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Sonderlob für Czichos: „Der Spieler, den ich mir gewünscht habe“


Gerade einmal drei Monate hat es gedauert, ehe Rafael Czichos wieder für den 1. FC Köln in einem Pflichtspiel aufgelaufen ist. Der Innenverteidiger stand gegen RB Leipzig überraschend in der Startformation und spielte sich am 101. Tag nach seiner schweren Halswirbel-Verletzung direkt wieder in die Mannschaft. Der 30-Jährige könnte ein wichtiger Faktor im Saisonendspurt werden. Denn dass er gefehlt hatte, merkte man sofort.

Köln – Markus Gisdol gehört nicht zu den Trainern, die öffentlich in Jubelstürme ausbrechen, wenn sie nach einer Bewertung eines einzelnen Spielers gefragt werden. Der 50-Jährige sieht gerne das große Ganze, das Team. Einzelne Spieler hervorzuheben, ist nicht seine Lieblingsdisziplin. Doch am Montagabend konnte Gisdol nicht anders – und wollte es auch nicht. „Rafa war der Spieler, den ich mir auf dem Platz gewünscht habe. Das verdient ein Sonderlob, Hut ab!“, geriet Gisdol nach dem Comeback seines Innenverteidigers in Schwärmen. „Er hat genau das gebracht, was ihn vor seiner Verletzung ausgezeichnet hat: Stabilität im Zweikampfverhalten, im Kopfballspiel und im Passspiel, in der Ruhe am Ball. Das war sehr bemerkenswert nach der Pause.“

Natürlich wusste auch Gisdol, dass Czichos nicht fehlerfrei geblieben war und das verlorene Kopfballduell gegen Patrik Schick zum 1:1-Ausgleich geführt hatte. Doch die Leistung des Linksfuß‘ war trotzdem bemerkenswert. Schließlich war Czichos am 22. Februar nur knapp einer Querschnittslähmung entgangen. Im Auswärtsspiel in Berlin hatte er sich bei einem verunglückten Zweikampf die Halswirbelsäule an einer Stelle komplett zerrissen. Nach einer Operation war zwar klar, dass Czichos wieder Fußball würde spielen können. Doch wann, schien zunächst in den Sternen zu stehen. Dann kam die Liga-Pause durch die Coronavirus-Pandemie und Czichos durfte hoffen, noch in dieser Saison zurückkehren zu können.

Czichos‘ Comeback hilft auch Katterbach

Tatsächlich war es bereits nach 100 Tagen Pause soweit. „Auf was hätten wir warten sollen? Wir wollten es probieren und er hat es bravourös gemacht“, sagte Gisdol, der unter der Woche aufgrund der großen Defensivprobleme der letzten Spiele eine Extra-Einheit für die Abwehrspieler ins Programm aufgenommen hatte. Dieses Training wurde schließlich zum Härtetest für Czichos, wie Sportchef Horst Heldt am Dienstag verriet. „Die Verteidiger mussten unzählige Zweikämpfe und Kopfbälle bestreiten. Das war eine sehr intensive Einheit, nach der klar war, dass Rafa spielen kann.“

Auffällig war, dass neben Czichos in der Viererkette Noah Katterbach sein bestes Spiel seit der Pause absolvierte. Der Linksverteidiger hatte gegen Mainz und Düsseldorf Probleme gehabt, insbesondere gegen die Fortuna, die den Youngster und Czichos-Vertreter Toni Leistner als Schwachpunkte im Kölner Spielaufbau ausgemacht hatten. Der ball- und passsichere Czichos jedoch schien auch Katterbach wieder mehr Selbstvertrauen zu verleihen. Das Duo funktionierte gegen die schnellen Leipziger Angreifer in vielen Momenten schon wieder gut und harmonierte auch im Spiel nach vorne, sodass sich Katterbach häufiger als zuletzt in die gegnerische Hälfte wagte.

Davon wird er in den nächsten Spielen profitieren

Czichos dürfte sich damit für den Schlussspurt seinen Platz direkt wieder gesichert haben und auch am Sonntag gegen Augsburg wieder in der Startformation stehen. Das deutete Heldt an. „Er hat gespielt, weil er vorher Stammspieler und mit Top-Leistungen ein wichtiger Faktor war. Jetzt hilft ihm jedes Spiel. Dass er gegen Leipzig schon gespielt hat, davon wird er in den nächsten Spielen profitieren.“ Die 90 Minuten gegen RB waren somit auch eine Art Vorbereitung auf den Saisonendspurt für Czichos, um in den entscheidenden letzten fünf Partien den Geissböcken noch einmal Sicherheit zu geben. Der FC braucht im Schlussspurt noch einmal Punkte, und Czichos scheint bereit den Kölnern dabei entscheidend helfen zu können.

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