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Kesslers ruhiger Abschied von der Profi-Bühne


Noch einmal wird Thomas Kessler am Samstag gegen Werder Bremen das Trikot des 1. FC Köln überstreifen. Zumindest wird es für ihn in der Kabine der Geißböcke bereit liegen. Zwar bleibt der Keeper dem FC erhalten, nach 20 Jahren ist jedoch als Torhüter Schluss. Ob Kessler zu seinem 33. Profi-Einsatz im FC-Dress kommen oder sein 326. Spiel von der Bank aus verfolgt wird, ist noch nicht bekannt. Doch alles deutet darauf hin, dass Kessler seiner jahrelangen Rolle als Nummer zwei nachkommen wird. 

Köln – Eigentlich hätte es am vergangenen Samstag beim 1:1-Unentschieden gegen Eintracht Frankfurt eine große Verabschiedung für Thomas Kessler geben sollen. So wie es am letzten Heimspiel einer Saison üblich ist, wenn ein verdienter Spieler seine aktive Karriere beendet. Doch der Abschied für die Thomas Kessler verlief nach 20 Jahren beim FC ruhig. Statt Blumen und unter dem Applaus von 50.000 Zuschauern im RheinEnergieStadion setzte sich Kessler rund eine Stunde nach dem Schlusspfiff des letzten Heimspiels alleine auf die Südtribüne. Mit einer Flasche Kölsch vor sich und dem Blick auf das leere Stadion, auf dessen Rasen Kessler zwischen Aufstieg, Europa League Qualifikation und Abstieg so viel miterlebt hat, schien der Torhüter die letzten Jahre noch einmal Revue passieren zu lassen.

Stets das Gefühl, gebraucht zu werden

Vor genau 20 Jahren wechselte Kessler vom SV Grün-Weiss Brauweiler in die Jugendabteilung des 1. FC Köln und durchlief dort die Nachwuchsmannschaften. Der Sprung zum Stammtorhüter der Profis gelang dem inzwischen 34-jährigen jedoch nicht. 2011 ließ sich Kessler daher zum FC St. Pauli ausleihen. Ein Jahr später folgte eine Leihe zu Eintracht Frankfurt. Doch anstatt bei einem anderen Verein dauerhaft die Nummer eins im Tor zu sein, kehrte Kessler zu seinem Heimatverein zurück und blieb seit dem Abstieg 2012 hinter Timo Horn die Nummer zwei. Beschwert hat sich Kessler darüber nie. Vielmehr nahm der gebürtige Kölner die Aufgabe an und lebte seine Rolle wie kaum ein Zweiter. Bis heute. Auch, nachdem man Kessler im Laufe der Saison nach 32 Profi-Pflichtspielen und 325 Partien auf der Bank beim FC mitgeteilt hat, dass sein im Sommer auslaufender Vertrag nicht verlängert würde. „Trotz weniger Einsatzzeiten gab man mir stets das Gefühl, gebraucht zu werden. Genau das war für mich der ausschlaggebende Punkt. Der FC ist für mich mehr als nur ein Job. Jedes intakte Team braucht Jungs, die auch außerhalb des Platzes alles für den Erfolg geben“, erklärte Kessler jüngst im GeißbockEcho.

Abschied vor Fans soll nachgeholt werden

Mit 34 Jahren beendet längst nicht jeder Torhüter im Profi-Fußball seine aktive Laufbahn. Kessler hätte also durchaus noch einmal die Ambitionen hegen können, bei einem anderen Klub um die Position zwischen den Pfosten zu kämpfen. Doch Kessler weiß, was er am FC hat, und andersherum scheint es genauso. „Thomas soll der FC-Familie unbedingt erhalten bleiben. Er hat hier jahrelang Verantwortung übernommen, ist ein absolut verdienter Spieler und Publikumsliebling“, sagte FC-Geschäftsführer Horst Heldt Ende April hinsichtlich des Vertragsende von Kessler. Den würdigen Abschied von der Profi-Bühne soll daher nur aufgeschoben sein: „Deshalb hat er auch einen ordentlichen Abschied mit Zuschauern verdient. Da das aufgrund der aktuellen Situation nicht möglich ist, werden wir das nachholen, sobald wir wieder mit Fans spielen dürfen.“

Nach dem offiziellen Saisonende am 27. Juni wechselt Thomas Kessler dann auf die Seite von Horst Heldt. In einem neu geschaffenen Programm für angehende Führungskräfte im Profifußball will Kessler einen Management-Lehrgang absolvieren. „Der Plan ist, dass ich ein Trainee-Programm durchlaufe, also einige Abteilungen des FC mitsamt den Abläufen und Hintergründen kennenlerne. Darüber hinaus hat mich der 1. FC Köln für ein neues Management-Programm des DFB und der DFL nominiert. Die Bewerbung ist raus und die Nominierung bereits erfolgt. Nun hoffe ich auf ein positives Feedback, um mich über das Trainee-Programm hinaus auch noch optimal weiterzubilden“, erklärte Kessler. So ganz abgeschlossen hat der Keeper dabei mit dem Training auf dem grünen Rasen aber noch nicht und hält sich daher eine Hintertür auf: „Sollte ich die Zusage der DFL und des DFB zur Teilnahme am ­besagten Programm erhalten, ist das eine hervorragende Chance für mich, den nächsten Schritt in ­meinem beruflichen Leben zu gehen. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass durchaus auch die Möglichkeit besteht, meine Karriere als Spieler fortzuführen. Es wird sich also in nächsten Wochen zeigen, wie meine Reise weitergeht.“

Fans bedanken sich mit Banner am Geißbockheim

Dass Trainer Markus Gisdol dem Keeper am letzten Spieltag gegen Werder Bremen ein Abschiedsgeschenk macht und Kessler noch einmal einem Pflichtspiel für die Geißböcke zwischen den Pfosten stehen darf, gilt als unwahrscheinlich. Nach dem geschafften Klassenerhalt am vergangenen Wochenende wäre der Saisonabschluss zwar grundsätzlich dafür prädestiniert. Doch da der FC in dieser Partie im Abstiegskampf zwischen Bremen und Düsseldorf das Zünglein an der Waage sein dürfte, bleibt Kessler sein Abschiedsspiel wohl verwehrt. Timo Horn wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zwischen den Pfosten stehen, damit sich der FC nicht nachsagen lassen kann durch personelle Entscheidungen in den Abstiegskampf eingegriffen zu haben.

Die Partie gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Samstag wird in jedem Fall Kesslers letztes Heimspiel als aktiver FC-Profi gewesen sein. Mit einem Abschied, der vor leeren Rängen so ungewöhnlich wie Kesslers gesamte Karriere im Profigeschäft war. Und zumindest einen Tag später gab es für den Torhüter eine Überraschung am Geißbockheim. Mit einem Spruchband auf dem Trainingsplatz bedankten sich die FC-Fans mit den Worten: „Für 20 Jahre Charakterstärke und Leidenschaft.“

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