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Der große Unterschied: Starke Statistiken, aber null Punkte


Die Werte zeigen: Der 1. FC Köln ist zweikampf-, kopfball- und laufstark in die neue Bundesliga-Saison gestartet. Doch die Tabelle zeigt: zwei Spiele, null Punkte. Die Geißböcke müssen noch mehr als bisher die Grundformen des einfachen Fußballs beherrschen, wenn schon keine Automatismen im Spiel nach vorne vorhanden sind. Machen die Statistiken zumindest Mut? Das hängt davon ab, ob die Spieler ihre Fehler abstellen können. 

Köln – Die Frage, wann eine Niederlage verdient ist, stellte sich auch am Samstag in Bielefeld. Hatten die Geißböcke verdient verloren in einer Partie, die eigentlich ein typisches 0:0 hätte sein können? War es eine verdiente Pleite für den FC, obwohl Köln kaum Chancen des Gegners zugelassen hatte? Auf dem Papier womöglich nicht, hatten die Spieler von Markus Gisdol über die 90 Minuten doch eigentlich mehr investiert als Bielefeld.

Köln war mehr gelaufen (120,7km zu 119,3km), hatte mehr Torschüsse (12:7) abgegeben, mehr Ecken (7:4) herausgeholt und mehr Ballbesitz (53:47%) verzeichnen können. Doch Statistiken beschreiben nicht immer den wahren Verlauf eines Spiels. Die Zahlen zeigten nicht, dass Bielefeld gerade in Hälfte eins die Mannschaft mit dem geordneteren Spielaufbau war, mit den klareren Aktionen und der besseren Raumaufteilung. Der FC hingegen wirkte fahrig, hatte gerade in der ersten Halbzeit eine schwache Passquote (am Ende 80%) und verzeichnete über das gesamte Spiel hinweg nur zwei Chancen nach ruhenden Bällen (Czichos, Bornauw) und zwei Chancen aus dem Spiel heraus (Andersson, Bornauw). Gegen einen Aufsteiger aus Kölner Sicht viel zu wenig, und so ließ die spielerische Armut der Geißböcke die Niederlage am Ende doch verdient erscheinen.

Wie soll das denn auch klappen?

„Wir hatten wenige, aber die besseren Chancen und haben fast nichts zugelassen“, sagte Sportchef Horst Heldt. „Wenn man dann nichts mitnimmt, ärgert das maßlos. Wir haben gegen Hoffenheim besser gespielt als gegen Bielefeld. Wenn wir so gespielt hätten, hätten wir gewinnen können.“ Doch den FC trifft nun hart der Verlauf der Vorbereitung. Erst keine Neuzugänge und nur Abgänge, dann zwei Wochen Stückwerk im Training mit einem Rumpfkader durch die erste Länderspielpause. Schließlich der späte Cordoba-Abgang in Verbindung mit den Duda- und Andersson-Verpflichtungen, der Limnios-Corona-Hängepartie und dem Überraschungs-Arokodare-Deal.

Diese alles andere als optimale Vorbereitung, in vielerlei Hinsicht gezwungenermaßen und ohne dass die Verantwortlichen daran etwas hätten ändern können, fordert nun Tribut. „Man merkt es bei den Automatismen“, bestätigte Heldt. „Die passen noch nicht. Wir müssen jetzt eine gute Balance finden.“ Der Sportchef beklagte die „zu hohe Fehlerquote“ und betonte, man sei sich bewusst, dass der Faktor Zeit nicht auf Seiten der Geißböcke sei. „Wir müssen akzeptieren, dass gerade in der Offensive noch nicht alles laufen kann. Wie soll das denn auch klappen, nachdem wir erst ein paar Tage zusammen trainiert haben?“

Der FC ist zweikampf-, kopfball- und laufstark

Horst Heldt forderte daher, die Mannschaft müsse sich nun erst einmal auf die Basics berufen. Einfache Pässe, wie sie in Bielefeld mehrfach nicht ihr Ziel fanden, sind keine Frage des Einspielens und der Taktik. Zweikämpfe und das Abstellen individueller Fehler sind Qualitäten, die jederzeit abgerufen werden können. Mut macht wieder der Blick in die Statistiken, denn zumindest in mancher Hinsicht zeigte der FC bislang gute Ansätze. Nur zwei Teams haben mehr Zweikämpfe in den ersten beiden Spielen gewonnen als der FC, kein Team ist besser bei Kopfbällen, die Geißböcke haben die fünftmeisten Kilometer zurückgelegt, die drittmeisten intensiven Läufe. Woran es hakt, sind die Abläufe in der Offensive und die Konzentrationsschwächen in der Defensive.

Null Punkte statt statistisch berechnete 3,55 Punkte

Dies zeigen wiederum die Statistiken, die seit Ende der vergangenen Saison in der Bundesliga angezeigt wird: die „expected goals“, eine Berechnung der Wahrscheinlichkeit, ob eine Torchance hätte zu einem Tor führen sollen. In keiner anderen Statistik wird das Kölner Drama deutlicher: Die Daten der Firma Amazon WebServices (AWS), die auf understat.com abgebildet werden, zeigen deutlich: Der FC hätte aufgrund der Qualität seiner Torchancen bereits 3,78 Tore in den zwei Spielen erzielen sollen, kam bislang aber nur auf zwei Treffer. Dagegen gestand man den Gegnern nur Torchancen im Wert von 3,07 Gegentoren zu, doch durch individuelle Fehler in der Defensive kassierten die Geißböcke bekanntlich bereits vier Gegentreffer. In Punkte übertragen, berechnete AWS, hätte der FC bereits 3,55 Punkte auf dem Konto haben müssen – liegt aber als eines von drei Teams mit null Zählern auf Platz 16.

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