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„Sonst werden wir bis zum Schluss unten drin stehen“


Rückschlag oder Rückfall? Der 1. FC Köln verliert beim 1. FSV Mainz 05 mit 1:3 (1:1). Eine Niederlage, die nicht nur im Ergebnis weh tut. Die Geissböcke müssen sich erneut hinterfragen, nachdem sie gedacht hatten, auf einem guten Weg zu sein. Der heftig diskutierte Videobeweis darf keine Ausrede sein für die indiskutable Leistung in der ersten Halbzeit nach der frühen Führung. Die Lehren des Spiels.

Aus Mainz berichtet Marc L. Merten

Geschichte des Spiels: Der nicht gegebene Elfmeter? Nein, der Einbruch. Der Einbruch unmittelbar nach dem Führungstor. Der 1. FC Köln traf in der 14. Minute durch Simon Terodde zum 1:0, hatte das Spiel bis dahin vollkommen im Griff. Doch statt mit dem zweiten Anstoß der Partie nachzulegen, überließ der FC fortan Mainz komplett das Feld. Zweikämpfe? Fehlanzeige. Ballsicherheit? Nicht bei den Geissböcken. Nur Sekunden nach dem Terodde-Treffer hätte Boetius bereits ausgleichen können, tat es schließlich wiederum nur wenige Minuten später. „Wir haben um den Ausgleich gebettelt“, sagte Louis Schaub später. Und anschließend um den Rückstand. Armin Veh schimpfte: „Wenn man direkt nach dem Führungstreffer in Gefahr gerät, kann ich das nicht nachvollziehen. Die Gunst einer Führung müssen wir nutzen. Es war für mich nicht nachvollziehbar, dass wir das so zulassen.“ Bis zum Ende der ersten Hälfte lief Köln den Gastgebern nur noch hinterher. Dieser Bruch im Spiel war mitentscheidend für den Ausgang der Partie.

Das Ergebnis: Das 1:3 hat für den FC zunächst keine unmittelbaren Folgen, doch es dürfte eine Wirkung haben. Denn Köln verpasste es, sich vom Tabellenkeller etwas abzusetzen. Stattdessen steckt man weiterhin mittendrin. Am Sonntag trifft der FC Augsburg als Vorletzter beim VfL Wolfsburg auf ein Topteam. Sollten die Fuggerstädter nicht gewinnen, bliebe dem FC der erneute Sturz auf einen direkten Abstiegsplatz zwar erspart. Doch die Geissböcke können mit der bisherigen Punkteausbeute nicht zufrieden sein. Zumal der 9. Spieltag eine Chance war, als Gewinner zu gelten. Am Samstag gewann der SC Paderborn gegen Fortuna Düsseldorf, Bremen muss in Leverkusen ran, Union verlor bei den Bayern – drei Punkte in Mainz wären Gold wert gewesen für den FC. So sind sie Gold wert für Mainz.

Zitat des Spiels: „Es war für uns ein wichtiges Spiel, auch, weil wir vor dem Spiel eine gute Ausgangsposition hatten“, sagte Sportchef Armin Veh und fügte warnend hinzu: „Wir müssen lernen, solche Spiele zuzumachen. Sonst werden wir bis zum Schluss unten drin stehen.“

Duell des Spiels: Viele Augen waren am Freitagabend wieder auf Noah Katterbach gerichtet. Der 18-Jährige hatte zwei anständige bis gute Spiele gegen Schalke und Paderborn absolviert. In Mainz hingegen musste er erstmals erleben, was passiert, wenn in der Bundesliga einiges schief läuft. Levin Öztunali und Daniel Brosinski bereiteten dem Linksverteidiger arge Probleme. Nach guten Anfangsminuten musste Katterbach Lehrgeld zahlen. Die Mainzer hatten sich mit Katterbach und Ehizibue als potentielle Schwachstellen die Flügel ausgesucht und bespielten diese konsequent. So sehr, dass Ehizibue nach einer sehr schwachen Vorstellung für Benno Schmitz runter musste und Katterbach später aus taktischen Gründen dem dritten Stürmer zum Opfer fiel. Vorzuwerfen hat sich Katterbach jedoch nicht viel. Er ist ein hoch veranlagter Youngster, der in Hälfte zwei schon wieder deutlich stabiler agierte als in Hälfte eins. Verantwortlich für die Niederlage waren am Freitagabend andere Spieler.

Erkenntnis des Spiels: Rückschlag oder Rückfall? Diese Frage zu beantworten wird die Erkenntnis des Spiels in Mainz liefern. Kann der FC im Pokal in Saarbrücken und vor allem in der Liga in Düsseldorf in den kommenden Tagen sofort wieder an die Leistungen auf Schalke und gegen Paderborn anknüpfen, war der Auftritt in Mainz nur ein Rückschlag. Verfällt die Mannschaft in den kommenden Spielen aber erneut in den Trott jener halben Stunde in Mainz vor der Halbzeitpause, war es ein Rückfall in Auftritte, wie man sie nach dem leblosen Derby gegen Gladbach eigentlich nicht mehr sehen wollte. Zu wenig konstant tritt der FC bislang in dieser Saison auf. Armin Veh formulierte es deutlich: Bleibt es dabei, wird der FC bis zum Schluss im Tabellenkeller feststecken.

Schema zum Spiel

1. FSV Mainz 05 – 1. FC Köln 3:1 (1:1)

Tore: 0:1 Terodde, 1:1 Boetius, 2:1 Quaison, 3:1 Öztunali

Mainz 05: Zentner – Brosinski (73. Latza), St. Juste, Niakhaté, Aaron – Kunde, Baku, Öztunali (84. Hack), Boetius – Quaison (78. Onisiwo), Szalai

Effzeh: Horn – Ehizibue (58. Schmitz), Bornauw, Czichos, Katterbach (81. Modeste) – Skhiri, Hector – Schindler (65. Cordoba), Schaub, Kainz – Terodde

Schiedsrichter: Frank Willenborg

Gelbe Karten: Niakhaté, Kunde / Bornauw, Hector

Zuschauer: 31.999

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