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Heldt mahnt: „Unser Punktepolster wird nicht reichen“


Trotz fünf sieglosen Spielen in Folge blickt der 1. FC Köln entspannt auf den Abstiegskampf. Das haben die Geißböcke ihrer beeindruckenden Serie vor der Liga-Unterbrechung zu verdanken. Noch ist der FC aber nicht gerettet und trotz allem Optimismus weiß man auch in Köln, dass aus den verbleibenden fünf Spielen noch Punkte benötigt werden. 

Köln – Wer Anfang Dezember nach dem 0:2 bei Union Berlin gesagt hätte, der FC könne sich kurz vor dem Saisonendspurt trotz fünf sieglosen Spielen in Folge im Abstiegskampf entspannt zurücklehnen, den hätte so mancher Kölner wohl für verrückt erklärt. Damals stand die Mannschaft nach 14 Spieltagen mit acht Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Doch dank einer beeindruckten Serie zwischen dem 15. und 26. Spieltag haben sich die Geißböcke fünf Runden vor dem Ende in eine mehr als komfortable Ausgangssituation gebracht. Der Vorsprung auf den Relegationsrang beträgt vor dem Nachholspiel zwischen Frankfurt und Bremen am Mittwochabend sieben Punkte. Und das, obwohl der FC in den letzten fünf Partien nur zwei Zähler holte.

Wenn wir so spielen, bin ich ganz ruhig

Aus diesem Grund verfällt man am Geißbockheim angesichts der derzeitigen Ergebniskrise auch nicht in Panik. „Sie können sich entspannen“, sagte FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle am Montagabend in der Halbzeit der Partie gegen RB Leipzig, in der der FC bereits mit 1:2 zurücklag. Hört man den Fußball-Experten dieser Tage genau zu, glaubt auch dort niemand daran, dass der 1. FC Köln noch in ernsthafte Abstiegsgefahr geraten könnte. Wird dabei über die stark gefährdeten Abstiegskandidaten gesprochen, beginnen die meisten mit Eintracht Frankfurt auf Platz zwölf. Dass der FC mit nur zwei Punkten mehr und einem Platz besser bereits außen vor gelassen wird, dürfte auch an dem gefestigten Eindruck liegen, den die Kölner vor der Liga-Unterbrechung durch Corona hinterlassen haben. Darüber hinaus zeigte sich die Gisdol-Elf im Verlauf der vier Spiele seit der Corona-Pause verbessert. Gegen RB Leipzig hielt der FC sogar lange Zeit ordentlich mit, musste sich am Ende aber durch zu leichte Fehler und der individuellen Stärke des Gegners geschlagen geben. Doch gerade die gezeigte Leistung gegen den Champions League-Anwärter lässt Markus Gisdol entspannt auf die kommenden Wochen schauen. „Wenn wir so spielen wie heute, bin ich ganz ruhig“, sagte der Trainer nach der Partie. „Es war eines unserer besten Spiele gegen eine Spitzenmannschaft seit ich da bin. Heute waren wir am nächsten dran einen Punkt zu machen.“ Von den Top-fünf Mannschaften konnte der FC in der Tat nur gegen Bayer 04 Leverkusen in der Hinrunde gewinnen. Gegen Gladbach wäre im ersten Geisterspiel der Geschichte bei günstigem Verlauf möglicherweise auch ein Punkt drin gewesen. Doch in beiden Spielen gegen Bayern und den BVB waren die Kölner chancenlos und auch das Hinspiel gegen RB Leipzig verlief alles andere als auf Augenhöhe.

Zwar treibt die derzeitige Situation den Kölnern keine Sorgenfalten auf die Stirn, trotzdem verpassten es die Geißböcke in den letzten Wochen, frühzeitig einen Strich unter das Thema Klassenerhalt zu machen. Mit nur einem Sieg über die direkten Konkurrenten aus Mainz oder Düsseldorf wäre die Sache wohl bereits erledigt gewesen. So müssen die Kölner ihre gute Leistung aus dem Leipzig-Spiel in den restlichen fünf Partien erst noch bestätigen und endlich auch wieder Punkte einfahren. „Wir müssen die Saison sachlich und ruhig, mit absolutem Engagement und mit der heutigen Einstellung zu Ende spielen. Dann mache ich mir überhaupt keine Gedanken“, sagte Gisdol am Montagabend und fügte hinzu: „Die Punkte kommen auf jeden Fall, wenn wir gegen andere Gegner so spielen wie gegen Leipzig.“

Vor fünf Jahren stieg Freiburg mit 34 Punkten ab

Genau hierbei liegt beim FC oftmals aber auch das Problem. Leistungen, die gegen eine Spitzenmannschaft abgerufen werden, lassen sich nicht automatisch auch auf den nächsten Gegner übertragen. Schließlich stehen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte oftmals deutlich defensiver und überlassen dem FC spätestens seit seiner starken Siegesserie gerne den Ball. Und dass die Kölner sich in der Favoritenrolle nicht gänzlich wohl fühlen, zeigten die Duelle gegen Düsseldorf und Mainz. Wie schmal daher der aktuelle Grat ist, auf dem die Geißböcke wandern, sprach am Dienstag auch Horst Heldt aus. „Es macht keinen Sinn beunruhigt zu sein, aber auch nicht uns in Sicherheit zu wiegen.“ 34 Punkte reichten zuletzt in der Saison 2016/17 nicht für den sicheren Ligaverbleib. Damals musste der VfL Wolfsburg mit 37 Zählern in die Relegation. Der SC Freiburg stieg 2014/15 gar mit 34 Punkten ab. Daher sagt auch Heldt: „Das Polster, das wir haben, ist gut, wird aber nicht reichen. Wir wollen punkten, um Klarheit zu schaffen. Und mit den Attributen, die wir gegen Leipzig gezeigt haben, werden wir das auch schaffen.“

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der FC mit noch einem Sieg sicher gerettet ist. „Ich glaube nicht, dass man 40 Punkte brauchen wird“, erklärt auch Heldt. Dafür müssten Teams wie Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen aus den letzten Spielen fast die komplette Punkteausbeute einfahren, um 40 Zähler noch zu erreichen. Trotzdem will man beim FC schnellstmöglich Klarheit schaffen, um für eine weitere Bundesliga-Saison planen zu können. Dafür bedarf es laut dem Geschäftsführer Sport sachliche Kritik, „um Verbesserungen herbeizuführen, und gleichzeitig wollen wir daran erinnern, was die Spieler gut gemacht haben.“ Mit einem Dreier am Sonntag über den FC Augsburg könnten die größten Fragezeichen über dem Geißbockheim wohl endgültig verschwinden. Sollte die Konkurrenz jedoch schon am Samstag Punkte einfahren, könnte der Druck für den FC nochmal steigen.

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