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„Wir müssen klären: Welcher Klub hält wie lange durch?“

Der Spielbetrieb der Bundesliga und 2. Liga pausiert mindestens bis Anfang April. Das bestätigte die DFL-Mitgliederversammlung am Montag. Alle Vertreter der 36-Profivereine hatten sich in Frankfurt gemeinsam bezüglich des weiteren Vorgehens angesichts der Corona-Krise beraten. Über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs soll ab dem 30. März abgestimmt werden. Doch auch dann dürften sich die Vereine auf Spiele ohne Zuschauer einstellen – und damit auf einen wirtschaftlichen Existenzkampf. 

Frankfurt/Köln – Aktuell betrifft die Aussetzung des Spielbetriebes lediglich den 26. und 27. Spieltag. „Das heißt aber nicht, dass wir aktuell davon ausgehen, am 3. April wieder zu spielen“, erklärte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Montag auf der Pressekonferenz nach der Mitgliederversammlung. Eine neuerliche Abstimmung über das weitere Vorgehen ist für die Woche ab dem 30. März vorgesehen. Wie es dann weitergeht, ist aktuell noch nicht abzusehen. Derzeit sollen die Vereine Rücksprache mit den örtlichen Behörden halten und anschließend Meldung an die DFL geben. Doch weil in den meisten Bundesländern Veranstaltungen bis nach Ostern verboten sind, wird sich wohl auch die Bundesliga dieser Vorgabe beugen müssen.

Dann wird es keine 20 Profiklubs mehr geben

Sicher scheint, dass selbst bei der Wiederaufnahme der Bundesliga die ersten Spiele unter Ausschluss von Zuschauern stattfinden werden. Geisterspiele seien „in nächster Zukunft die einzige Überlebenschance“, verkündete Seifert und bestätigte damit, dass eine Wiederaufnahme der Spiele nicht sofort wieder mit vollem Publikum möglich sein werden. Seifert ging am Montag noch weiter und machte deutlich: Wer sich jetzt in Fußball-Romantik verliere, der werde bald nicht mehr genügend Bundesligisten vorfinden. „Niemand liebt Bundesliga-Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Doch wer Spiele ohne Zuschauer ausschließt, muss sich keine Gedanken mehr machen, ob wir bald mit 18 oder 20 Profiklubs spielen. Denn dann wird es keine 20 Profiklubs mehr geben“, sagte der DFL-Geschäftsführer.

Fordert die UEFA Geld für EM-Verschiebung?

Trotzdem sei man sich freilich bewusst, dass die Vereine insbesondere von den Einnahmen des Sponsorings und der Zuschauer leben. „Wenn sie die nicht mehr haben, ist es eine Frage der Zeit, ehe das bei den Kosten des Tagesgeschäfts nicht lange gut geht.“ Zu Ende gespielt werden soll die Saison in jedem Fall. Eine genaue Antwort, wie es in den nächsten Wochen weitergehen kann, ist jedoch noch nicht gefunden. „Wir ringen alle nach der besten Lösung. Das ist nur nicht so einfach, weil wir nicht wissen, wie es nächste Woche aussieht“, erklärte Seifert. Am Dienstag entscheidet zunächst die UEFA, wie es mit den internationalen Wettbewerben und der EM weitergeht. Sollte sich bewahrheiten, was die Onlinezeitung The Athletic berichtet, würden noch weitere Hürden auf die Klubs zukommen. Demnach soll die UEFA insgesamt 275 Millionen Pfund (rund 300 Mio. Euro) von seinen Ligen und Klubs fordern, um die Europameisterschaft 2020 um ein Jahr zu verschieben. Schließlich sei es deren Anliegen, die unterbrochenen Saisons fortzuführen und zu beenden.

 

Der wirtschaftliche Existenzkampf der Klubs ob der unsicheren Situation könnte also noch weitaus komplexer sein als lediglich vom Spielplan, den Zuschauern und den TV-Geldern abhängig. Klar ist lediglich, dass die Vereine in der ersten und zweiten Bundesliga aufgrund ihrer Finanzstärke unterschiedlich stark von den Spielabsagen und möglichen Geisterspielen betroffen wären. „Wir müssen klären: Welcher Klub hält wie lange durch?“, verwies Seifert auf die Unterschiede bei den Klubs. Während der FC bei einem vollen Stadion und der letzten TV-Gelder-Auszahlung auf weitere 20 Millionen Euro hoffen könnte und umgekehrt um diese Summe bangen muss, hätten der FC Bayern und Borussia Dortmund beinahe das Dreifache zur Verfügung (hier mehr dazu). Seifert betonte, dass die Vereine nun zunächst evaluieren müssten, wie lange sie ihren finanziellen Status ohne Spiele aufrechten erhalten könnten. „Es geht darum, dass sich die Klubs einen Überblick verschaffen, wie es im Falle von wirtschaftlichen Extremst-Szenarien ausschaut“, erklärte der DFL-Geschäftsführer. Dabei würde auch jeder Verein, genauso wie die DFL, über Optionen wie beispielsweise Kurzarbeit in den Geschäftsstellen nachdenken, um möglichst gut durch die Krise zu kommen.

23 Kommentare
  1. FC Neukoelln says:

    Sollte die UEFA tatsächlich 300 Mio Euro für eine Verschiebung der EM fordern – wäre es dann nicht denkbar, dass sämtliche Ligen aus der UEFA austreten und eine neue Vereinigung gründen? Das ist wirklich sehr unanständig.

    • JuppZupp says:

      Seit wann gibt es im Profifußball Anständigkeit? Die Gier ist unermesslich, da spielt die Gesundheit nur eine untergeordnete Rolle, Hauptsache die Kohle fließt in die Taschen der Fußball Bonzen bei der UEFA und der FIFA, der DFB ist allerdings auch nicht besser, der Moderne Fußball geht mir immer mehr am Arsch vorbei.

      • JuppZupp says:

        Ein gutes Beispiel ist Pogba, der Typ verdient sage und schreibe 20 Millionen im Jahr, ohne Prämien, dann geht der hin und Bettelt um 27.000 Euronen Spende, die er natürlich generös wie er ist verdoppelt, so viel zur Scheinheiligen Hilfsbereitschaft der Fußballmillionäre. Ein echt dreistes Stück, der verdient 57.000 Euro am Tag.

    • Boom77 says:

      Habe ich mir auch schon gedacht, dass dies eon großes „Konfliktpotenzial“ birgt, wenn die durch das Corona-Virus gebeutelten Ligen und Clubs nun auch noch 300 Mio. für die Verschiebung der EM bezahlen sollen. Denn die Clubs haben trotzdem laufende Ausgaben, die nicht gedeckt werden, wenn die Saison nicht fortgeführt wird. Das Geld, was bei Fortsetzung/Beendigung der Saison rein kommt, kommt nie mehr rein, wenn die Saison abgebrochen und nicht zu Ende gespielt wird.

      Da gibt es schon zwei maßgebliche Unterschiede zur Situation bei der UEFA. Die hat ausschließlich ihren eigenen „Wasserkopf“ (ihre Verwaltung) zu bezahlen. Bei ihr macht es zudem keinen großen Unterschied, ob die Kohle für die EM (was reichlich sein wird) nun in 2020 oder in 2021 rein kommt. Schon daher ist die Foerdung der UEFa ziemlich frech. Man müsste auch mal schauen, ob da überhaupt ein „Schaden“ bei der UEFA entsteht. Wenn Geld später fließt, kann es sich in der Regel nur um einen „Finanzierungsschaden“ handeln. Dass dieser 300 Mio. betragen soll, halte ich für schlicht erlogen oder erträumt.

      Der Ansatz der UEFA, dass es die Liegen und Klubs wären, die ja wollen, dass die EM verschoben wird und deshalb zahlen sollen, ist zudem schon falsch und schlicht dreist. Als Klub würde ich mal auf die Wahrheit hinweisen und damit darauf, dass es gerade umgekehrt ist. Es ist die UEFA die will, dass eine EM stattfindet. Da würde ich mal schön auf Konfrontationskurs gehen und der UEFA antworten, dass sie die EM ja ruhig im Sommer 2020 abhalten und dann mal schauen kann, wie viele Spieler die Clubs zur EM freistellen (entsenden). Da wird sie sich dann schön wundern, wenn das wenige bis gar keine Spieler sein werden (die Millionen verdienen die ja schließlich auch bei den Clubs und nicht bei der EM). Dann kann die UEFa mal mit hilfe der FIFA die entsprechenden Spieler „sperren“…. Schwups ist die Idee einer eigenen und unabhängigen Liga in den einzelnen Ländern gar nicht mehr so weit entfernt.

  2. Klio says:

    300 Mio. Euro in einer Situation, in der es um die Existenz vieler Clubs geht, wäre tatsächlich der Wahnsinn. Die Vereine in den nationalen Ligen erarbeiten schließlich das, wovon die UEFA lebt.

    Vorschlag: Man könnte die EM einfach wie geplant laufen lassen. Nominiert werden ausschließlich Spieler, die Corona schon durchgemacht haben und immun sind – diese Spieler könnte man problemlos durch halb Europa schicken. Das könnte eine Chance sein für Zweit- oder Drittligaspieler, Spieler aus Regionalliga, talentierte Amateure oder Jugendspieler, mal eine EM zu erleben. Solange Spieler nominiert und abgestellt werden, kann sich die UEFA nicht beschweren. Die jeweiligen Nationaltrainer entscheiden schließlich frei, wer Nationalspieler wird.

    Aber mal am Rande: So schnell, wie das im Moment mit den Maßnahmen geht, glaube ich nicht ansatzweise, dass man im Juni und Juli ganze Mannschaftstrosse durch Europa reisen lassen wird.

    • FC Neukoelln says:

      Sehr guter Vorschlag :)
      Im Moment gibt es noch kaum Rückschlüsse über eine eventuelle Immunisierung nach erstmaliger Erkrankung, aber das dürfte bis Juni auch geklärt sein.
      Für einen neuen europäischen Dachverband würde ich Sepp Blatter, Michel Platini oder Franz Beckenbauer als Chef vorschlagen. Die haben ja gerade viel Zeit.

    • Boom77 says:

      Zumal du einen wichtigen Aspekt ansprichst. Es sind am Ende weder die UEFA noch die Ligen oder einzelnen Clubs, die entscheiden werden, ob die EM stattfindet oder nicht. Das wird das jeweilige Land sein, in dem die EM dann stattfinden soll. Die bisherigen Länder und Austragungsorte haben da wohl schon die richtigen Signale gesendet, dass sie das nicht tun werden. Es wäre auch unverständlich, wenn z.B. Bilbao (Spanien) und Rom (Italien), die sich derzeit im kollekitven, da landesweiten Quarantänezustand befinden, im Juni auf einmla sagen würden, natürlich dürfen hier nun ganze Busladungen aus Spielern, Betreuern und Journalisten durch unser Land fahren… und wisst ihr was…. am besten noch zehntausende von Zuschauern. Das wird weder im Juni noch im Juli 2020 passieren. Das weiß auch die UEFA.

      Deshalb steht ja auch Wladimir „in den Startlöchern“. Gut, derzeit mag das noch eine Option und „die Möhre vor der Nase“ der UEFA sein. Aber warten wir doch nochmal zwei bis drei Wochen ab, ob der Corona-Virus dann nicht auch in Russland voll einschlägt. sollte das der Fall sein, wird auch Russland der UEFA schlicht verbieten, in deren Land eine EM auszutragen. Da können die Herren von der UEFA tun und sagen, was sie wollen.

  3. radrennbahn says:

    Die UEFA hat ohne Not beschlossen eine solche Monster-EM zu veranstalten. Dann soll sie auch aus eigenen Mitteln für die Verlegung sorgen. Damit fette Funktionäre noch fetter werden braucht es die UEFA, sonst für nix.

  4. Frank Buschmann says:

    Leider sind der Dfb Fifa und Uefa so miteinander verbändelt, weil dort das grosse Geld fließt.
    Geld wie geschmiert.
    Sonst würden nationale Verbände eine WM in Katar boykottieren. Und eine Forderung wie von der Uefa würde nicht aufkommen.

  5. Martin Duda says:

    Ich glaube dieses Geschwätz ist eh für die Katz. Keine Regierung in Europa wird die EM stattfinden lassen, ganz egal was die UEFA sagt. Diese „Problem“ wird sich von ganz alleine regeln. Leider.
    Ich lebe in Frankreich und seit heute mittag sind wir mehr oder weniger unter „Hausarrest“. Das fühlt sich am ersten Tag schon sehr komisch an, und wird mindestens zwei Wochen dauern.

  6. Gerd1948 says:

    Also wir sind wieder der 1. Bundesliga Meister FC Köln? Haben wieder einen „Franz Kremer“,der im Sülzgürtel 32 die Strippen zieht? Sehr gerne,vllt fällt die Münze in Rotterdam sogar auf unsere Seite,wo so schönes Wetter ist gerade

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