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Jetzt drohen Verluste: So plant Wehrle die finanzielle Zukunft


Der 1. FC Köln hat in der abgelaufenen Saison zwar erstmals seit vier Jahren kein finanzielles Rekordergebnis vorlegen können. Das war nach dem Abstieg aber ohnehin unmöglich geworden. In den nächsten Jahren gilt es zunächst, sich wieder zu konsolidieren. Alexander Wehrle betonte, dass der FC kerngesund sei und auch in diesem Sommer durch die Transfers kein Risiko eingegangen sei. Dennoch machte er klar: Die laufende Saison wird Verluste bringen. 

Köln – Am Sonntag legte Alexander Wehrle die vorläufigen Geschäftszahlen für das Jahr 2018/19 vor. Mit fast 115 Millionen Euro machten die Geissböcke einen Umsatz wie zuvor noch kein anderer Zweitligist. Zum Vergleich: 2013/14, in der letzten Zweitliga-Saison der Geissböcke, hatte der Umsatz noch bei rund 72 Mio. Euro gelegen. Krösus FC – das hatte sich bereits vor der Zweitliga-Saison angedeutet und schließlich bestätigt. Doch im Vergleich zum Hamburger SV schafften es die Kölner auch, diesen finanziellen Vorteil zu nutzen, um letztlich souverän aufzusteigen.

Nach dem Aufstieg jedoch, trotz Gewinnes im Aufstiegsjahr, musste der FC kräftig investieren. Den Transferausgaben stehen in diesem Sommer praktisch keine Einnahmen durch Spielerverkäufe gegenüber. Daher erklärte Wehrle am Sonntag: „Wir werden in dieser Saison an unser Eigenkapital-Polster, das wir uns erarbeitet haben, wieder rangehen müssen. Wir werden einen deutliche Verlust in Kauf nehmen müssen, um wettbewerbsfähig zu sein. Aber was würde es uns bringen, wieder Rekordgewinne einzufahren und dann doch wieder abzusteigen? Gar nichts. Wir können uns nur dann von wirtschaftlich guten Zahlen etwas kaufen, wenn wir auch erfolgreich sind.“ Er betonte dabei aber auch: „Wir gehen mit den Investitionen kein Risiko ein. Selbst im Worst Case eines neuerlichen Abstiegs wären wir durch die Gestaltung der Spielerverträge abgesichert.“

Was sind die wichtigen Kennzahlen?

Umsatz: War der hohe Umsatz 2018/19 noch den hohen Transfereinnahmen gefolgt (20,3 Mio. Euro), gehen die Geissböcke in der Saison 2019/20 von einem moderaten Umsatzanstieg aus. Der Basisumsatz wird sich, wie bereits vor einem Jahr prognostiziert, von fast 115 auf rund 130 Millionen Euro erhöhen und kann sich, je nach Transferbewegungen im Winter, je nach Merchandising-Erfolgen, je nach sportlichem Erfolg im DFB-Pokal und im Zuschauerbereich, noch steigern. Doch die großen Sprünge werden erst wieder ab 2020 drin sein, sofern der FC sportliche Erfolge aufweisen kann. Denn:

TV-Tabelle: In der Finanz-Tabelle der Bundesliga, der so wichtigen TV-Tabelle, hatte Köln nach den Erfolgen der letzten Jahre in der Saison 2017/18 noch Rang neun belegt. Durch den Abstieg und Wiederaufstieg sind die Geissböcke aber auf den 15. Tabellenplatz abgestürzt. Dieser Unterschied macht pro Platz drei Millionen Euro aus, also aktuell 18 (!) Millionen Euro, die dem FC zur Konkurrenz und zum früheren Umsatz von 2017/18 fehlen (zuzüglich der damaligen Modeste-Millionen). Sollte Köln in den kommenden Monaten eine erfolgreiche Saison gelingen, könnte sich die Lage aber wieder verbessern. Mit dem FC Augsburg, dem SC Freiburg und dem 1. FSV Mainz 05 sind drei Klubs für den FC in dieser Saison in Reichweite. Ein entsprechend positiver Tabellenplatz der Kölner könnte also im Bestfall drei Plätze in der TV-Tabelle bedeuten – und damit neun Millionen Euro Mehreinnahmen.

Transfers: Wehrle bestätigte, dass der FC für die ablösepflichtigen Transfers im Sommer 2019 (Bornauw, Ehizibue, Skhiri, Verstraete) insgesamt 20,2 Millionen Euro ausgegeben habe. Darin enthalten ist auch eine Ablöse für Achim Beierlorzer. Für den Trainer mussten die Geissböcke einen sechsstelligen Betrag an Jahn Regensburg zahlen. Weil diesen 20,2 Millionen Euro aber praktisch keine Einnahmen gegenüber stehen und lediglich Tim Handwerker und Nikolas Nartey minimale Ablösesummen generierten, geht Wehrle im Geschäftsjahr 2019/20 von einem „deutlich negativen Ergebnis“ aus. Wie deutlich, ließ er offen. Doch Wehrle betonte, in der Mittelfrist-Planung sei ein positiver Cash-Flow garantiert, selbst im neuerlichen Abstiegsfall. Weil man zudem mit den abgebenden Klubs eine Ratenzahlung der Transfersummen vereinbart habe, sei die Liquidität nicht gefährdet. Wehrle erklärte am Rande der Mitgliederversammlung, dass dieses Vorgehen inzwischen in rund sieben von zehn Fällen ein übliches Vorgehen im internationalen Fußball sei und verwies auf einen weiteren Posten in der eigenen Bilanz: Aktuell schulden andere Klubs dem FC noch insgesamt fast 15 Millionen Euro aus früheren Transfers. Den künftig zu leistenden Zahlungen für bereits verpflichtete Spieler stehen also entsprechende Forderungen von Kölner Seite gegenüber.

Lizenzspieler-Etat: In der abgelaufenen Saison lag der Lizenzspieler-Etat bei knapp über 31 Millionen Euro, die Abfindungen für das entlassene Trainerteam um Markus Anfang bereits eingerechnet. Wehrle erklärte, dass sich der Etat in der Saison 2019/20 im Vergleich letzten Bundesliga- und damit auch zur Europa-League-Saison 2017/18 inzwischen erhöht habe. Damals gab der FC 47,3 Millionen Euro für die erste Mannschaft aus. Nun werden es über 47 Millionen Euro sein, dem Vernehmen nach rund 50 Mio. Euro.

Merchandising: Wehrle betonte am Sonntag, der FC sei in der vergangenen Saison als Zweitligist im Merchandising so erfolgreich gewesen wie noch nie ein Zweitligist zuvor. Mit rund zwölf Millionen Euro Umsatz „liegt der 1. FC Köln unter den Top fünf Mannschaften in Deutschland – nicht in der Zweiten Liga, sondern in ganz Deutschland“. Der außergewöhnliche Erfolg der Trikots in dieser Saison verspräche ein erneut erfreuliches Ergebnis in diesem Segment. Zudem erhoffe man sich, durch eine fortschreitende Internationalisierung in diesem Bereich noch eine weitere Steigerung. Ob sich dies schon 2019/20 bemerkbar machen wird, ist offen. Projekte der Internationalisierung werden schon in den ersten Wochen der Amtszeit des neuen Vorstands ein wichtiges Gesprächsthema mit Wehrle sein.

Was sind die Perspektiv-Themen?

eSports & Digitalisierung: Wehrle macht keinen Hehl daraus, dass neben der Internationalisierung die Bereiche eSports und Digitalisierung für den FC immer wichtiger werden. Durch Kooperationen mit mehreren Unternehmen, unter anderem aus Israel, erhofft sich der FC in den kommenden Jahren eine Vorreiterrolle in diesen Bereichen einzunehmen. Insbesondere die digitale Vermarktung der Bandenwerbung bei TV-Übertragungen könnte da eine große Rolle spielen. Es soll für den FC schon in ein bis zwei Jahren möglich sein, länderspezifisch die Bandenwerbung digital anders auszusteuern, je nach TV-Signal in den Zielländern. Während die Zuschauer im Stadion und an den deutschen Fernsehern das gleiche Bild sehen, würde durch eine neue Technologie in den LED-Banden digital die Anzeige anderer Werbebanner möglich sein und damit eine Personalisierung in die einzelnen Zielmärkte. „Wir werden unsere klassischen Einnahmepotientiale nicht unendlich vergrößern können. Wenn wir im Wettbewerb der Liga mithalten können, müssen wir neue Quellen erschließen“, sagte Wehrle. „Ich meine damit keine Investoren, sondern es geht darum, die Geschäftsmodelle rund um den Profifußball nicht zu verschlafen.“

Geißbockheim-Ausbau: Sollte der Ausbau am Geißbockheim genehmigt werden, kommen über 20 Millionen Euro Kosten auf den FC zu. Der Bau des Leistungszentrums soll rund 18 Monate dauern, die umstrittenen Plätze wären in acht bis zehn Monaten zu errichten. Wahrscheinlich ist, dass die Millionen-Investitionen durch Fremdkapital, also neuerliche Schulden, finanziert werden. Final entschieden ist dies aber noch nicht. Auch, weil zunächst klar sein muss, ob der FC überhaupt bauen darf. Ein emotionaler Wehrle rief auf der Mitgliederversammlung: „Wir haben zur Kenntnis genommen, dass Oberbürgermeisterin Frau Reker wegen der drohenden Klimakatastrophe in Köln-Sülz, will sagen, wegen machtpolitischen Interessen, zu neuen Erkenntnissen gekommen ist. Wir lassen uns aber nicht wegen kommunalpolitischen Machtkämpfen aus dem Geißbockheim vertreiben. Das ist unser Zuahuse.“ Auch Armin Veh attackierte Henriette Reker: „Wenn Sie, Frau Reker, keinen Spitzensport in der Stadt haben wollen, dann sprechen Sie es offen aus! Wenn wir uns etwas wünschen könnten, dann, dass wir am Geißbockheim Teil der Sportstadt Köln bleiben.“

Stadion-Ausbau: In großem Stile widmete sich Wehrle zuletzt am Sonntag dem Stadionausbau in Müngersdorf. Die Pläne sind inzwischen bekannt, ein dritter Stock, eine 28.000 Fans umfassende Südtribüne, ein verschließbares Dach. Wehrle warb intensiv für das Projekt, denn: „Mit einem größeren Stadion könnten wir auf dem besten und natürlichsten Wege neue Einnahmen generieren: durch den Verkauf von Tickets. Und wir haben bewiesen, dass der Standort Müngersdorf für uns oberste Priorität hat.“ Zudem betonte er, wohl auch in Richtung des neuen Vorstands, der ein solches Projekt für schwer finanzierbar hält: „Wir machen kein Harakiri und werden durch kein Bauvorhaben dieser Welt die Existenz dieses Vereins gefährden. Aber es ist unsere unternehmerische Pflicht, diese historische Chance zu prüfen.“

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