,

Heldt über Geisterspiele: „Wir haben damit erkennbare Probleme“

Der 1. FC Köln hat sich mit zwei 2:2-Unentschieden nach der Coronavirus-Unterbrechung zurückgemeldet. Die Spiele hätten dabei kaum unterschiedlicher ausfallen können. Beide Spiele vereinte jedoch: Die FC-Profis haben an der Geisterspiel-Atmosphäre zu knabbern. Das gestand auch Sportchef Horst Heldt ein. 

Köln – Einmal ein 2:2 aus 2:0, einmal ein 2:2 aus 0:2. Gegen Mainz führte der FC und zeigte dann eklatante Defensivschwächen. Gegen Düsseldorf lag der FC zurück und offenbarte große Schwächen im Spielaufbau. Doch in beiden Partien wurde offensichtlich: Der erhoffte Vorteil aufgrund der Geisterspiel-Erfahrung im Derby bei Borussia Mönchengladbach blieb eine Wunschvorstellung. Den Kölnern fehlt die Unterstützung von den Rängen mehr als anderen Teams.

Das gestand am Montag auch Sportchef Horst Heldt ein. In einer virtuellen Medienrunde zeigte sich der 50-Jährige zwar mit den zwei Punkten aus zwei Spielen grundsätzlich zufrieden, mit den gezeigten Leistungen jedoch nicht.  „Wir sind absolut im Soll und wissen, wo wir herkommen“, sagte Heldt. „Wir haben Moral bewiesen. Dennoch sind wir mit der Art und Weise nicht zufrieden.“ Gegen Mainz hatte die defensive Stabilität gefehlt, gegen Düsseldorf waren es Schwächen im eigenen Ballbesitz, die der Fortuna in die Hände spielten. Vor allem aber schienen die Spieler immer wieder einen Schritt weniger zu machen als der Gegner – am Ende standen satte sechs Kilometer weniger auf dem Tacho (114,0 zu 119,9 Kilometer Laufleistung).

Die Spieler konnten es nicht erwarten ins Stadion einzulaufen

„Uns fallen die Begleitumstände schwer“, gestand Heldt im Hinblick auf das leere RheinEnergieStadion und die fehlende Unterstützung der Fans. „Die Spieler sind keine Roboter und haben erkennbare Probleme damit. Dafür müssen wir jetzt Lösungen finden.“ Im Vorfeld des Bundesliga-Restarts hatten die FC-Verantwortlichen darauf gehofft, dass gerade die jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs mit der Atmosphäre besser klarkommen würden. Schließlich liefen Jung-Profis wie Jan Thielmann, Noah Katterbach oder Ismail Jakobs vor nicht allzu langer Zeit noch auf Nebenplätzen oder in Stadien ohne große Zuschauermengen auf. Doch gerade die Youngster zeigten in den ersten beiden Spielen nach dem Wiederbeginn Nerven. Doch auch andere Profis wie Jonas Hector kommen noch längst nicht an ihre Topleistungen heran.

Heldt sah rückblickend die beiden Heimspiele zum Wiederbeginn als Nachteil für den FC an. „Gerade hier in Köln lösen Heimspiele sehr viel aus. Vor allem dann, wenn man erfolgreich ist“, sagte Heldt. „Vor Corona wurden wir hier von den Fans getragen. Die Spieler konnten es nicht erwarten ins Stadion einzulaufen. Das Gefühl ist jetzt nicht mehr da, weil keine Fans mehr da sind.“ Insgesamt zeigte sich ein dramatischer Rückgang des Heimvorteils in allen bisherigen 18 Bundesliga-Partien mit nur drei Heimsiegen. Der FC konnte es zumindest vermeiden eines der Spiele zu verlieren. Doch auch die Geissböcke mussten spüren, dass zwar der Vorteil von den Zuschauerrängen inexistent war, die Erwartungshaltung an das Heimteam dennoch vorhanden blieb. „Wir müssen lernen genau mit diesem Unterschied umzugehen“, sagte Heldt und hofft, dass der Mannschaft das nun anstehende Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim in diesem Prozess helfen wird.

16 Kommentare
  1. FC Neukoelln says:

    Copy/Paste aus einem anderen Beitrag:
    Wenn man nie müde wird zu betonen, wie einzigartig die Atmosphäre im Rhein-Energie-Stadion doch sei, wie nahe die Fans am Wahnsinn gebaut sind und pushen, dass einem fast die Ohren wehtun, und Neuverpflichtungen – nach ihrem ersten Heimspiel darauf angesprochen – regelmässig in Superlative verfallen, dann muss man sich auch nicht wundern, dass das Wegfallen dieses Marktvorteiles ein Vakuum hinterlässt, dass Irritationen auslösen kann. Als es letzte Woche hieß, mit Fans hätten wir Mainz aus dem Stadion geballert stimmt das vielleicht sogar. Und dass wir gestern partout nicht ins Spiel finden wollten hat sicher auch ein Stück weit damit zu tun. Das ist in etwa so, als würde mir meine Freundin andauernd Komplimente machen und dann auf einmal nicht mehr. Sie äussert zwar keine Kritik, aber das Wegfallen von Lob kann als Missbilligung ausgelegt werden und irritiert. Und was ist den der Support von den Rängen anderes als Lob und Bestätigung, die plötzlich ausbleiben?
    Wahrscheinlich ist es demnach sogar von Vorteil, dass wir am Mittwoch auswärts ran müssen – auch wenn Hoffenheim es ja gewohnt ist ohne Fans zu spielen.

  2. Klio says:

    Es kann gut sein, dass der Heimvorteil durch Geisterspiele nicht nur aufgehoben ist, sondern zum Heimnachteil wird. Man schaue nur auf die große Zahl von Auswärtssiegen in den letzten beiden Spieltagen. Zu Hause ist die Geisteratmosphäre richtig bleiern, auswärts wirkt sie sich weniger aus, vielleicht hilft sie dort sogar.

    So könnte es gegen Hoffenheim etwas leichter werden. Die brodelnde Atmosphäre des Sinsheimer Hexenkessels wird wenig fehlen. ;)

  3. Ziesi says:

    Mit dem Wegbleiben der Fans würde ich den Mangel an Heimsiegen zuletzt sicherlich nicht deuten. Welche überraschenden Auswärtssiege gab es denn? Letzte Woche gewann Hertha in Hoffenheim. In Anbetracht der generellen Hoffenheimer Heimschwäche und des Neuer-Trainer-Effekt in Berlin war ein Auswärtssieg nicht überraschend, lediglich die Höhe. Selbiges kann man an diesem Wochenende von Schalke und Augsburg sagen. So schwach wie Schalke derzeit ist, war der Augsburger Sieg nicht überraschend, lediglich die Höhe. Die einzige echte Auswärtsüberraschung war der Bremer Sieg in Freiburg. Und selbst das kann man nicht auf nen Heimkomplex wegen fehlender Fans schieben, denn Freiburg hat diese Saison schon oft gegen Teams von unten verloren: Paderborn, Düsseldorf, sogar gegen den FC. Fazit: wären dieselben Spiele in der Hinrunde gewesen, hätte man wohl eher geschrieben, wie sehr die Auswärtsfans fehlen. Es ist demnach aus meiner Sicht völliger Käse, wenn man anhand der wenigen Heimsiege empirisch belegen will, wie wichtig der Fan als 12. Mann ist.

    • Gerd1948 says:

      Sehr guter Kommi Ziesi. Schliesslich waren viele Spiele auch eng und theoretisch zu Hause zu gewinnen. Der Trend das es nur die absoluten Spitzenteams schaffen auch ne übermässige Heimmacht darzustellen ist schon länger gegeben. Ich erinnere nur an die Zeit mit Stöger,wo wir auch viele Dinger auswärts gewinnen konnten,die man normalerweise nicht gewinnt.

  4. Roland Ludwig says:

    Ich sage es mal so:
    Wenn man es drauf hat, interessiert es einen nicht ob Zuschauer da sind oder nicht, bzw. wenn keine Zuschauer da sind, dann kann man noch befreiter aufspielen, weil ein störendes Element fehlt.

    Anscheinend haben die Spieler es nicht drauf!

    Ist das ein Problem? Kommt darauf an, wie man es betrachtet: Für diehjenigen, die glaubten man gehöre nach Europa ist es ein Problem, für diejenigen die die Schwächen im Spiel schon vorher erkannt haben, und darauf hingewiesen haben, dass die letzten drei Spiele vor Corona mies waren, überrascht das weniger.

    Der FC wird nicht umhin kommen, endlich mal anständig zu arbeiten, ich sehe kein strukturiertes Offensiv-Spiel. Das hat seinen Grund, denn ohne Aussen geht das nicht mehr heutzutage!
    Der Fussball hat sich in den letzten 30 Jahren weiterentwickelt, der FC ist nicht nur infrastrukturell stehengeblieben. Man hat jetzt mit Heldt den richtigen Manager, aber es muss viel aufgearbeitet werden was in der Vergangenheit versäumt wurde.
    Die 2 Jahre unter Veh waren verlorene Jahre, es war kein Fortschritt erkennbar, denn er hat anstatt die Aussen zu verstärken, lieber zentrale Mittelfeldspieler gesammelt, so wie Panini Bilder. Erst Koziello, dann Hauptmann, Drexler, Verstraete und Geis. Besser wurde das Spielerische nicht, im Gegenteil. Dabei hatte Schmadtke gegen Ende seiner FC Zeit erkannt ,dass er in dieser einen großen Fehler begangen hatte: Er hatte nicht erkannt, dass es für Offensivfussball gute Linksaussen braucht. Am Ende hat er versucht so einen Mann zu verpflichten, und dann kam Veh und der hat keine Ahnung.

    • Boom77 says:

      Das mit den Außen stimmt schon. Auch, dass Veh es nicht geschafft hat, gescheite Spieler dafür zu verpflichten.

      Was die fehlenden Zuschauer angeht, meine ich, dass ich mal gelesen habe, das viele Trainer darauf hingewiesen haben, dass die Spiele im Hinblick auf die Atmosphäre nun Trainngsspielen gleichen. Das wäre doch mal ein Ansatz, nämlich, zu schauen, wer im Training besonders gut oder besser funktioniert als im Spiel. Es gab ja früher schon Spieler, die im Trainig richtig mies waren und im Spiel dafür aufdrehten (Ailton soll z. B. so ein spieler gewesen sein). Der Ailton von damals würde möglicherweise heute in den Geisterspielen auch nichts reißen, weil ihm die Atmosphäre fehlt. Wir haben den umgekehrten Fall vielleicht am wochenende gesehen. Auch, wenn dies viele kaum lesen wollen und ich es selbst kaum glaube, dass ich es schreibe…. der Name Anthony Modeste ist da zu nennen. Vo ihm hörte man, dass er im Training die Bälle reihenweise einnetzt. Im spiel kam wenig. Er hat nach meiner Ansicht im Spiel gegen Düsseldorf tatsächlich in der kurzen Zeit, in der er auf dem Feld war, mehr Torgefahr ausgestrahlt als Cordoba und auch getroffen (auch wenn das Cordoba dann auch gelungen ist). Vielleicht ist er ein Spieler, der mit den Geisterspielen besser zurecht kommt als so manch anderer und deshalb derzeit eher die Wahl für den Sturm ist? Auf anderen Positionen mag es ähnlich sein….

      Das meinte ich auch mit dem „gegensteuern“. Gisdol hat sich das nun drei Geisterspiele lang angeschaut. Wenn man sich seine Spiele nach dem Amtsantritt anschaut, hat er da auch erstmal drei Spiele lang mehr oder weniger die gleiche Besetzung ausgetestet und dann reagiert (z. B. den Höger endlich nicht mehr aufgestellt). Ich bin deshalb guter Dinge, dass er das nun wieder macht und eben nun weiß, welche spieler damit nicht so gut zurecht kommen und das jetzt ändert. Was dann bei rum kommt, werden wir sehen…

      • Gerd1948 says:

        Du wirst lachen,ich hab besonders gestern auch in der 1. Halbzeit gedacht,dass man Modeste vllt mal nen Startelfeinsatz gibt. Cordoba kommt meist über seine Kraft und seinen Willen. Im Moment bringt er es aber nicht auf den Platz. Ich denke das kommt wieder,könnte aber dauern. Vllt sollte man einfach einen 2.Stürmer auch mit mehr Einsatzzeit stärken,indem man ihm mehr Spielzeit gibt. Ich hab mich zwar richtig gefreut,dass der FC das gestern noch „geregelt „hat,aber schaut euch den Kopfball noch 3 x an,der ist ja wohl klar haltbar.Vllt gibts auch mal nen Gegner,wo man tatsächlich mit nem 3-5-2 oder 4-4-2 was versucht,denn eines wurde gestern richtig gesagt,man weiss jetzt ,wie der FC agieren will.

          • Gerd1948 says:

            Bin gespannt,paar Punkte noch,dann werden die 2 schon neue Ideen ans Tageslicht führen.Ich hatte auch nicht das Gefühl,dass Modeste jetzt lange aussen vor war,wie er gestern reinkam. Er war sofort drin im Spiel und Cordoba wird trotz Corona auf kurz oder lang seine Pausen brauch. Das er uns dieses Jahr den Asch gerettet hat soll er sich gerne ans Reverse heften,aber wie gesagt,man muss auch Kaderspielern Einsatzzeit geben,damit die Spielpraxis nicht gänzlich wegbricht.

      • Gerd1948 says:

        Jetzt hast du abern smiley vergessen Ziesi,obwohl ich den Jungen mit seinen ansätzen nicht schlecht fand.Aber man muss auch einfach mal vertrauen,dass das richtig eingeschätzt wird,wenn einer monatelang dabei ist täglich im Training

      • Roland Ludwig says:

        Na ja Schaub ist auch auf Schmadtkes Mist gewachsen, denn wäre sein Sohn nicht nach seinem Abgang geblieben hätte er Veh nicht stecken können, dass Schaub wohl ein Kandidat von Schmadtke/ Stöger für diese vakante Position gewesen ist. Ich persönlich halte Schaub für zu pflegmatisch / steif und hätte ihn nicht verpflichtet. Veh hatte keine eigenen, besseren Ideen, und holte ihn.

      • Boom77 says:

        Hmm… ehrlich gesagt – also, wenn das ernst gemeint war – habe ich da so meine Zweifel, ob der Handwerker wirklich so ein Guter ist. Ich habe den – wie jeder von uns – ja kaum bei uns spielen sehen. Jetzt spielt er bein 15. der zweiten Liga und hat dort jetzt auch „nur“ 20 von 27 möglichen spielen gemacht… und er fehlte jetzt nicht wegen Verletzungen oder so. Ich beobachte Nürnberg in der 2. Liga zwar nicht, aber so bärenstark sieht das auf dem Papier nicht aus.

  5. Gerd1948 says:

    Man muss auch berücksichtigen,dass der FC zum einen längst nicht mehr die grosse Nummer ist und B in der 2.Liga war.Diesen längeren Weg tun sich nicht viele an,es muss schnell schnell gehen. Ich wiederhole es nochmal,Veh hat sich gerafft was er konnte,um aufzusteigen. Er hat einfach kurzfristig gedacht und gehandelt. Die Kaderzusammenstellung ( ob da jetzt 6,7 oder 8 Midfielder rumlaufen) war ihm völlig peng. Das hat er auf den Trainer abgewälzt. Er hatte die Altgedienten,die guten Innenverteidiger der 2.Liga und nen Sturm ,der es schon richten würde. Entweder hat er gedacht,man könnte alles jährlich locker je nach gusto verändern ,oder er wollte nur mal Sportvorstand spielen und ne Marionette als Trainer klein halten.Seis drum,ne Geschichte ,die man eigentlich nicht zweimal erzählt bekommen möchte.

Dein Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar