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Bundesliga und Corona: Die wichtigsten Fragen und Antworten


Das Derby des 1. FC Köln bei Borussia Mönchengladbach wird das erste Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte sein. Das steht inzwischen fest. Darüber hinaus wird es aufgrund der unvorhersehbaren Entwicklungen rund um den grassierenden Coronavirus in Deutschland wohl mindestens in Nordrhein-Westfalen weitere Geisterspiele geben, auch für den FC gegen Mainz 05. Die Geissböcke haben deshalb alle Ticketvorverkäufe für Heimspiele zunächst gestoppt. Was die Geisterspiele für Dauerkarten- und Ticketinhaber, aber auch für die Bundesliga-Vereine bedeuten – die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer entscheidet über die Ausrichtung eines Bundesliga-Spiels?

Eigentlich der gastgebende Verein als Veranstalter, jedoch in Absprachen mit den örtlichen Behörden (Polizei, Feuerwehr, Gesundheitsamt). Im Falle des Coronavirus waren bislang die örtlichen Gesundheitsbehörden entscheidend, inzwischen sind es aber die Behörden auf Länderebene. In der Bekanntgabe des Derby-Geisterspiels hieß es, man habe nun eine „NRW-weit einheitliche Regelung“. Das dürfte bedeuten: Alle Fußballspiele in Nordrhein-Westfalen werden bis auf weiteres ohne Zuschauer stattfinden.

Wie werden die Entscheidungen kommuniziert?

Die Vereine werden individuell über ihre Klubkanäle (Website, Social Media, Pressemitteilungen) bekannt geben, sobald offizielle Entscheidungen der Behörden vorliegen. Der GEISSBLOG.KOELN wird über seine Kanäle weiterverbreiten.

Was geschieht im Falle eines Geisterspiels oder einer Spielabsage mit bereits gekauften Tickets?

In den AGBs seines Ticketshops hat der 1. FC Köln dies unter Punkt 8.2 wie folgt geregelt: „Wird ein Heimspiel ersatzlos abgesagt oder findet ein Heimspiel, z.B. infolge einer durch einen Fußballverband oder dessen Sportgerichtsbarkeit (z.B. aufgrund von Zuschauerfehlverhalten) ausgesprochenen Sanktionierung oder einer Entscheidung einer zuständigen Behörde, teilweise oder vollständig unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt (nachfolgend „Zuschauerausschluss“), und führt dies dazu, dass der Kunde sein Besuchsrecht nicht ausüben kann, wird der 1. FC Köln dem Kunden (a) wenn möglich (z.B. im Falle eines teilweisen Ausschlusses der Zuschauer), einen anderen, möglichst gleichwertigen Platz im Stadion zuweisen; oder (b) den Ticketpreis erstatten. Die Auswahl zwischen den Maßnahmen gemäß lit. a) und b) liegt allein beim 1. FC Köln. Der Kunde kann jedoch weder die Zuweisung eines anderen Platzes im Stadion noch eine Erstattung verlangen, wenn der 1. FC Köln den Zuschauer- ausschluss nicht zu vertreten hat.“ Da im Falle des Coronavirus der FC auf die Behörden als Ursacher eines Zuschauerausschlusses gelten würde, könnte sich der FC auf diesen letzten Satz stützen und die Gelder für die Tickets einbehalten. Das ist nach GBK-Informationen aber noch nicht entschieden.

Wird bei einem Geisterspiel trotzdem medial berichtet?

Stand jetzt: ja. Andernfalls müssten die Rechteinhaber wie Sky wohl für die Ausfälle entschädigt werden. Allerdings könnte es auch hier Einschränkungen geben, sofern nur eine bestimmte Personenzahl das Stadion betreten dürfte oder sobald Reisebeschränkungen in Deutschland eingeführt werden sollten. In Paris wird das Champions-League-Spiel zwischen PSG und dem BVB ohne Interviews nach dem Spiel durchgeführt.

Werden Spieltage vollständig abgesagt?

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat erklärt, dass alle Spiele der ersten und zweiten Bundesliga bis Mitte Mai absolviert werden müssen – zur Not unter vollständigem Zuschauerausschluss. Das heißt: Verlegungen von ganzen Spieltagen sind kaum möglich, da die Wochen bis zum Saisonende mit weiteren Wettbewerben nahezu vollständig belegt sind.

Welche finanziellen Einbußen drohen dem Klubs?

Jedes Geisterspiel kostet die Vereine viel Geld. Versicherungen gegen solche Fälle gibt es nicht, Schadenersatz-Forderungen gegenüber den Behörden würden wohl geprüft, aber hätten wohl nur wenig Aussicht auf Erfolg. Klar ist: Jeder Klub auf allen Ligenebenen hat mit den Zuschauereinnahmen die Saison geplant und benötigt die Einnahmen für den Erhalt der Liquidität. Je niedriger die Liga, desto wichtiger die Zuschauereinnahmen. In der Bundesliga liegen die Zuschauereinnahmen hinter den TV-Geldern und dem Marketing an Rang drei. Alle Erstligisten könnten ihren Spielbetrieb also bis zum Saisonende aufrecht erhalten. Doch schon in der Zweiten Liga gehen die TV-Gelder so weit zurück, dass die Zuschauereinnahmen Platz eins oder zwei der größten Einnahmequellen ausmachen, in Liga drei und vier noch viel mehr. Während der 1. FC Köln nach GBK-Informationen keine Probleme bekäme, sähe dies bei anderen Klubs in anderen Ligen wohl anders aus. Der 1. FC Köln verliert jedoch ebenfalls pro Heimspiel ohne Zuschauer- und ohne Catering-Einnahmen deutlich über eine Million Euro.

Was bedeuten die Einbußen für die Lizenzierung?

Die DFL hat angekündigt den Klubs im Zweifelsfall entgegen zu kommen. Wie das aussehen könnte, ist aber unklar. Auch, weil die Liquidität zunächst für diese Saison ein Problem darstellt und erst im zweiten Schritt für die nächste Spielzeit.

Was passiert, wenn sich ein Spieler mit dem Coronavirus infiziert?

Den Regelungen zufolge müsste die gesamte Mannschaft für zwei Wochen in Quarantäne. Was dies für den Spielbetrieb bedeuten würde, ist nicht klar.

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