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Heldt überzeugt: Trainerwechsel wird sich bald auszahlen


Wie ein Trainerwechsel funktionieren kann, hat am Wochenende ausgerechnet der 1. FSV Mainz 05 gezeigt. Mit Achim Beierlorzer gewannen die 05er bei 1899 Hoffenheim sage und schreibe mit 5:1. Derweil ging der 1. FC Köln mit Markus Gisdol mit 1:4 bei RB Leipzig baden. Haben die Kölner damit die Wirkung des Trainerwechsels riskiert? Nein, ist Sportchef Horst Heldt überzeugt. Auch, weil Markus Gisdol den nun nötigen Punkteschnitt schon mehrfach erreicht hat.

Köln – Das Risiko war groß. Gibt man dem neuen Trainer beim 1. FC Köln das schwere Auswärtsspiel bei RB Leipzig oder lässt man das Duell noch unter der Flagge der beiden Interimstrainer André Pawlak und Manfred Schmid laufen? Bekanntermaßen entschieden sich die FC-Verantwortlichen für Markus Gisdol. Die Hoffnung: Je früher der Klub einen neuen Trainer installiert, desto besser. Schweres Spiel in Leipzig hin oder her.

Dass schwere Auswärtsspiele keine echte Hürde für einen neuen Mann sein müssen, bewies am Sonntag ausgerechnet Achim Beierlorzer. Hoffenheim hatte zuvor sechs Spiele in Folge gewonnen. Für den ehemaligen Köln-Coach und neuen Mainz-Boss kein Problem: Sein Team fertigte die TSG trotz Unterzahl mit 5:1 ab. Davon waren die Geissböcke in Leipzig bekanntlich weit entfernt. Stattdessen hatte nicht viel zu einer 1:5-Niederlage gefehlt. Am Ende wurden es vier Gegentore und ein in allen Belangen schwacher Auftritt der Kölner in Leipzig.

Wir müssen den Trainerwechsel auf Strecke sehen

Ist damit nun schon der Effekt des Trainerwechsels verwirkt? Nein, glaubt Sportchef Horst Heldt. „Ich sehe es nicht so, dass das Spiel eine Belastung für den neuen Trainer war. Eher ist es so, dass jeder Tag Gold wert ist. Wenn man einen Trainer wechseln will, sollte man das auch durchziehen“, sagte der 49-Jährige. Andernfalls hätte die Mannschaft nur eine weitere Ausrede gehabt, um in Leipzig nicht alles abzurufen. Freilich taten die Spieler dies auch nicht unter dem neuen Übungsleiter, weshalb die kommenden Tage und die erste Reaktion des neuen Trainerteams auf die enttäuschende Vorstellung in Leipzig mit Spannung erwartet wird. „Wir müssen den Trainerwechsel auf Strecke sehen“, sagte Heldt. „Jeder Tag hilft der Mannschaft mit dem Trainer. Da ist es egal, ob das jetzt ein undankbarer erster Gegner war. Natürlich wäre ein Gegner, der nicht so gut Fußball spielt, für den Einstieg leichter gewesen. Aber wir müssen es so nehmen, wie es ist.“

In der Vorsaison hatte es ein Beispiel gegeben, wie eine derbe Niederlage zum Auftakt für einen neuen Trainer direkt zur Bürde werden kann. Der VfB Stuttgart hatte in der vergangenen Spielzeit nach sieben Spieltagen Tayfun Korkut beurlaubt und vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund mit Markus Weinzierl den neuen Hoffnungsträger installiert. Es folgte eine 0:4-Klatsche gegen den BVB. Die Folge war verheerend: In den folgenden zwei Spielen gab es ein weiteres 0:4 gegen Hoffenheim und ein 0:3 gegen Frankfurt. Zwar konnte sich Stuttgart danach noch einmal kurz berappeln, doch Weinzierl galt bereits nach diesem Auftaktprogramm als beschädigt und wurde vor dem Saisonendspurt wieder entlassen.

Gisdols Rechnung: Köln braucht 1,5 Punkte pro Spiel

Dieses Risiko gibt es bei Markus Gisdol auch, sollten die folgenden beiden Partien gegen die direkten Konkurrenten aus Augsburg und Union Berlin ebenfalls schief gehen. Doch ausgerechnet Gisdol selbst ist das beste Beispiel, dass selbst ein kompletter Fehlstart als neuer Trainer nichts heißen muss. Als der heutige FC-Coach 2016 nach fünf Spieltagen beim Hamburger SV übernahm, stand der HSV mit einem Punkt aus fünf Spielen im Tabellenkeller. Zunächst aber wurde es auch unter Gisdol nicht besser. Vier Niederlagen in seinen ersten fünf Spielen als Hamburger Trainer und nur ein weiterer Punkt verhießen nichts Gutes. Dann aber drehte der HSV unter Gisdol auf. Es folgten 36 Punkte in 24 Spielen – und damit die direkte Rettung, mit der nach zehn Spieltagen kaum jemand mehr gerechnet hatte.

Beim 1. FC Köln hat die Mathematik auch schon Einzug gehalten. Mit sieben Punkten aus zwölf Spielen haben die Geissböcke bereits vier Punkte Rückstand auf das rettende Ufer und müssen damit fürchten, den Anschluss an die Nicht-Abstiegsplätze zu verlieren. Doch „auf Strecke“, wie Heldt sagte, bleiben den Kölnern noch 22 Spieltage zur Rettung. 33 Zähler wären zur magischen 40-Punkte-Grenze in diesen Partien nötig und damit ein Punkteschnitt von 1,5 Zählern pro Spiel. Diesen Schnitt erreichte Gisdol damals während der Aufholjagd mit dem HSV und auch in den zwei erfolgreichen Jahren mit Hoffenheim, ehe er jeweils entlassen wurde. In den guten Zeiten mit seinen Teams war Gisdol also stets so erfolgreich, wie der 1. FC Köln es nun bis zum Saisonende wird sein müssen. Sollte ihm dies mit den Geissböcken ebenfalls gelingen, hätte sich der Trainerwechsel ausgezahlt – das Spiel in Leipzig wäre dann nur noch eine Randnotiz.

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