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Lehren des Spiels: Der FC geht nur vom Ergebnis in München unter


Der 1. FC Köln hatte beim FC Bayern München auf eine Überraschung gehofft, musste sich am Ende aber deutlich mit 0:4 geschlagen geben. Trotz des frühen Rückstands hielten die Geißböcke an ihrem Matchplan fest und beugten sich nicht der Münchener Überlegenheit. Die Geschichten des Spiels in der Allianz Arena.

München –  Nicht wenige hatten sich im Vorfeld der Partie verwundert gezeigt, als der 1. FC Köln offen kommunizierte, unabhängig vom Ausgang des Spiels bei den Bayern am Abend gemeinschaftlich das Oktoberfest zu besuchen. Einige warfen dem Verein fehlende Ernsthaftigkeit für das bevorstehende Bundesliga-Spiel vor. Doch die Kölner belehrten die Kritiker eines Besseren: Der FC lieferte über 90 Minuten eine couragierte und selbstbewusste Leistung ab und konnte sich nach der Partie trotz der 0:4-Niederlage beim Rekordmeister nur wenig vorwerfen. Die Lehren des Spiels.

Geschichte des Spiels

Achim Beierlorzer stellte seine Mannschaft taktisch um und opferte die zweite Sturmspitze in Person von Anthony Modeste, um im Mittelfeld mehr Zugriff auf das Bayern-Spiel zu bekommen. Der Trainer forderte von seiner Mannschaft, sich nicht zu verstecken und mutig den Weg nach vorne zu suchen. Doch es waren keine 180 Sekunden in der Allianz Arena absolviert, da traf Robert Lewandowski zum 0:1 und der Matchplan der Geißböcke schien bereits auseinander zu fallen. Doch die Kölner ergaben sich nicht in ihr Schicksal. Die Gäste boten Bayern die Stirn, traten couragiert auf, und zwischenzeitlich lag sogar der Ausgleich in der Luft. Die Kölner gingen mit dem Gefühl in die Halbzeitpause, phasenweise mitgehalten zu haben. Doch die Geschichte des Spiels bestand aus den zwei Lewandowski-Toren, jeweils keine 180 Sekunden nach dem Anpfiff. So brachte sich der FC nach der Pause durch einen einfachen Eckball um jede Hoffnung auf Punkte. Wer so mutig auftritt, darf dabei die einfachen Dinge in der Defensive nicht vergessen. Das passierte aber den Kölnern, und so lud der FC die Bayern zum Toreschießen ein.

Das Ergebnis

Dass die Kölner selbst in Unterzahl und dem 0:3 durch Coutinho (Foulelfmeter) nicht daran dachten, ihre Offensivbemühungen einzustellen, war durchaus beachtenswert. Allerdings bescherte das dem FC Bayern viel Platz, welchen sie in der 73. Minute mit einem Konter über Ivan Perisic zum 4:0-Endstand nutzen konnten. So fiel das Endergebnis am Ende eigentlich zu hoch aus. In einigen Situationen hatte der FC zwar Glück, nicht noch mehr Gegentreffer kassiert zu haben. Doch gleichfalls hatte Köln vorne mehrere Möglichkeiten vergeben, um seinerseits zum Torerfolg zu kommen.

Pfiff des Spiels

Es war ein bitterer Tag für Kingsley Ehizibue in der Allianz Arena, den Schiedsrichter Patrick Ittrich in der 59. Minute für den Rechtsverteidiger noch schlimmer machte. Nach einem Schubser an Philippe Coutinho entschied der Unparteiische auf Notbremse und schickte den Niederländer vorzeitig in die Kabine. Mit einem gefühlvollen Pass über die Kölner Innenverteidigung hinweg hatte Tolisso den brasilianischen Neuzugang der Bayern auf Reisen geschickt. Coutinho tauchte vor Timo Horn auf und Ehizibue brachte den Münchener durch einen leichten Stoß von hinten zu Fall. Da der FC-Spieler dadurch eine klare Torchance verhinderte und zudem keine Chance auf den Ball hatte, blieb Ittrich hart und entschied sich neben dem Elfmeter auch für die viel diskutierte Dreifachbestrafung. So musste der FC nicht nur 30 Minuten in Unterzahl spielen, sondern wird auch mindestens im Heimspiel gegen Berlin auf Ehizibue verzichten müssen. Eine zumindest diskutable Entscheidung des Schiedsrichters, zumal Marco Höger und Jonas Hector in der Mitte mitgelaufen waren und ein mögliches Tor eventuell noch hätten verhindern können.

Zitat des Spiels

FC-Geschäftsführer Armin Veh zeigte sich nicht nur wegen der Roten Karte für Kingsley Ehizibue mit der Leistung des Unparteiischen Patrick Ittrich unzufrieden. Vor allem in der ersten Hälfte sah Veh die Kölner in vielen kleinen Szenen benachteiligt. Nach der Partie schimpfte der 58-jährige: „Mich über den Schiedsrichter aufzuregen, habe ich mir abgewöhnt. Aber wenn er in der ersten Halbzeit ein rotes Trikot angehabt hätte, hätte man wenigstens gewusst, dass er bei den Bayern ist.“

Einwechslung des Spiels

Das Spiel war beim Stand von 4:0 für die Bayern bereits entschieden, doch Matthias Bader wird sich wohl noch lange an die Schlussphase der Partie beim Rekordmeister erinnern. Nach vier Spielen über 90 Minuten auf der Ersatzbank, feierte der 22-jährige in der 79. Minute sein Bundesliga-Debüt vor 75.000 Zuschauern in der Allianz Arena. Zwar fügte sich der Rechtsverteidiger direkt mit einem Fehlpass im Aufbauspiel ein, kurze Zeit später stoppte Bader jedoch den wendigen Coutinho an der rechten Strafraumgrenze und verhinderte so eine weitere Großchance des Rekordmeisters. Möglich, dass Bader durch die Rotsperre von Kingsley Ehizibue gegen die Hertha zu seinem Startelfdebüt in der Bundesliga kommt.

Erkenntnis des Spiels

Wer 0:4 verliert, hat in den meisten Fällen nicht sonderlich viel richtig gemacht. Für das Spiel des Effzeh bei den Bayern galt dies am Samstag nur bedingt. Zwar steht unterm Strich die vierte Niederlage im fünften Spiel, trotzdem müssen sich die Kölner ob ihrer Leistung in der Allianz Arena nicht verstecken. Anders als viele andere Mannschaften hat der FC Mut bewiesen, selbst nach dem Platzverweis und einem Drei-Tore-Rückstand offensiv nach vorne gespielt und die Bayern auch in der Defensive beschäftigt. Freilich barg diese Spielweise ein Risiko, doch Beierlorzer wollte seine Mannschaft nicht nur als Sparringspartner für die Münchener sehen. Stattdessen stellten sich die Geißböcke dem Rekordmeister als hartnäckiger Gegner entgegen und ergaben sich nicht ihrem Schicksal. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der FC zwar weit davon entfernt ist, sich mit dem FC Bayern auf Augenhöhe messen zu können, die Einstellung und der Einsatzwille bei den Spielern hatten jedoch gestimmt, die Mannschaft fiel nicht auseinander. Damit zeigte das Team eine Woche nach dem leidenschaftslos geführten Derby gegen Mönchengladbach die richtige Reaktion.

Schema zum Spiel

FC Bayern München – 1. FC Köln 4:0 (1:0)

Tore: 1:0 Lewandowski (3.), 2:0 Lewandowski (48.), 3:0 Coutinho (62., FE), 4:0 Perisic (73.)

FC Bayern: Neuer – Pavard, Süle, Boateng (59. Martinez), Hernandez – Kimmich (71.Cuisance), Tolisso – Gnabry, Coutinho, Perisic – Lewandowski (71. Müller)

Effzeh: Horn – Ehizibue, Bornauw, Czichos, Hector – Höger (79. Bader), Skhiri – Schindler, Drexler, Kainz (64. Meré) – Cordoba (72. Terodde)

Schiedsrichter: Patrick Ittrich (Hamburg)

Gelbe Karten: Boateng (31.), Hernandez (67.), Martinez (74.), Cuisance (83.)

Rote Karten: Ehizibue (59.)

Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)

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