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Drei Frankfurter Jungs drehen beim Effzeh auf


Sie kennen sich seit der U14. Sie kickten zusammen beim FSV Frankfurt. Nun sind sie gemeinsam beim 1. FC Köln zu den Profis aufgerückt. Sava Cestic, Tim Lemperle und Robert Voloder verbindet der Fußball seit vielen Jahren. Sie alle haben einen Traum: Bundesliga-Spieler bei den Geißböcken zu werden. In Donaueschingen sprachen sie über ihre Ziele.

Aus Donaueschingen berichten Sonja Eich und Marc L. Merten

Es ist selten geworden, dass drei Talente gleichzeitig bei einem Klub aus der Jugend in den Profibereich wechseln. Noch seltener, dass sie vorher schon gemeinsam bei einem anderen Klub im Nachwuchs gekickt haben. Die Innenverteidiger Cestic und Voloder sowie Offensivmann Lemperle verbindet dies. Die gleichaltrigen Cestic und Voloder begannen in der Jugend bei der SG Rosenhöhe Offenbach, ehe sie beim FSV Frankfurt landeten – Cestic mit dem Umweg über die Kickers Offenbach, wo einst sein Vater gekickt hatte. Der ein Jahr jüngere Lemperle war bereits vorher beim FSV groß geworden. Gemeinsam trafen sie sich in der U14, ehe später ihre Wege noch einmal auseinander führten.

2016 wechselte Voloder als erster zum FC, während sich Cestic für das NLZ des FC Schalke 04 entschied. Lemperle folgte 2017 trotz eines Angebots der Frankfurter Eintracht seinem Kumpel Voloder nach Köln, während Cestic erst 2019 zu den Geißböcken kam. Dann bildete er mit Voloder die Innenverteidigung der U19, in die Lemperle ein halbes Jahr zuvor gestoßen war. Wiedervereint beim FC in der U19, stehen sie nun im Sommer 2020 als drei der zahlreichen Talente bei den Profis im Blickpunkt einer herausragenden Nachwuchsarbeit der Geißböcke. „Es gab zwei erfolgreiche Jahrgänge beim FSV“, erzählt Lemperle nun in Donaueschingen. „Der 2001er, aus dem Sava und Robert kommen, und mein 2002er-Jahrgang. Der FSV ist schon eine Talentschmiede, denn aus diesen beiden Jahrgängen haben es viele Spieler zu anderen NLZs geschafft.“ Ein anderer prominenter Nachwuchs-Name ist Per Lockl, zuletzt U19-Kapitän beim VfB Stuttgart. Er wechselte zur neuen Saison zu Borussia Mönchengladbach.

Drei völlig verschiedene Talente

„Das hat man nicht oft, ist aber ein schönes Gefühl, dass wir gemeinsam den Weg gehen können“, sagt der 19-jährige Voloder. „Das hilft uns, weil wir uns schon länger kennen und wissen, wie der andere tickt.“ Dabei könnte das Trio nicht unterschiedlicher sein. Cestic, mit 1,91 Meter der Längste, wirkt wie ein ruhiger Riese, kräftig gebaut, lautstark auf dem Platz, sachlich und klar abseits des Rasens, ein Spieler, der zwar noch an seiner Schnelligkeit und Wendigkeit arbeiten muss, dafür aber mit enormer Kopfballstärke und Zweikampfhärte ausgestattet ist. Voloder, sechs Zentimeter kleiner, ist deutlich schmaler gebaut als sein Innenverteidiger-Kollege, erscheint mitunter eher wie ein Außenbahnspieler, schneller in den Bewegungen, aber als Linksfuß ebenso wie Rechtsfuß Cestic mit einem guten Passspiel ausgestattet. Während Cestic eher Bornauw ähnelt, kommt Voloder mehr nach Meré. Beide nennen Real-Star Sergio Ramos als ihr Vorbild. In ihrer Spielweise unterscheiden sie sich aber ebenso, wie sie sich in der U19 als Partner auf dem Platz ergänzt haben.

Und dann wäre da noch Lemperle, ein für einen Außenbahnspieler ungewöhnlich groß gewachsener Schlacks. Mit 1,87 Meter überragt er selbst Innenverteidiger Voloder und bringt in den Augen der FC-Trainer die seltene Kombination aus langen, raumgreifenden Beinen, guter Technik und Stärke im Eins gegen Eins mit, verbunden mit einem hohen Tempo, das ihm gerade auf den ersten Metern im Dribbling hilft. Was Voloder noch im Defensivzentrum fehlt, muss sich auch Lemperle noch für die Offensivaktionen erarbeiten: „Ich arbeite mit Robert zusammen am Körperlichen. Ich bin noch etwas dünner, weiß also, dass ich noch draufpacken muss, damit ich nicht so leicht vom gegnerischen Innenverteidiger abgefertigt werde“, sagt Lemperle und fügt lachend hinzu: „Wir werden hier vom Athletiktrainer aber schon ganz schön gepeitscht.“ Das sieht auch Voloder. „Ich habe in der Pause ein straffes Programm durchgezogen“, erzählt der U19-Nationalspieler und verweist auf den Muskelaufbau von Leon Goretzka beim FC Bayern. „Noch nicht so viel wie Goretzka, aber da wollen wir noch hinkommen.“

FC traut den Talenten den Durchbruch zu

Beim FC heißt es intern, dass keiner der nach Donaueschingen mitgereisten Talente nur mitgenommen wurde, um den Kader aufzufüllen. Allen wird der baldige Durchbruch zugetraut. Vor allem, weil die Youngster auch mental mitbringen, was es für den Profibereich braucht. Insbesondere Cestic wirkt in dieser Hinsicht erwachsener als viele seiner Altersgenossen, wenn er sagt: „Ein ruhiger Innenverteidiger strahlt sehr viel Dominanz aus. Das ist mein Ziel. Ich will so cool und ruhig wie möglich wirken, ohne schläfrig zu sein. Es geht darum, in den Zweikämpfen auch mal richtig dazwischen zu hauen. Die Ruhe am Ball ist aber ein sehr wichtiges Element. Besonders, wenn der Trainer verlangt, hinten rauszuspielen und nicht nur lange Bälle zu spielen.“ Cestic weiß, wohin er will. Daran lässt er keinen Zweifel. Der hochgewachsene Defensivspezialist, der am Dienstag im Training auch mal auf der Sechs ausprobiert wurde, will in den nächsten Monaten in der Bundesliga debütieren. So wie Lemperle am 34. Spieltag beim 1:6 in Bremen. „Ich habe mich brutal gefreut, als der Trainer meinen Namen gerufen hat“, blickt Lemperle auf die Einwechslung zurück und gesteht: „Da war ich wirklich so glücklich, dass ich selbst bei dem Spielstand grinsen musste. Ich habe aber versucht, mir das nicht anmerken zu lassen.“ In der Schlussphase des Spiels hätte der 18-jährige beinahe sogar noch sein erstes Bundesliga-Tor erzielt, verzog aber knapp. „Es hat mich schon geärgert, dass ich das Ding nicht reingemacht habe.“

Beim FC ist man froh, das Trio aus Frankfurt für Köln gewonnen zu haben. Lemperle und Cestic waren bereits im Januar im Profi-Trainingslager in Benidorm dabei gewesen, Voloder hatte dieses lediglich aus Krankheitsgründen verpasst. Nun sind alle drei in Donaueschingen vor Ort und präsentieren sich, als gehörten sie schon länger dazu. „Es hat extrem geholfen, dass wir schon in Benidorm dabei waren“, sagt Cestic für Lemperle und sich selbst. „Ich bin dieses Mal deutlich lockerer und entspannter in den Trainingseinheiten. Da ist der Kopf schon ausgeschaltet.“ Voloder kommt derweil zugute, dass er schon im Nachwuchs begonnen hat mit dem Psychologen Moritz Anderten zu arbeiten, der nun für die Profis zuständig ist. Mentales Training, das ihm nun auf dem Rasen zugute kommt, wie er betont. „Ich finde es gut, dass ein Sportpsychologe da ist“, sagt Voloder. „Daraus kann ich viel ziehen. Man hat jemanden, der unabhängig ist und mit dem man reden kann, wenn einen etwas bedrückt.“

Das haben sie gut vertuscht

Den 1. FC Köln hat sich das Trio bewusst als Sprungbrett zu den Profis ausgesucht. Für Cestic, der sein Zuhause bereits mit 15 verließ, ging es auf Schalke nicht so recht weiter. Für Voloder und Lemperle war der Schritt aus Frankfurt und aus der Komfortzone wichtig für die persönliche Entwicklung. Nun klopft das Trio bei den Profis an. Dabei hätte der FC nicht einmal die besten Angebote gehabt, wie Voloder mit einem Augenzwinkern verrät: „Die Situation am Geißbockheim hat man damals gar nicht so mitbekommen und man hat auch nicht darauf geachtet“, sagt der 19-jährige in Bezug auf die veraltete Infrastruktur. Und Lemperle ergänzt lachend: „Das haben sie gut vertuscht.“ Bereut hat den Schritt zum FC niemand, schon gar nicht jetzt, da das Ziel Bundesliga so nah ist wie noch nie. „Wie man sieht, war es eine gute Entscheidung“, sagt Voloder.

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