. Er kommt zu spät, ich spitzele den Ball vorbei.“ Doch es half nichts, der FC gehörte trotz VAR am Samstag zu den Gelackmeierten. „Die Bilder sprechen für sich, für mich ist das ein klarer Elfmeter“, sagte Drexler.

Auch Trainer Achim Beierlorzer hatte eine klare Meinung. „Wir hätten einen klaren Elfmeter kriegen sollen“, sagte der FC-Coach und fügte vielsagend hinzu: „Ich hatte keinen Kontakt zum Schiedsrichter, nur kurz mit dem Vierten Offiziellen. Ich kann aber nicht sagen, was da gesagt wurde.“ Es ging wohl auch um die Frage, warum Jablonski sich nicht die Mühe machte, diese womöglich spielentscheidende Szene in der Review Area zu betrachten. Beim FC herrschte anschließend Ratlosigkeit über die Weigerung des Schiedsrichter-Teams, diese Option wahrzunehmen. So erinnerte der Vorgang letztlich an die Szene im Super-Cup zwischen Borussia Dortmund und Bayern München, als jenes Foul, das zu einer Roten Karte für Joshua Kimmich hätte führen müssen, nicht in der Review Area nachbetrachtet und entsprechend bewertet wurde. Der Fehler war bei den Schiedsrichtern im Anschluss extra noch einmal nachbesprochen worden. Die klare Anweisung: Im Zweifel soll die Review Area aufgesucht werden. Doch Jablonski sah das anders – und lag in diesem Fall falsch.

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