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Terodde hofft auf Klarheit: „Ich hätte gerne ein Datum“


Für die Profis des 1. FC Köln fühlt sich die Aussetzung des Spielbetriebes gerade an wie eine Sommerpause. Nur dass ungewiss ist, wann die Pause vorbei ist und die aktuelle Saison noch nicht zu Ende gespielt wurde. Doch gerade diese Ungewissheit macht es für die Spieler wie Simon Terodde derzeit auch so schwierig. 

Köln – Kein geregelter Trainingsbetrieb und damit auch kein geregelter Tagesablauf. Für die Profis des 1. FC Köln ist die aktuelle Situation genauso ungewohnt wie für jeden Arbeitnehmer, der derzeit zum Home Office beordert wurde. Eigentlich würden sich die Spieler derzeit wie jeden Tag morgens am Geißbockheim zum gemeinsamen Frühstück treffen, um anschließend auf den Trainingsplatz zu gehen. Aufgrund der Coronakrise und dem verordneten Kontaktverbot für mehr als zwei Personen ist dies aber aktuell nicht möglich.

80 Prozent des Alltags fallen weg

Daher frühstückt Simon Terodde zur Zeit morgens gemeinsam mit seiner Familie, „was sich trügerisch nach Urlaub anfühlt“, erklärte der Kölner Angreifer kürzlich im Interview mit der Zeit Online. Danach geht es für den 32-jährigen an den individuellen Trainingsplan, den er von der Athletikabteilung der Geißböcke für die trainingsfreie Zeit erhalten hat. Mobilisierung, Kraft- und Stabilisationsübungen und anschließend noch Läufe durch den Wald. Alles alleine. Für einen Profifußballer, der sein gesamtes Leben mit Mannschaftskollegen gemeinsam trainiert hat, eine mehr als ungewohnte Situation, bei der möglicherweise auch ein Großteil der Motivation verloren gehen kann. Auch Medien- und Sponsorentermine fallen aktuell für die Profis weg. Außer der möglichst goßen Aufrechterhaltung des aktuellen Fitnesszustand haben die Spieler derzeit kaum etwas zu tun. Umso mehr Zeit bleibt dabei aktuell für die Familie. Trotzdem würden laut Terodde fast 80 Prozent des normalen, alltäglichen Lebens eines Profifußballers durch die Corona-Pandemie wegfallen.

Gerade für die jungen Spieler sei der Wegfall des Trainingsalltags eine Herausforderung, glaubt Terodde. „Ich klinge jetzt wie ein Veteran, aber als ich ins Fußballgeschäft kam, habe ich parallel noch eine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht. Wenn man noch jung ist, mit 14, 15 ins Nachwuchsleistungszentrum kommt, da besteht das Leben aus einem vorgegebenen Wechsel aus Schule und Fußball. Dann wirst du älter, die Schule hört auf und du konzentrierst dich ausschließlich auf Fußball. Und jetzt ist auch noch der Fußball weg und damit auch der durchgeplante Tag.“

Ich sehne einen Termin herbei

Das schwierigste sei für Terodde derzeit, nicht zu wissen wann es weitergeht. Zwar ist der Spielbetriebs zur Zeit offiziell nur bis zum 2. April ausgesetzt, doch bei der DFL geht man längst von einer weiteren Verschiebung bis Anfang Mai aus. Das Kontaktverbot für mehr als zwei Personen gilt in NRW bis zum 19. April. Eine Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs ist also mindestens bis zu diesem Zeitpunkt ohnehin ausgeschlossen, denn auch Profisportler sind von dieser Einschränkung nicht ausgenommen. Noch fühle sich die Situation für Terodde „ein bisschen wie die Sommerpause an.“ Doch je länger das Trainingsverbot andauert, umso schwieriger dürfte die Alltagsgestaltung und die Aufrechterhaltung der Motivation und damit auch der Fitness für die Spieler werden. „Sicher wird es mir bald schon ganz anders gehen“, glaubt auch Terodde. „Ich sehne einen Termin herbei. Klarheit. Ich hätte gerne ein Datum, wann es weitergeht.“ Während einer Sommerpause gibt es dieses Datum. Ein fester Termin, wann die Spieler wieder zum Training erscheinen müssen. Aktuell ist dies jedoch nicht absehbar.

Sobald die Ausbreitung des Virus‘ jedoch eingedämmt und die Einschränkungen wieder gelockert werden können, dürfte man am Geißbockheim schnellstmöglich zum Trainingsalltag zurückkehren. Dass dann allerdings direkt alles wie vor der Pause ablaufen wird,  glaubt Terodde nicht. „So etwas wie jetzt, das hat noch niemand erlebt, auch im Sport nicht. So ein abruptes Ende und dann möglicherweise einen Kaltstart“, sagte der Stürmer im Interview und erklärte: „Da baut sich gerade ein ganz neuer Druck auf. Jeder muss für sich versuchen, unter diesen Umständen fit zu bleiben. Keiner will hinten runterfallen, wenn er zurückkommt. Als Einzelner. Und als Mannschaft. Darum geht’s.“ Vor allem an die Arbeit mit dem Ball und die Zweikämpfe müssten sich die Spieler erst wieder gewöhnen. Auch die Spitzigkeit und Gedankenschnelle würden nicht mit einsamen Läufen im Wald trainiert werden können.

Für den Angreifer und seine Mitspieler wird die Phase der individuellen Einheiten ohne Ball noch auf unbestimmte Zeit weitergehen. Aktuell bleibt nur zu hoffen, dass die Zahl der Infizierten schnellstmöglich zurückgeht. Nicht für die Profifußballer, sondern für alle Menschen. So sagt auch Terodde: „Ich hoffe, dass Kinder wieder zu ihren Großeltern können. Dass alle Menschen wieder ihre Leben leben können.“

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