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„Mussten schon Spieler an uns vorbeiziehen lassen“


Marcel Risse und Simon Terodde waren die Abgänge zehn und elf beim 1. FC Köln in diesem Sommer. Der Kader der Geißböcke hat sich inzwischen auf eine quantitativ trainierbare Größe reduziert. Folgt auf diese Verkleinerung nun der Kölner Angriff auf dem Transfermarkt? Es sieht nicht danach aus. Zwar will der FC mit Streli Mamba einen neuen Stürmer verpflichten. Darüber hinaus jedoch bleibt Sportchef Horst Heldt zurückhaltend und betont weiter, eine „andere Herangehensweise“ zu wählen.

Aus dem Trainingslager berichten Sonja Eich und Marc L. Merten

Dass Streli Mamba zum 1. FC Köln wechseln soll und will, ist inzwischen klar (die aktuellsten Aussagen von Horst Heldt gibt es hier). Nun müssen die Vereine eine Einigung erreichen. Das wird nicht einfach, jedoch nicht unmöglich, denn der SC Paderborn muss bekanntermaßen Transfereinnahmen für die neue Saison generieren. Alles ist eine Frage des Geldes, im Corona-Sommer noch viel mehr als in der Vergangenheit. Der FC hat kaum finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung, kokettiert damit zwar auch ein wenig, ist aber sicherlich arger getroffen als viele andere Klubs in Deutschland.

„Unsere Situation bleibt angespannt, das ist herausfordernd“, betonte Horst Heldt am Donnerstag, dem Tag der Ankunft in Donaueschingen. Die eingeschränkten Mittel haben dazu geführt, dass der FC so manchen ausgeguckten Spieler in dieser Transferperiode bereits ziehen lassen musste. „Wir führen schon länger Gespräche mit vielen Spielern. Wir haben schon Spieler an uns vorbeiziehen lassen müssen, weil wir mit unseren knappen Ressourcen sorgsam umgehen müssen.“ Der Auftrag, die Quantität im Kader herunterzuschrauben, ist zwar weitgehend gelungen. Doch solange chancenlose und freigestellte Spieler wie Lasse Sobiech oder Louis Schaub weiter den Gehaltsetat belasten, ohne dass sie beim FC noch einmal zum Zuge kommen werden, kann Heldt nicht durchatmen.

Wird der FC seinen finanziellen Rahmen ausreizen?

Als Warnruf sind Heldts Aussagen nicht zu verstehen, eher als Erinnerung. Das Kölner Interesse an Mamba steht nicht gleichbedeutend mit frischem Geld, das in die FC-Kassen geflossen ist. Ganz im Gegenteil. Obwohl zahlreiche Spieler den Klub verlassen haben, zahlen die Geißböcke für die vereinbarten Leihgeschäfte weiter mit oder müssen an Spieler wie Terodde eine Abfindung überweisen. Die Hoffnung ruht lediglich darauf, dass über die gesamte Saison gesehen der Spieleretat deutlich niedriger ausfällt als befürchtet. Denn die Kölner wollen keineswegs einen 50-Mio-Etat stemmen, hoffen vielmehr darauf die Kosten einigermaßen in den Griff zu bekommen, um die hohen Verluste (nicht nur durch Corona) auffangen zu können.

Dennoch bedarf es Verstärkungen im Kader. Heldt sucht sich vornehmlich nach Spielern um, die für eine Leihe nach Köln in Frage kommen. Die bestätigten Gespräche mit Streli Mamba und Robin Hack zeigen jedoch, dass man beim FC nicht nur übervorsichtig und zurückhaltend agiert, sondern bereit ist gerade für die Offensive noch einmal den finanziellen Rahmen auszureizen. Bis wohin, lässt sich von außen betrachtet aber in diesem Sommer noch schwieriger berechnen als ohnehin schon. „Wir brauchen Flexibilität und eine andere Herangehensweise, auch Attribute, die wir so nicht haben“, sagte Heldt am Donnerstag lediglich. Gemeint war damit die Hoffnung auf andere Spielertypen als jene, die der FC bereits im Kader hat. Heldt will seinem Trainer Markus Gisdol durch die personellen Veränderungen einen möglichst flexiblen Kader bereitstellen, mit dem mehrere Systeme und Spielideen verwirklicht werden können. Nach dem Training am Donnerstag saßen Manager und Trainer noch länger gemeinsam auf einer Bank neben dem Platz und beratschlagten sich.

Ist der FC bei Modeste am Samstag schlauer?

Derweil ist die Situation bei Anthony Modeste weiter unklar. Der Franzose reiste am Donnerstag nach München, um sich dort von einem Ärzteteam durchchecken zu lassen. Die Untersuchungen werden am Freitag weitergehen. „Das wird ein, zwei Tage dauern“, sagte Heldt. „Wir holen jetzt eine zweite Meinung ein und müssen abwarten. Vielleicht haben wir am Samstag neue Erkenntnisse.“ Wenn die Geißböcke in Friedrichshafen zum Testspiel auf Union Berlin treffen, könnte es also erste Hinweise darauf geben, wann der Stürmer wieder ins Training einsteigen könnte. Nach dem Abgang von Simon Terodde und hinsichtlich der drohenden Hängepartie um Streli Mamba eine nicht ganz unwichtige Information, die der FC dringend benötigt.

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