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Stresstest für Gisdols System: Das will der FC-Coach sehen

Markus Gisdol hat gegen den FC Bayern München – wie so viele Trainer – eine eher bescheidende Bilanz. Ein Unentschieden aus sieben Spielen – mit dem 1. FC Köln will er seinem und dem Klub-Punktekonto am Sonntag mindestens einen Zähler hinzufügen. Dafür müssen sich seine Spieler in dem System auf höchstem Niveau bewähren, das zuletzt so gut funktioniert.

Köln – Fünf Siege aus den letzten sechs Bundesliga-Spielen: Der 1. FC Köln ist zurecht eine der Mannschaften der Stunde, im Abstiegskampf der große Gewinner vor und nach der Winterpause. Eigentlich hätten in den letzten und kommenden Tagen zwei große Prüfungen für die Geissböcke angestanden. Doch weil das Duell gegen Borussia Mönchengladbach auf dem 11. März verlegt wurde, geht es zunächst einmal gegen den FC Bayern, ehe mit Hertha BSC der nächste direkte Konkurrent aus dem unteren Mittelfeld wartet.

Die Bayern sind der größtmögliche Prüfstein für den Effzeh unter Gisdol. Bislang spielte der FC unter dem neuen Coach gegen vier vermeintliche Top-Teams: In Leipzig, als Gisdol gerade erst in Köln angefangen hatte und praktisch noch nichts von dem hatte installieren können, was später so gut funktionierte, ging es gänzlich schief. Dei Geissböcke schlichen nach einem verdienten 1:4 vom Platz. Gegen Leverkusen, zum damaligen Zeitpunkt Tabellen-Sechster und heutiger -Fünfter, leitete Gisdol mit seiner erstmals umgekrempelten Mannschaft die Wende ein (2:0). Gegen die ebenso ambitionierten wie enttäuschenden Wolfsburger zu Rückrundenbeginn folgte der nächste Streich (3:1), ehe es in Dortmund wieder mächtig schief ging (1:5).

Daheim konnten Gisdols Mannschaften den FC Bayern ärgern

Das Duell beim BVB ist daher auch jenes Spiel, das Gisdol am ehesten als Anschauungsbeispiel dient, wie es gegen die Bayern am Sonntag nicht gelingen würde. Zu große Abstände, zu hohes Anlaufen, zu wenig Druck auf den Gegner in den Zweikämpfen – solche Fehler bestrafen in der Bundesliga in dieser Härte nur wenige Mannschaften: Dortmund und Bayern sind zwei davon. Das war schon im Hinspiel in München so, als der FC ins offene Messer lief, zwar eine der wenigen leidenschaftlichen Vorstellungen ablieferte, am Ende aber übermotiviert und taktisch undiszipliniert mit 0:4 nach Hause geschickt wurde. Gisdol will am Sonntag einen anderen FC sehen, jenen, der Leverkusen, Frankfurt, Bremen, Wolfsburg und Freiburg besiegte. Mit Laufbereitschaft, Disziplin, Härte und Konsequenz in der Defensive ebenso wie in der Offensive.

Dann könnte es gegen die Bayern reichen, zumindest zu einer engen Partie. „Wir waren oft kurz davor, was zu holen“, sagte Gisdol am Freitag im Rückblick auf seinen sieben Spiele gegen die Bayern. In München gab es zwar zwei bittere Reiben, ein 0:8 mit dem HSV und ein 0:4 mit Hoffenheim. Mit der TSG gelang der einzige Punkt jedoch bei einem 3:3 in der Allianz Arena. In den jeweiligen Heimspielen zeigten die Gisdol-Truppen aber stets enge Partien, verloren zwar alle vier, drei davon jedoch nur mit einem Tor Unterschied und das vierte mit zweien, wobei das 0:2 damals in der dritten Minute der Nachspielzeit fiel. Die Bayern mussten auswärts gegen die von Gisdol eingestellten Mannschaften also stets bis zur letzten Minuten kämpfen. „Das zeigt, dass gegen die Bayern immer was möglich ist“, sagte Gisdol am Freitag entsprechend kämpferisch.

Wir brauchen auch gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner spielerische Lösungen

Ob mit dem HSV oder mit Hoffenheim, Gisdol gab seinen Mannschaften damals ähnliche Aufträge wie auch heute seiner Mannschaft. Neben den Grundtugenden und einer massiven Arbeit in der Defensive will der FC-Coach von seinen Spielern einen mutigen Vortrag in Richtung gegnerisches Tor sehen. „Es ist unabdingbar, in so einem Spiel anständigen Fußball zu spielen“, sagte Gisdol. „Wir werden wenig Ansatzpunkte finden, wenn wir den Ball immer nur blind nach vorne schlagen. Wir brauchen auch gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner spielerische Lösungen.“ Mitnichten wird der FC-Coach hohes Anlaufen und Angriffspressing von seiner Mannschaft sehen wollen. Doch die FC-Profis sollen aus ihrem Ballbesitz mehr machen als nur lange Bälle auf Jhon Cordoba, der gegen die Bayern-Abwehrbrocken ohnehin Schwerstarbeit zu leisten haben wird. Der FC soll versuchen über einfache, aber gezielte Passstafetten vor das gegnerische Tor zu kommen.

Gisdol betonte: „Wir wollen keine besonderen Dinge machen.“ Vielmehr will der 50-Jährige von seinen Spielern sehen, inwieweit sich die zuletzt gezeigte Stabilität und Klarheit im Spiel schon verfestigt hat. „Wir haben eine gewisse Sicherheit in unseren Abläufen gefunden. Gegen diesen Gegner bin ich gespannt, inwiefern unsere Abläufe halten, unsere taktischen Vorgaben funktionieren und wir uns spielerisch lösen können.“ Der FC Bayern München wird am Sonntag also ein Stresstest auf höchstem Bundesliga-Niveau für den 1. FC Köln. Bestehen die Geissböcke, ist sogar etwas Zählbares drin.

11 Kommentare
  1. Hennes48 says:

    Ein Punkt wäre in der Tat schon fast sensationell.
    Ich wäre aber zufrieden, wenn der FC das Gesicht der letzten Heimspiele morgen wieder zeigt und diesen Kampfgeist wieder auf den Platz bringt. Denn diese Einstellung und Leistungsbereitschaft stimmt mich hoffnungsvoll für den Klassenerhalt. Ich denke, dann geht das Stadion auch wieder voll mit! Und vielleicht wird es ja dann sogar recht knapp…wäre gut für die Moral…

    • Gerd Mrosk says:

      Stresstest deswegen weil ziemlich klar ist ,dass 1. nicht von der eigentlichen Spielidee abgewichen werden soll und 2. ein Trainer natürlich 100 pro von dieser überzeugt ist und nach aussen hin demonstrieren muss,dass es eben gegen Bayern schwierig wird ,aber nicht unmöglich.Man erwartet halt permanenten Stress und nicht nur ab und an,wie gegen Freiburg oder am Anfang gegen Golfsburg

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