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Veh lobt Trainerteam: „Wird auch in Krisen funktionieren“

Der 1. FC Köln hat es im DFB-Pokal mit dem SV Wehen Wiesbaden in der ersten Hauptrunde schwer erwischt. Die Geissböcke müssen am Sonntagabend eine hohe Hürde nehmen, ehe es in Wolfsburg mit der Bundesliga losgeht. Dass Wiesbaden ein ernsthafter Stolperstein sein könnte, ist den Verantwortlichen bewusst. Sie hoffen, dass die Qualität des Gegners direkt die Sinne schärft.

Köln – Zwölf Jahre ist es her, dass der 1. FC Köln zuletzt in der ersten Pokalrunde ausschied. Die zweite Mannschaft des SV Werder Bremen ärgerte die Geissböcke im August 2007 und rang den FC in der Verlängerung nieder. Köln, damals unter Trainer Christoph Daum, hatte schnell mit 2:0 geführt, dann aber durch den jungen Martin Harnik den Ausgleich und in der Verlängerung gar noch die 2:4-Niederlage hinnehmen müssen.

Diese Zeit liegt lange zurück. Seitdem überstand der FC stets unbeschadet den Pokal-Auftakt, kam jedoch nie wirklich weit. Nur 2009/10 reichte es für den Einzug ins Viertelfinale (Niederlage gegen Augsburg). Darüber hinaus war entweder in der zweiten Runde oder im Achtelfinale Schluss. Ein Saisonziel für den DFB-Pokal hat man sich beim FC in dieser Saison nicht gesetzt. So weit wie möglich, diese natürliche Ansage muss reichen. Denn das einzige Saisonziel, das in diesem Jahr wirklich zählt, heißt ohnehin schlicht: Klassenerhalt.

Haben intensiv an der Balance gearbeitet

Von diesem sind sie beim FC nach der fünfwöchigen Vorbereitung überzeugt. Auch die Rückschläge in den letzten Testspielen haben eher noch einmal die Sinne geschärft denn für negative Stimmung gesorgt. Wer in dieser Woche die Trainingseinheiten beobachtete, sah eine gut aufgelegt Mannschaft, mit Spaß bei der Arbeit, allerdings auch immer wieder lautstark von ihrem Cheftrainer angetrieben. Achim Beierlorzers Stimme war in den Tagen vor dem ersten Pflichtspiel laut und vernehmlich zu hören. Seine Aufforderung an die Spieler vor allem: schnelles Denken, schnelles Spielen.

Beierlorzer ließ in den letzten Tagen vornehmlich das Umschaltspiel üben, das aggressive Attackieren gegen den Ball genauso wie das sofortige Umschalten nach Ballgewinnen respektive Ballverlusten. „Wir haben in der letzten Woche intensiv an der Stabilität und der Balance zwischen Defensive und Offensive gearbeitet“, bestätigte der FC-Coach, der am Freitag und Samstag im RheinEnergieStadion hinter verschlossenen Türen noch einmal an den letzten taktischen Feinheiten feilen möchte. Der Grund für den Fokus auf die Balance: die Spiele gegen Villarreal und Southampton. In beiden Spielen hatte sich der FC defensiv nicht immer clever angestellt, hatte in den entscheidenden Situationen jene Giftigkeit vermissen lassen, die Beierlorzer in den Jahren zuvor seiner Mannschaft in Regensburg eingeimpft hatte.

Es gibt fast kein schwereres Los

In Köln durchläuft seine neue Mannschaft noch den Anpassungsprozess an die deutlich aktivere Spielweise als in der Vorsaison. Die Spiele gegen Osnabrück, Bremen und Bologna in der Vorbereitung dienen als Anleitung und Erinnerung für die Spieler, dass sie die Vorgaben eigentlich schon gut verinnerlicht haben. Nun müssen sie diese ab sofort in Pflichtspielen abrufen, am Sonntag erstmals gegen den Zweitliga-Aufsteiger Wiesbaden. „Das ist ein physisch starker Gegner mit wuchtigen Spitzen, dazu mit pfeilschnellen Spielern auf den Außen. Die haben vorne große Power“, beschrieb Beierlorzer die Stärken des Gegners, der jedoch mit zwei Niederlagen aus den ersten zwei Zweitliga-Partien im Gepäck das Duell gegen den FC bestreiten wird.

Die zwei Niederlagen sind für die Geissböcke jedoch kein Richtwert. „Es gibt fast kein schwereres Los in der ersten Hauptrunde als einen Zweitligisten“, sagte Sportchef Armin Veh, erhofft sich von der Aufgabe aber gleichfalls einen Schub für die Bundesliga. „Wiesbaden ist ein Gegner, der für die folgende Woche gut ist, weil wir sofort gefordert werden.“ Bis auf die verletzten Ismail Jakobs, Noah Katterbach und Marcel Risse sowie den noch nicht im Training befindlichen Ellyes Skhiri kann Beierlorzer auf den gesamten Kader zugreifen. Personelle Engpässe gibt es nicht, der FC-Coach kann praktisch aus dem Vollen schöpfen. Selbst Sebastiaan Bornauw ist ein Kandidat für den Kader. In die Startelf-Pläne wollte sich Beierlorzer noch nicht schauen lassen. „Ich habe aber lieber eine schwere Entscheidung zu treffen, als dass es mir quasi diktiert wird“, sagte der 51-Jährige mit Blick auf den engen Konkurrenzkampf.

Das war alles noch Vorbereitung – jetzt geht es in die Punktspiele!

Derweil stellte Sportchef Veh seinem Trainerteam ein gutes Zeugnis für die ersten Trainingswochen aus. Auch im Vergleich zur Vorbereitung unter Markus Anfang habe es deutliche Unterschiede gegeben. „Die Stimmung war anders“, sagte Veh, wollte sich ansonsten aber nicht mehr weiter zur Vergangenheit äußern. „Es hat sich bestätigt, was ich erhofft hatte. Aber das war alles noch Vorbereitung. Jetzt geht es in die Punktspiele. Dann sind wir gefordert. Ich bin ruhig, weil die Mannschaft in guten Händen ist. Das Trainerteam funktioniert so, wie ich mir das gewünscht habe. Und es wird auch funktionieren, wenn es mal Krisen geben wird. Davon bin ich überzeugt.“ Ein Sieg über Wiesbaden wäre beruhigend für die Seele. Schließlich weiß noch niemand, wo die Mannschaft leistungsmäßig wirklich steht. Der Einzug in die zweite Runde soll helfen, mit einem guten Gefühl in die Bundesliga zu starten.

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