,

Minuten der Warnung – Momente der Überzeugung


Markus Gisdol brachte es nach dem 3:1-Sieg des 1. FC Köln gegen den VfL Wolfsburg auf den Punkt. Mit drei Punkten im Rücken kritisiere es sich besser, meinte der FC-Coach. Er meinte damit freilich die defensive Fehlerhaftigkeit in den Anfangsminuten und das zwischenzeitliche Wackeln nach dem Anschlusstreffer. Die Lehren des Spiels.

Aus Müngersdorf berichten Sonja Eich und Marc L. Merten

Geschichte des Spiels: Die ersten zehn Minuten erzählten alles, was danach passierte. Der VfL Wolfsburg belegte eindrucksvoll die These, wer vorne nicht die Tore mache, der werde hinten bestraft. Wout Weghorst hätte nach 14 Sekunden per Kopf und nach einer Minute und 48 Sekunden per Fuß treffen müssen. Weil dies nicht geschah und der FC sich in der Folge ins Spiel kämpfte, ging Wolfsburg unter, weil es vorher den FC nicht versenkt hatte, noch ehe die Geissböcke wirklich stattgefunden hatte. Diese Kölner Fehler wird Gisdol nun analysieren müssen, denn eigentlich soll die defensive Stabilität das Kölner Prunkstück im Abstiegskampf sein.

Das Ergebnis: Nach 90 Minuten stand trotz der wackeligen Anfangsphase ein verdienter FC-Sieg, ohne Frage. Wolfsburg schaltete nach den vergebenen Chancen in den Bürokraten-Modus. Köln dagegen gab Gas. Gegen die beste Defensive der Liga gelangen dem FC drei blitzsaubere Tore. Das erste nach einem Freistoß, das zweite nach einem überragenden Pressing und das dritte nach einer Ecke. Der FC gewann auch dank defensiv wie offensiv starker Standards gegen eigentlich in der Luft so starke Wolfsburger. Die Kölner waren durchsetzungsstärker. So gelang der 3:1 (2:0)-Erfolg.

Szene des Spiels: Der Moment purer Überzeugung kam in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Hätte Koen Casteels den Ball beim Abstoß einfach nach vorne gedroschen, hätte Schiedsrichter Marco Fritz wohl einfach zum Pausentee gepfiffen. Stattdessen wollte Wolfsburg noch mal hinten raus spielen. Das ging schief. Ismail Jakobs  setzte noch einmal zu einem Sprint an. Das kann er, der 20-jährige Linksaußen. In höchstem Tempo und mit der Gier in den Augen sprintete er auf Marcel Tisserand zu. Der überraschte Innenverteidiger geriet in Panik und schob den Ball Ellyes Skhiri in den Fuß. Jhon Cordoba machte das 2:0 und der FC ging jubelnd in die Pause. Jakobs bewies dadurch, wie wertvoll er zur Zeit ist. Schon beim 1:0 hatte er seine Finger im Spiel gehabt. Eigentlich war ihm Kevin Mbabu schon entwischt. Doch Jakobs raste hinterher, grätschte dem Linksverteidiger den Ball vom Fuß, Noah Katterbach wurde gefoult. Der Freistoß führte zum Führungstor. Jakobs war also an beiden Toren beteiligt und stand damit sinnbildlich für das, was den FC aktuell ausmacht: Kampf, Wille, Laufstärke, Schnelligkeit.

Duell des Spiels: Eigentlich hätte man Jhon Cordoba gegen Tisserand und Brooks stundenlang zuschauen können, wie der Kolumbianer den einen wie den anderen Innenverteidiger der Wölfe frisch machte. Doch auf der anderen Seite zeigte Sebastiaan Bornauw gegen Wout Weghorst, wie es anders ging. Der Belgier gegen den Niederländer, 1,91 Meter gegen 1,97 Meter, Zerstörer gegen Torjäger – es gewann der Kölner Abfangjäger. Nach den beiden Großchancen in den ersten zwei Minuten kam Weghorst in den folgenden 88 Minuten auf keinen einzigen Torschuss mehr. Der siebenfache Torschütze der Hinrunde war bei Bornauw in besten Händen.

Erkenntnis des Spiels: Nach den 90 Minuten am 18. Spieltag darf man einen Mann nicht vergessen: Timo Horn hat viel abbekommen in den letzten zwei Jahren. Doch der 26-Jährige hat seine Form wiedergefunden. Nicht nur gegen Weghorst (2.), sondern über die gesamten 90 Minuten blieb Horn nahezu fehlerfrei, auch bei hohen Bällen mutig und sicher. Horn gewinnt dem FC wieder Spiele. Das ist eine hervorragende Nachricht für die Geissböcke. Vor einigen Monaten wäre Horn in der 88. Minute der Freistoß von Maximilian Arnold noch durchgerutscht, nun revanchierte sich der FC-Keeper für das Traumtor des Mittelfeldspielers in der Hinrunde mit einer weiteren starken Parade. Horn ist wieder da.

Der Abstiegskampf: Die drei Punkte haben den 1. FC Köln einen weiteren Schritt nach vorne gebracht. Mit nun 20 Punkten aus 18 Spielen liegen die Geissböcke auf Kurs Klassenerhalt. Gemeinsam mit den ebenfalls siegreichen Bremern und Frankfurtern gehörte der Effzeh zu den Gewinnern des Spieltags im Tabellenkeller. Düsseldorf, Mainz, Hertha BSC und Union hingegen verloren. Köln liegt nun schon fünf Punkte vor einem direkten Abstiegsplatz. Der Relegationsplatz ist drei Zähler weg. Dort liegt mit Werder eine Mannschaft, die sich deutlich weiter vorne wähnt und alles unternehmen wird, mindestens eine der vor ihr liegenden Teams hinter sich zu lassen. Der FC steckt also weiter unten drin, darf nicht glauben, dass die vier Siege bereits alles zum Guten gewendet hätten. Das Selbstvertrauen ist jedoch nun derart groß, dass selbst etwas Zählbares bei Borussia Dortmund am 19. Spieltag nicht mehr unrealistisch ist.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar