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Kölns Kopfsache: Drexler und der nächste Wendepunkt

Vieles ist beim 1. FC Köln dieser Tage Kopfsache. Die Tore und Gegentore, der Umgang mit den leeren Rängen, das Pendeln zwischen dem letzten Schritt aus dem Abstiegskampf und dem ersten in Richtung eines höheren Zieles, das man nicht in den Mund nehmen möchte. Nach dem 2:2 gegen Fortuna Düsseldorf ist dies auch durchaus verständlich. Der FC spielte lange Zeit erschreckend schwach. Das Positive: Die Mannschaft hat sich unter Markus Gisdol schon mehrfach als überaus lernwillig gezeigt. Die Lehren des Spiels.

Geschichte des Spiels: Fortuna Düsseldorf hatte eine Idee, und diese ging auf. Der 1. FC Köln sollte in seinem Spielaufbau gestört werden. Früh. Meist auf der linken Seite der Kölner. So entstand die erste Torchance des Spiels, so entstand das erste Tor des Spiels. Und weil das mit dem Spielaufbau des FC auch in Hälfte zwei lange nicht besser wurde, fiel durch einen Kölner Ballverlust auch das 0:2. Das hätte die Geschichte des Spiels sein können. Tatsächlich wurde es aber die Geschichte des Dominick Drexler. Dazu später mehr.

Das Ergebnis: Nach 90+4 Minuten stand ein 2:2, das beiden Mannschaften je einen Punkt einbrachte. So weit, so klar. Doch der Ausgleich durch Jhon Cordoba veränderte alles. Düsseldorf hat nun 24 statt 26 Punkte, der FC 34 statt 33. Köln ist weiter zehn Punkte von Rang 16 entfernt und nicht sieben. Bremen ist durch den Sieg in Freiburg näher an die Fortuna und an Achim Beierlorzers Klatschen-Mainzer (0:5 gegen RB) herangerückt. Neben Werder heißen Augsburg und Hertha die Gewinner des Spieltags. Köln hätte auch ein Gewinner sein können, aber dafür hätten die Geissböcke gewinnen müssen. Und genau daran hapert es seit nun mehr drei Spieltagen. Nicht auszudenken, dass der FC mit zwei Siegen gegen Mainz und Düsseldorf – ein durchaus realistisches Szenario – mit dann 38 Punkten auf Rang sieben stehen könnte, einen Zähler hinter Europa.

Mann des Tages: Dominick Drexler

Einwechslung des Spiels: Aber zurück zu Dominick Drexler. Der Offensivspieler ging in der Wahrnehmung des Ergebnisses und des Spielverlaufs fast unter. Dabei war er den Mann des Spiels, nicht Anthony Modeste oder Jhon Cordoba. Die Torschützen hatten lediglich die beiden zentimetergenauen Flanken des eingewechselten Rechtsaußen verwandelt. Drexler kam schon gegen Mainz in die Partie und flankte präzise für Florian Kainz zum 2:0. Nun legte er zwei weitere Tore über rechts auf. Er sammelte damit in zwei Kurzeinsätzen genauso viele Scorerpunkte wie in den 19 Bundesliga-Einsätzen zuvor. Wenn sich ein FC-Profis am Sonntag gegen Düsseldorf einen Startelf-Einsatz in der nächsten Partie verdiente, dann der 29-Jährige.

Szene des Spiels: Vier Tore, ein Streit um einen Elfmeter, der dann auch noch verschossen wurde – es gab wahrlich genügend potentielle Szenen des Spiels. Doch eine war ebenso unterhaltsam und hatte nur indirekt mit dem Ball zu tun. Die Geisterspiele haben, wenn überhaupt, einen Vorteil: Man hört das Gesagte auf dem Platz. Zum Beispiel, wenn Mark Uth einen Freistoß schnell ausführen will, Florian Kainz ihn aber auch gerne gespielt hätte und dabei offenbar etwas zu seinem Nebenmann sagte. Die genauen Worte waren zwar nicht zu hören. Sehr wohl aber Uths Retorte: „Was willst du denn? Ich will den Ball schnell spielen. Reg‘ dich doch nicht auf, Alter!“ An der Mittellinie, bei einem Freistoß, den Uth über die eigenen Innenverteidiger auflöste. Keine spielerisch entscheidende Situation also, trotzdem hitzig. Ein bisschen wie auf dem Bolzplatz. Nur dass auf dem Bolzplatz womöglich langer Hafer statt Seitenverlagerung über die Defensive angesagt gewesen wäre.

Kopfsache: Kölns Stärke und Schwäche

Zahl des Spiels: Anthony Modeste und Jhon Cordoba erzielten in der 88. und 90+1. Minute für den 1. FC Köln die Kopfballtore 13 und 14 der Geissböcke in dieser Saison. Das Toreschießen war am Sonntag also Kopfsache – wie im Übrigen auch das Verteidigen, nur anders.

Die zwei Gesichter: Eine andere Zahl war jene der Torschüsse. Der FC in Halbzeit eins: ein Torschuss. Der FC in Halbzeit zwei: 14 Torschüsse. Es sei angemerkt, dass der eine sogenannten Torschuss aus Hälfte eins ein Kopfball von Ellyes Skhiri nach einem Eckball war. Der Kopfball ging circa zehn Meter über das Tor.

Zitat des Spiels: „Düsseldorf war ein sehr gut organisierter Gegner, der uns Fallen im Spielaufbau stellen wollte. Gegen Mainz hatten wir dagegen Probleme mit den Abständen und beim Nachrücken. Das sind Dinge, die man nach einer langen Pause normalerweise während der Vorbereitung erarbeitet. Jetzt bringen die Pflichtspiele diese Entwicklung mit.“ (Markus Gisdol)

Erkenntnis des Spiels: Nach zwei Spielen zuhause gegen zwei Abstiegskandidaten muss man konstatieren, dass der 1. FC Köln für den großen Wurf noch nicht bereit scheint. Zumindest nicht vor der Schlussphase dieser Saison. In dieser Spielzeit haben sich die Winde schon so häufig gedreht, dass man dieser Tage keinem Fußball-Meteorologen trauen sollte. In den sieben verbliebenen Spielen des FC gegen Hoffenheim, Leipzig, Augsburg, Union, Leverkusen, Frankfurt und Bremen kann noch fast alles passieren: souveräne Siege, unerwartete Pleiten, glückliche Punktgewinne, herbe Klatschen, langweiliges Gekicke – die ganze Bandbreite scheint möglich. Tabellarisch wird alles davon abhängen, ob sich der FC noch einmal auf die Stärken besinnen kann, die das Gisdol-Team vor der Coronakrise fast unbesiegbar gemacht hatte. Eines ist sicher: Der späte Ausgleich gegen die Fortuna hat das Potential zu einem weiteren Wendepunkt in der Kölner Saison. Die Teams in der Tabelle rund um den FC sind weder unverwundbar noch herausragend besetzt. In dieser Liga gibt es aktuell nur fünf Mannschaften, die über allen anderen zu schweben scheinen. Der Rest lebt von der Tagesform, von seinen wenigen Individualisten und von der Hoffnung, weniger Fehler zu machen als der Gegner. Kann Köln dies in den kommenden Wochen ausnutzen? Schon am Mittwoch geht es in Hoffenheim weiter.

16 Kommentare
  1. Max Moor says:

    Drexler und Modeste waren die Besten Gestern ! Cordoba war auch Ordentlich aber es gabs auch Totalausfälle mal wieder . . . : Hector 6 , Katterbach 6 Minus , Kainz 6 , Uth 6 Plus usw. Leistner 5
    Es passt nach den 2 Spielen so vieles nicht zusammen wie Manager Heldt schon erkannt hat . Einige müssen sich steigern denn solche Leistungen wie Gestern kann nicht Alles sein . Die 2 Kopfballtore waren Klasse und die 2 Hereingaben von Drexler , Top aber der Rest spielte unter aller Sau . Eine Frechheit solche faule Leistung von einigen . Die wollten überhaupt nicht und andere Mannschaften zerreißen sich aufn Platz und Köln schaut immer nur zu wie die Bälle Keeper Horn um die Ohren fliegen . Den Torwart trifft aber keine schuld wenn die vor ihm so lustlos agieren . Uth sollte auch lieber seine Leistung bringen als sone Auftritt wie Gestern

    • Gerd1948 says:

      Du hast echt den Knall nicht gehört. Wo bitte war Cordoba ordentlich,wenn du die anderen so abkanzelst wieder? „Die wollten überhaupt nicht“ ist ne Aussage fürs Irrenhaus Max. Ich sags dir nochmal. Die kompletten zweiten 45 Minuten waren ein Spiel auf ein Tor,nämlich das der Düsseldummen. Dies geschah in erster Linie ,weil der Trainer wohl deutliche Worte und richtige Massnahmen gefunden hat. Das war insgesamt ne klare Leistungssteigerung in Halbzeit 2 ,natürlich auch dem geschuldet,dass Dummdorf sich ein wenig übernommen hat in Hälfte 1. Jetzt frag ich dich nochmal ,wer denn da nicht „wollte“,ne Frechheit geboten hat oder sonstwas. Hat nur dein unterirdisches „Glaub mir“ gefehlt.

        • Gerd1948 says:

          Du bist aufbrausend,um nicht zu sagen cholerisch Max. Du zielst weit übers Ziel hinaus,mit Noten,Bewertungen,Kraftausdrücken und vor allem auch oft im Umgang mit anderen Meinungen,die hier verdammt noch mal jeder vertreten darf. GLAUB MIR mal,dass hier jeder meint Ahnung vom Fussball zu haben,also brauchts schon was mehr an Überzeugungskraft als wilde Flüche und Auswüchse. Du stösst praktisch fachlich schnell an deine Grenzen,wenns um die inhaltliche Bewertung eines Spiels geht. Gut ist,dass du dich sonst bedeckt hältst,was sonst so rum um deinen angeblichen Lieblingsklub passiert.Deine 3+ allemal bewerte ich nicht,wenn ich zu der Erkenntnis komme,dass Cordoba völlig abgeschirmt und abgemeldet war und zudem so gut wie kein Zuspiel bekam.Das ist aber lediglich ne Erkenntnis und keine Kritik an nem verdienten Spieler von mir.DAS ist dann der Unterschied zwischen Fan und Dauernörgler. Das ein Katterbach,Jakobs,Ehizibue und Hector ihre Normalform nicht haben ist nicht nur unstrittig,das sieht auch jeder ,der ab und an mal FC schaut.Gibt unsereins aber nicht das Recht mit der Keule drüber zu hauen,das predige ich seitdem ich hier schreibe.Leute die faul sind oder Arbeitsverweigerer (gern verwendetes Proletenvokabular) spielen beim FC nicht,da sorgt ein souveräner Trainer für.

    • Jose Mourinho says:

      Der größte Totalausfall: Max Moors Kommentare! In der Ausfall Elf des Tages ist MM immer vertreten. Beispiele gefällig?

      Max Moorsays:
      24. Mai 2020, 19:39 Uhr um 19:39
      Die könnten noch 270Min Spielen , doch die Tore schießen nur die Gegner .

      Max Moorsays:
      24. Mai 2020, 19:41 Uhr um 19:41
      Erbärmlich das ist völlig verdiente Niederlage .

      Max Moorsays:
      24. Mai 2020, 19:26 Uhr um 19:26
      Die Verlieren Heute wieder sang und klanglos ! Glaubt mir :-(

      Aber einfach immer weiter die Klappe aufreissen als wäre nichts gewesen.

  2. Frank Buschmann says:

    Ich wiederhole das gerne wieder und wieder.
    Der große Wurf ist bereits geschafft Herr Merten.
    14.Spieltag 8 Punkte Tabellenletzter. 27 Spieltag 34 Punkte Tabellenplatz 10.
    und das trotz oder wegen Manager/Trainerwechsel und einer immensen Unruhe.
    Wir sind Aufsteiger und zu 99 % gerettet. Vor einigen Spieltagen waren wir mausetot.
    Diese Gefasel von Europapokal wird doch immer nur vom Alex Haubrichs vom Express und dieser Seite hier befeuert. Immer mit solch einem süffisanten , schelmischen Grinsen zwar, aber gerne als Überschrift.
    Mit dieser Mannschaft haben wir in Europa nichts verloren.
    Ich hoffe, das vielleicht über einige Jahre mit den talentierten Spielern eine Mannschaft heranwächst, die jedenfalls mal einige Jahren sorgenfrei in der 1.Liga verbleiben kann und dann sehen wir weiter. Natürlich bin ich ein Stück auch enttäuscht wegen der 2 Punkte. Ich habe auf 4 Punkte gehofft. Aber dieses Selbstverständnis man schlägt mal eben so Mannschaften nebenbei ist fehl am Platz. Alles harte Arbeit, alles schwierige Gegner. Wir sind nicht Real Madrid.
    Wir sollten erstmal schaffen, 9 bzw 11 Jahre am Stück in der Bundesliga zu bleiben wie Mainz und Augsburg.

  3. Gerd1948 says:

    Richtig Frank,wer gesagt hätte ,dass der FC mit irgendeinem neuen Trainer 2 Punkte pro Spiel in den nächsten 13 holt, wäre als hirntot bezeichnet worden. Der FC sollte die letzten 7 Spiele AUCH dazu benutzen noch einige Spieler näher an die Startelf heranzuführen,wobei das bisherige vorgehen ,mit einem fast festen Stamm von 16 Spielern in der prekären Lage natürlich der einzig richtige war und immer sein wird. Es wird auch in den restlichen Spielen ein Ergebnissport bleiben, aber spätestens nach dem nächsten Sieg (der kann übrigens bei dem komischen Fussball gegen jeden gelingen,ist der Klassenerhalt todsicher,alleine schon durch zig direkte Duelle und dem Umstand,dass eben 5-6 Mannschaften involviert sind. Alleine Paderborn traue ich jetzt 4-5 Siege nicht mehr zu.Wenigstens sporadisch sollte das Spielsystem wie eben gestern auch praktiziert werden.

  4. Max Moor says:

    Gerd : ich habe das Spiel auch gesehen aber gut waren die letzten Minuten nur . Nicht wegen den 2 Toren sondern das endlich auch die Bälle zum Mitspieler kamen . Vor dem 1: 2 war doch nichts positives zu sehn , das Uth nicht trifft war mir irgendwie logisch aber egal das war kein schönes Spiel , und Punkt .

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