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„Gefahr, dass Investoren-Klubs gerade jetzt noch mehr investieren“


Der 1. FC Köln steckt nicht nur sportlich, sondern auch finanziell in der Krise. Ist die Lage sogar existentiell gefährdend? Alexander Wehrle spricht von der „größten Herausforderung in der Vereinsgeschichte“. Derweil können Investoren-Klubs weiter aus dem Vollen schöpfen und sich einen noch größeren Wettbewerbsvorteil verschaffen. Der Finanz-Geschäftsführer im GBK-Gespräch.

Das Interview führte Marc L. Merten

GBK: Herr Wehrle, weil Werder Bremen die Klasse gehalten hat, muss der FC auf rund fünf Millionen Euro Mehreinnahmen aus TV-Geldern verzichten. Wie gut sind Sie inzwischen darauf zu sprechen?

ALEXANDER WEHRLE:Ich habe mich sehr über den Ausgang unseres Spiels in Bremen geärgert. Wir hätten Mehreinnahmen verbuchen können, die wir in unserer Situation gut hätten gebrauchen können. Aber jammern hilft nichts. Wir wissen jetzt, dass wir die Gelder anders akquirieren müssen.

Wie viel Geld wird dem FC aus dem Topf der TV-Gelder in der nächsten Saison nun zur Verfügung stehen?

Weniger als erhofft. Wie viel genau, hängt noch von der tatsächlichen Verteilungsmasse ab. Das ist noch nicht ganz klar, weil durch die Kündigung von Discovery Eurosport die Corona-Effekte noch nicht gänzlich geklärt sind.

Alle Vereine haben eine Daseinsberechtigung

Ab der Saison 2021/22 gilt der nächste TV-Vertrag, der gerade geschlossen wurde und etwas weniger Einnahmen verspricht als der bisherige. Die Verteilung dieser Gelder muss noch geklärt werden. Mit welchen Zielen gehen Sie in die Verhandlungen der DFL?

Vom Grundsatz her bin ich der Auffassung, dass wir einen nachhaltigen Ansatz im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit und der Ausgeglichenheit der Bundesliga finden müssen. Natürlich müssen unsere Vereine international wettbewerbsfähig sein, andererseits muss der nationale Wettbewerb ausgeglichen sein. Alle Vereine haben eine Daseinsberechtigung. Dafür gilt es einzustehen.

Von den sieben Klubs, die sich dieses Jahr für Europa qualifiziert haben, hat es nur Borussia Mönchengladbach ohne Investoren dorthin geschafft. Fürchten Sie, dass die Verteilung der TV-Gelder plus Corona-Effekte die Schere zwischen den Klubs noch größer machen wird?

Das ist eine berechtigte Befürchtung. Gerade durch Corona besteht die Gefahr, dass Klubs, die Investoren als Fundamente haben, gerade jetzt noch einmal mehr investieren werden als ohnehin geplant, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Und um Spieler womöglich preiswerter zu verpflichten.

Genau. Andere Vereine wie der FC haben dagegen Probleme. Genau deswegen müssen wir schauen, künftig eine nachhaltigere Verteilung der TV-Gelder hinzubekommen.

Finanzielle Vorgriffe kann ich definitiv ausschließen

Wie wird Corona den FC verändern?

Es gibt zwei unmittelbare Effekte: Einerseits fehlen uns auch für die kommende Saison Spieltags-Einnahmen aus Ticketing, Catering und Merchandising. Andererseits wissen wir nicht, inwieweit sich die Transferaktivitäten in Europa verändern und auf uns auswirken werden. Dazu kommt eine Frage, die noch niemand beantworten kann: Ob es Corona-Effekte auf das Sponsoring geben wird, ob der eine oder andere Sponsor abspringen muss. Beim FC haben wir noch keine Anzeichen dafür, dennoch kann das noch niemand zuverlässig vorhersehen. Deswegen stehen wir ganz klar vor der größten Herausforderung in der Vereinsgeschichte.

Der FC hat in der Corona-Krise den Vertrag mit Hauptsponsor Rewe verlängert. Der Zeitpunkt ließ den Verdacht aufkommen, dass im Rahmen der Verlängerung womöglich eine Vorauszahlung geleistet worden sein könnte, um beim FC einen Liquiditätsengpass zu überbrücken. Gab es einen finanziellen Vorgriff auf die Zukunft, in dem Erträge aus der vereinbarten Verlängerung vorgezogen wurden?

Das kann ich definitiv ausschließen. Wir haben lediglich die Gespräche, die im Herbst ohnehin angestanden hätten, vorgezogen. In Zeiten der Unwägbarkeiten war das ein wichtiges Zeichen der Sicherheit und zeigt, dass Rewe ein großartiger Partner ist.

Wird der FC seine Spieler noch einmal um einen Gehaltsverzicht bitten?

Das werden wir intern regeln. Wenn die Spieler aus ihrem Urlaub zurückkommen, werden wir mit ihnen sprechen. Mit welcher Erwartungshaltung wir in die Gespräche gehen werden, hängt davon ab, welche Rahmenbedingungen für die neue Saison gelten, vor allem in Sachen Zuschauer.

Ich würde mir Stehplätze bei einer Teil-Öffnung wünschen

Ein Heimspiel ohne Zuschauer kostet den Klub rund 1,8 Millionen Euro. Wie sieht es bei einem Modell der Teil-Öffnung aus?

Das kommt ganz auf das Modell an. Wie viele Zuschauer dürfen in welchen Abständen zueinander rein? Werden nur Sitz- oder auch Stehplätze erlaubt sein? Wie viele Business-Seats und wie viele Logen dürfen geöffnet werden? Sind es 7.000, 10.000 oder 15.000 Zuschauer und in welchem Verhältnis zwischen Public und Business? Ich würde mir beispielsweise wünschen, dass wir auch bei einer Teil-Öffnung sofort wieder Stehplätze haben. Auch dafür müsste es intelligente Lösungen geben, um Abstände wahren zu können. Idealerweise werden wir ein bundesweites Konzept finden, das für alle gilt.

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