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Kölns Probleme zeigen, wie sehr der FC seine Fans braucht


Noch vor vier Spielen, am 26. Spieltag, schien der 1. FC Köln darauf hoffen zu können, mit einem Sieg in Richtung Europa schielen zu dürfen. Das galt auch noch für den 27. Spieltag. Doch der Blick nach oben ist inzwischen verbaut und richtet sich wieder nach unten. Aus dem Tabellenkeller steigt plötzlich wieder eine vage Gefahr auf. Dass sich die Geissböcke doch noch einmal am Riemen reißen müssen, ist auch ein indirektes Lob an die Fans. Ohne sie ist ein Erfolgsfaktor verloren gegangen.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Augsburg, Union Berlin, Leverkusen, Frankfurt und Bremen – so heißen die letzten Gegner des 1. FC Köln in dieser Saison. 15 Punkte sind noch zu vergeben. Sieben Punkte beträgt der Vorsprung auf Rang 16, eventuell am Mittwochabend nur noch sechs, sollte Bremen das Nachholspiel gegen Frankfurt gewinnen. Selbst dann wäre das Polster noch halbwegs komfortabel, zumal das Torverhältnis ebenfalls für Köln spricht. Doch der FC sollte es sich nicht leisten noch einmal unten reinzurutschen. Für ein Zittern in letzter Sekunde scheinen die Geissböcke nicht gemacht.

Zu sehr leiden die Kölner unter den Geisterspielen. Nur zwei Punkte aus fünf Spielen vor leeren Rängen – kaum einer Mannschaft fehlen die Emotionen und die Energie der Anhänger so sehr wie den Geissböcken. Die mehrheitlich schwachen Leistungen unter den neuen Bedingungen sind sogar ein indirektes Lob an die Fans. Ein Zeichen, dass der FC ohne die Unterstützung von den Rängen den Turnaround unter Markus Gisdol im Winter womöglich nicht geschafft hätte. Ein Symbol der besonderen Verbindung zwischen Spielern und Anhängern, zwischen Klub und Kurve, zwischen Verantwortlichen und Stimmungsmachern, die in den letzten Jahren immer wieder Spannungen unterlegen war.

Aktuell herrscht eine große Distanz zwischen dem FC und seinen Fans. Eine Distanz, die den Profis nicht gut tut, die sich derzeit aber kaum überwinden lässt. Gegen Leipzig schien es zumindest, als haben sich für die Spieler ein Weg aufgetan, um diese Hürde zeitweilig zu überwinden. Nötig wäre dies im Saisonendspurt, denn die bisher eingefahrenen 34 Punkte werden wohl noch nicht zum Klassenerhalt reichen. Der FC wird noch einmal nachlegen müssen. Auf die Unterstützung ihrer Fans werden sie dabei nicht bauen können. Doch die Hoffnung ist, dass dem FC am Ende nicht nur der Klassenerhalt gelingt, sondern auch, dass Mannschaft und Kurve perspektivisch wieder zu einer stabilen Einheit werden. Die große Annäherung, die sich im Winter vollzogen hatte, war jäh unterbrochen worden. Sie muss wieder aufgenommen werden, sobald es gestattet ist. Denn der FC braucht seine Anhänger. Das ist in der Corona-Krise deutlicher geworden denn je.

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