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Kölns neue Hoffnung ist diesmal nicht auf Sand gebaut


Dass der 1. FC Köln im Kampf um den Klassenerhalt mit neuem Optimismus in die Rückrunde starten kann, ist einer verrückten Woche vor Weihnachten geschuldet. Die drei Siege in Folge haben in kürzester Zeit die Mannschaft auf und neben dem Platz verändert. Zwar gibt es weiterhin Parallelen zur Abstiegssaison 2017/18. Doch dieses Mal sind die Voraussetzungen andere – und deutlich bessere.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Ein Rückblick: Auch in der Saison 2017/18 gab es rund um Weihnachten drei Siege: gegen Wolfsburg am 17. Spieltag sowie gegen Gladbach und den HSV nach der Winterpause. Danach ging es mit dem FC trotz der kurz aufgeflackerten Hoffnung dahin und in Richtung Zweite Liga. Dass sich die Kölner Gefühlswelt im Januar 2020 gänzlich anders darstellt als 2018, ist einer ebenso gänzlich anderen Ausgangslage geschuldet.

Vor dem ersten der drei Siege 2017/18 hatte der Kölner Rückstand auf Rang 15 bereits 14 (!) Punkte betragen. Nach den drei Siegen war der FC daher immer noch Letzter. Zwar war der Relegationsplatz inzwischen mit vier Punkten Rückstand in Reichweite. Doch sichtbar hatte sich für die Geissböcke nichts verändert. Das rettende Ufer war noch immer schier unerreichbare acht Punkte entfernt. Wer dagegen heute auf die Tabelle schaut, sieht den großen und entscheidenden Unterschied: Vier Punkte betrug der Rückstand in den Wochen vor der Siegesserie, zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz haben die Geissböcke jetzt. Der 15. Tabellenplatz spricht für sich, er ist das sicht- und fühlbare Ergebnis der Siegesserie.

Gisdol hat das Fundament gegossen, das Beierlorzer nie hatte

Drei Siege sind eben nicht gleich drei Siege. Der 1. FC Köln hat sich mit seinem Dreifach-Erfolg vor Weihnachten als ernsthafter Kandidat im Kampf um den Klassenerhalt zurückgemeldet und Gegner hinter sich gelassen. Die drei Siege liefern ungleich mehr Selbstvertrauen und Lust auf weitere Erfolge als das verzweifelte Anrennen vor zwei Jahren. Mit 17 Punkten nach 17 Spielen haben die Geissböcke ein Fundament gegossen, auf dem Trainer Markus Gisdol und seine Mannschaft aufbauen können und wollen. Das war im Trainingslager in Benidorm zu spüren.

Ein weiterer Rückblick: Vor einem halben Jahr in der Sommer-Vorbereitung hatte alleine Achim Beierlorzer für Hoffnung und Optimismus gesorgt, für Euphorie und gute Stimmung. Die Verantwortlichen verkannten damals aber, dass der Beierlorzer-Effekt kein Fundament besaß, nicht stabil genug war, um die schweren ersten Wochen in der Bundesliga zu überstehen. Die Spieler wollten zwar an den neuen Trainer und an sich selbst glauben, tatsächlich aber hatten sie keinerlei Selbstbewusstsein mit in die Saison genommen, an dem sie sich hätten bei Rückschlägen aufrichten können. Der Aufstieg war kein Erfolgserlebnis gewesen, das die nötige Sicherheit hätte geben können.

Jetzt ist der FC wieder wettbewerbsfähig

Markus Gisdol hat nun gänzlich andere Voraussetzungen. Er hat in seiner kurzen Amtszeit bereits Rückschläge überwunden und anschließend mit seiner Mannschaft drei Siege in Folge eingefahren, an die kaum jemand geglaubt hatte. Die Spieler werden sich in der Rückrunde immer wieder daran erinnern können, dass die gemeinsame Arbeit Früchte tragen kann. Das Fundament mag noch nicht stabil sein, doch immerhin gibt es eines: eines aus drei Siegen, aus tatsächlichem Erfolg in der Bundesliga, aus der Erkenntnis, dass die Grundtugenden im Fußball von Nöten sind, um im Kampf um die Klasse bestehen zu können. Die Arbeit an der Costa Blanca wurde daher nicht auf Sand gebaut, sondern auf realen Erfahrungen. Die Ausgangslage für die Rückrunde ist daher eine ungleich bessere als vor zwei Jahren und verspricht einen wettbewerbsfähigen 1. FC Köln in der Bundesliga.

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