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Stärke und Schwäche: Vorne und hinten nicht zu Null


Für den 1. FC Köln geht es am Samstag beim SV Werder Bremen zwar nicht mehr um den Klassenerhalt. Doch die Geißböcke werden direkten Einfluss auf den Ausgang des Abstiegskampfes haben. Dieser Verantwortung wird der FC auch unter erschwerten Bedingungen gerecht werden müssen. Dafür will das Team von Markus Gisdol eine Serie fortsetzen und zwei Serien beenden wollen.

Köln – Jonas Hector wird am Samstag im letzten FC-Spiel der Saison fehlen. Der Kapitän trauert um seinen im Alter von 31 Jahren verstorbenen Bruder Lucas. Am Geißbockheim fuhr man nach der Todesnachricht das Programm für die letzte Pflichtspielwoche deutlich runter. Keine Interviews oder Termine bis auf die Pressekonferenz am Donnerstag, keine Äußerungen zu Hectors Verlust aus Rücksicht auf die Familie des Spielers, nur das Training wird ab Dienstag nach Plan stattfinden. Am Freitag reist die Mannschaft nach Bremen, am Samstag geht es um 15.30 Uhr noch einmal auf den Rasen. Dann ist die Saison vorbei, und nach der traurigen Nachricht aus dem Saarland werden sie beim FC darüber nur noch erleichterter sein.

Doch die Mannschaft von Markus Gisdol will sich noch einmal zusammenreißen. Für Hector, aber auch für sich selbst. Für ein gutes Gefühl für die Sommerpause. Für einen letzten Schuss Selbstvertrauen. Der FC will es unbedingt vermeiden mit einer Serie von zehn sieglosen Spielen ins Sommerloch zu entschwinden. Damit die Sieglos-Serie endet, muss eine andere Serie halten und im Bestfall eine weitere ebenfalls enden. Denn beim FC steht seit Monaten weder vorne noch hinten die Null.

Nur ein FC-Tor weniger als 2016/17

Zunächst das Positive: Seit 19 Spielen hat der 1. FC Köln in jedem Bundesliga-Spiel getroffen. Das 0:2 bei Union Berlin am 14. Spieltag war die letzte Partie ohne eigenen Treffer. Auf der anderen Seite ist der FC jedoch auch seit zehn Spielen nie ohne Gegentor geblieben. Letztmals gegen Schalke 04 Ende Februar gelang ein Sieg mit weißer Weste. Timo Horn musste seitdem stets mindestens einmal hinter sich greifen, wenn seine Mannschaft in der Bundesliga antrat. Seit Corona waren es 18 Gegentore in acht Spielen – zu viele für Horns Ansprüche, zu viele für Gisdols Geschmack, zu viele für den FC, der mit 63 Gegentoren eine der Schießbuden der Liga vorweist. Nur vier Teams kassierten mehr Gegentore.

Am Samstag soll aber nicht nur die Abwehr endlich wieder über 90 Minuten funktionieren. Auch die Offensive soll noch einmal abliefern. Mit 50 Toren hat, abgesehen von den Top 6 der Liga, nur Frankfurt mehr Treffer erzielt als der FC. Zum Vergleich: In der Saison 2016/17 zog der FC mit 51 Toren nach 34 Spielen in die Europa League ein. Die Kopfballstärke, die Standardtore von Sebastiaan Bornauw (zweitbester Torschütze des FC), die Torjäger-Qualitäten von Jhon Cordoba (13 Treffer), die Verpflichtung von Mark Uth (fünf Tore, sechs Vorlagen) und das späte Aufblühen von Anthony Modeste (vier Tore): Dieses Faustpfand hatte Gisdol mit seiner Mannschaft erreicht, indem die Kölner so treffsicher wurden wie kein anderes Team in der unteren Tabellenhälfte.

Bremen mit nur neun Heimtoren in dieser Saison

Die offensive Stärke glich jedoch in den letzten Wochen nur noch die defensiven Schwächen aus – wenn überhaupt. Weder hinten noch vorne steht die Null, für die Kölner war diese Prämisse Fluch und Segen zugleich. Ob der FC in Bremen also nicht nur die Sieglos-Serie, sondern auch jene in der Defensive wird beenden können? Gegen keinen anderen Klub sind die Chancen statistisch gesehen so gut wie beim SV Werder. Die Mannschaft von Florian Kohfeldt ist das mit Abstand schlechteste Heimteam der Liga: In 16 Heimspielen holte Werder nur einen Sieg, gerade einmal sechs (!) Punkte und erzielte dabei mickrige neun (!) Heimtore. Dem gegenüber stehen 35 kassierte Treffer. Doch Werder muss am Samstag zwingend gewinnen, um den direkten Abstieg abzuwenden. Der FC muss also mit stürmischen Bremern rechnen.

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