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Gisdol sauer: „Wenn du dich so verhältst, spielt es keine Rolle“


Markus Gisdol gerät beim 1. FC Köln nach 13 nicht gewonnenen Spielen immer mehr unter Druck. Doch der Trainer der Geißböcke musste auch am Samstag wieder einmal mit ansehen, wie seine Spieler den Gegner zu Gegentoren einluden, taktische Vorgaben ignorierten und spielten, als sei das Duell gegen Borussia Mönchengladbach kein emotional aufgeladenes Derby, sondern ein Hobbykick unter Freunden. In letzter Konsequenz ist freilich der Trainer für die Auftritte seiner Mannschaft verantwortlich. Doch Gisdols Ärger tat dies keinen Abbruch.

Köln – Während am Sonntagvormittag in München der ehemalige Kölner Sportchef Armin Veh seinen Senf zum 1. FC Köln dazu geben und erklären durfte, warum der FC gerade so viele Probleme hat, musste in Köln Markus Gisdol mit seiner Mannschaft das Versagen vom Samstag aufarbeiten. Ironischerweise geht der schlechte Saisonstart in Teilen auch auf die Kappe Vehs, doch in Köln hat man den einstigen Meistertrainer wahrlich nicht als selbstkritische Person kennen gelernt, und so dürfte dieser gewisse Langzeit-Folgen seines Handelns kaum in Zusammenhang mit der aktuellen Kölner Lage gebracht haben.

Allerdings waren die konkreten Fehler vom Samstag auf dem Rasen nicht alleine die Folge dieser Langzeit-Probleme, wenngleich sie schon seit langer Zeit bestehen und immer wiederkommen. Markus Gisdol ärgerte sich nach der Partie über drei essentielle Fehler seiner Spieler und machte seinem Frust nach dem 1:3 auch Luft. Was den FC-Coach so sauer gemacht hatte?

1. Zweikampfverhalten

Borussia Mönchengladbach gewann 54 Prozent der Zweikämpfe am Samstag, der FC nur 46. Eine deutliche Zahl, ein deutlicher Unterschied, der die Gladbacher Dominanz noch deutlicher zum Tragen kommen ließ. „Du kannst mit Sechser- oder Achterkette spielen – wenn du so ein Zweikampfverhalten hast, spielt das keine Rolle“, schimpfte Gisdol hinterher. Seine Mannschaft hatte sich kurzum den Schneid abkaufen lassen, hatte körperlich nichts entgegen zu setzen, ließ sich gerade in Hälfte eins teilweise wie Schuljungen zur Seite schieben.

2. Individuelle Fehler

Was an die Zweikampfschwäche anschloss, waren die verlorenen Duelle, die das Spiel entschieden. Czichos, der Hofmann vor dem 0:1 in seinem Rücken weglaufen ließ. Jannes Horn, der Lainer beim Kopfball zum 0:2 nicht störte. Ehizibue, der wieder einmal einen Elfmeter verursachte, weil er in unangenehmer Regelmäßigkeit im eigenen Sechzehner mehr als ungeschickt in die Zweikämpfe geht. „Wir haben wieder einen unnötigen Elfmeter kassiert, das müssen wir abstellen. Da müssen wir vorsichtiger sein“, zeigte sich Gisdol unzufrieden mit bereits dem zweiten verursachten Strafstoß am dritten Spieltag.

3. Taktisches Versagen

Das größte Ärgernis jedoch war das taktische Totalversagen der Kölner Defensive beim 0:1. „Die ganze Woche haben wir das thematisiert, und dann bist du nach einem Schiedsrichterball nicht auf Sendung“, schüttelte Gisdol über die Kopie des Bielefelder Gegentores den Kopf. „Das ist nicht zu erklären. Du musst einfach nur das Tempo aufnehmen, dann passiert nichts. Das ist zu einfach.“ Jedoch war das Kölner Spiel taktisch grundsätzlich auf einem extrem schwachen Niveau, die Laufwege passten nicht, weshalb die Passquote mit gerade einmal 75 Prozent auf große Probleme im Spielaufbau hindeutete. Jeder vierte Pass landete beim Gegner – eine Quote, mit der man nur selten Spiele gewinnt. In nackten Zahlen war dieses Problem sogar noch dramatischer: Köln spielte 203 Pässe weniger als Gladbach (399 zu 602) – trotzdem kam Köln am Ende auf mehr (!) Fehlpässe (101 zu 96).

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