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Wie ein Absteiger: Der FC muss der Realität ins Auge sehen


Der 1. FC Köln steckt in der Krise. Etwas anderes zu behaupten wäre ein Verdrehen von Tatsachen und ein Verschließen der Augen vor der Realität. In der Verantwortung stehen vor allem die Spieler. Wieder einmal verhallen die mahnenden Worte der sportlichen Führung ungehört. Mehr als Lippenbekenntnisse sind aus der Mannschaft nicht zu hören. Die Gefahr ist offensichtlich: Die Geißböcke sind dabei, alles einzureißen, was sie sich mühevoll aufgebaut haben.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Sieben Spiele ohne Sieg, nur drei Punkte: Selbst der Saisonstart unter Achim Beierlorzer fiel im Vergleich um einen Punkt besser aus, und das gegen deutlich stärkere Gegner. Der Auftritt des FC am Samstag gegen Union Berlin erinnerte in vielerlei Hinsicht an die Leistungen unter dem Ex-Coach. Spielerische Armut in der Offensive, einfache Fehler in der Defensive und all das gepaart mit einer erschreckenden Laufleistung, die Markus Gisdol eigentlich verbessert hatte. Der 1. FC Köln spielt im letzten Drittel der Saison wieder wie ein Absteiger.

Ja, wieder. Denn bekanntlich gab es eine solche Phase in dieser Saison schon einmal. In den ersten 14 Spielen holte Köln nur acht Punkte und war damit das schlechteste Bundesliga-Team. Von Spieltag 15 an holte der FC dann plötzlich acht Siege aus zehn Spielen und belegte mit 24 geholten Punkten den dritten Platz in der virtuellen Zwischentabelle. Inklusive Nachholspiel-Niederlage in Gladbach gab es danach aber die jüngsten sieben Partien, in denen nur Schalke gleich wenige Punkte holte. Ein durchaus kurioses Bild, das mitnichten einfach sein dürfte für die Spieler. Erst wurden sie zurecht hart kritisiert, dann wurden sie zurecht gefeiert und nun werden sie zurecht wieder hart kritisiert. Der FC zeigt in dieser Saison zwei gänzlich verschiedene Gesichter, das eines Absteigers und das einer Mannschaft, der man gar den Einzug in die Europa League zugetraut hätte. Die entscheidende Frage lautet nun: Welches ist das wahre Gesicht dieser Mannschaft?

Schon Beierlorzer beklagte taube Ohren der Spieler

Das müssen Markus Gisdol und Horst Heldt herausfinden. Schließlich muss das Duo im Sommer einen Kader formen, der zu konstanten Leistungen in der Lage ist und nicht ständig zwischen Himmel und Hölle schwankt. Eine Erkenntnis gibt es bereits jetzt: Mahnende Worte haben auf manche Spieler keinen großen Einfluss. Schon Beierlorzer beklagte, dass Appelle an Kampf, Aggressivität und Laufbereitschaft auf taube Ohren gestoßen seien. Nun muss Gisdol die gleiche Erfahrung machen. Schließlich hatte der Cheftrainer vor dem Augsburg-Spiel erklärt, dass man noch einmal die Sinne geschärft habe, um die Saison nicht austrudeln zu lassen. Doch davon war in Augsburg (in Hälfte eins) und gegen Union (das gesamte Spiel) praktisch nichts zu sehen. Die FC-Profis fanden zwar nach den Spielen klare Worte, doch eine Reaktion auf dem Rasen lässt weiter auf sich warten.

FC muss Hypothek für Sommerpause abwenden

Und so befindet sich der 1. FC Köln in einer gefährlichen Situation. Der Klassenerhalt mag fast geschafft und das Ziel des Aufsteigers damit so gut wie erreicht sein. Doch an die Erfolgsserie vor der Coronakrise kann sich kaum jemand mehr erinnern. Die Geißböcke haben fast alles verspielt, was sie sich aufgebaut hatten, und drohen mit der Hypothek einer veritablen Krise in die Sommerpause zu gehen. Das müssen Spieler und Trainer zwingend verhindern. Andernfalls droht dem FC im dritten Jahr in Folge eine Sommerpause ohne jede Aufbruchsstimmung. Für die Wende haben die Geißböcke noch drei Spiele Zeit. Spiele, die sie in der Hinrunde schon einmal dazu genutzt haben. Daran sollte sich so mancher beim FC noch einmal erinnern, denn die Sommerpause wird aufgrund der Folgen der Coronakrise für den Klub schon schwer genug.

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