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Heldt: „Ich muss manchmal zu Lasten des Trainers agieren“


Der 1. FC Köln will seine Kaderplanung strategisch verändern. Das hat Sportchef Horst Heldt im Interview mit dem GEISSBLOG.KOELN betont. Dazu hätten sich Vorstand und Geschäftsführung der Geißböcke bekannt und deshalb in diesem Sommer bereits erste Schritte unternommen – auch zu kurzfristigen Lasten des Trainerteams um Markus Gisdol. Der zweiten Teil des großen GBK-Interviews mit dem FC-Sportchef (Teil 1 lest ihr hier). 

Das Interview führten Sonja Eich und Marc L. Merten

GBK: Herr Heldt, wie zufrieden sind Sie mit der abgelaufenen Transferperiode?

HORST HELDT:„Es hat sich bewahrheitet, dass sich unser Wunschszenario nicht umsetzen ließ. Wir brauchten den Dominostein – den Verkauf von Jhon Cordoba –, um neue Spieler verpflichten zu können. Anders wäre das nicht möglich gewesen. Wir waren gezwungen einen großen Transfer machen, um auf dem Transfermarkt überhaupt zu agieren.“

Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, die Kaderplanung zu verändern

Der FC musste eine zweistellige Millionensumme generieren?

Wir hatten keinen Spielraum. Wir mussten erst den Kader verkleinern. Das ist uns gut gelungen, wenn auch mit leichten Kopfschmerzen. Aber wir waren in diesem Fall vom Markt abhängig. Die Leute haben uns gefragt: Warum gebt ihr Terodde zu diesem Zeitpunkt ab? Aber der HSV wollte Simon genau in diesem Moment, später wäre der Klub wohl raus gewesen. Simon wollte es machen, wir mussten den Kader verkleinern und Geld einsparen. Deswegen mussten wir das zu diesem Zeitpunkt machen. Andererseits wussten wir schon länger, dass Jhon Cordoba wechseln wollte, und natürlich hätten wir den Verkauf gerne früher getätigt, aber auch da waren wir vom Markt abhängig.

Hätte der FC bei den großen finanziellen Sorgen die Cordoba-Millionen nicht behalten und nahezu ausschließlich auf Leihspieler gehen müssen, anstatt den gesamten Betrag wieder zu reinvestieren?

Das wäre auch eine Möglichkeit gewesen. Aber in den letzten zehn, fünfzehn Jahren ist hier in Köln immer wieder kritisiert worden, dass es keine strategische Kaderplanung gibt. Dass der FC immer nur im Hier und Jetzt und für den Augenblick Spieler verpflichtet hat. Wir, und damit meine ich Vorstand und Geschäftsführung, haben uns auf die Fahne geschrieben, das zu ändern. Wenn wir Spieler ausbilden und nach oben ziehen wollen, wenn wir ein Gerüst aufbauen wollen, dann können wir nicht nur mit Leihspielern arbeiten. Das funktioniert nicht. Dann müssen wir einen Mix finden. Neun neue Spieler sind gekommen, drei Rückkehrer, drei Leihspieler und drei fest verpflichtete Spieler.

Geht dieser Spieler bis zum Schluss für den FC durch die Betonwand?

Das bedeutet aber auch, dass der FC im Sommer auf dem Transfermarkt große Kompromisse eingehen musste.

Wenn man sich zu einer strategischen Kaderplanung bekennt, dann bedeutet das vielleicht auch, dass man als Sportchef manchmal kurzfristig zu Lasten des Trainers agieren muss. Denn der Trainer muss im Hier und Jetzt agieren, will mit der Mannschaft Ergebnisse erzielen. Auch deswegen haben wir keine Trainerdiskussion. Das ist keine kurzfristige Idee, sondern eine mindestens mittelfristige Ausrichtung.

Trotzdem zwingt die Corona-Pandemie den Klub zu kurzfristigen Lösungen. Hätte es da nicht auch eine strategische Entscheidung sein können, jetzt auf Leihspieler zu setzen, damit man keine langfristigen Verpflichtungen hat, sondern frei agieren kann, sobald die Krise vorüber ist?

Nur Leihspieler oder ablösefreie Spieler zu verpflichten, wäre auch eine Option gewesen. Das Problem bei ablösefreien Spielern ist, dass sie sich ihre Transfers vergolden lassen wollen. Und sie wollen Klarheit im Januar. Bei uns war zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht klar, ob wir weiterhin Bundesliga spielen. Das Problem bei Leihspielern kann sein, dass sie sich je nach Saisonverlauf irgendwann nicht mehr für den Klub interessieren, an den sie ausgeliehen sind. Ich muss mich also fragen: Geht dieser Spieler bis zum Schluss für den FC durch die Betonwand? Da muss man sehr vorsichtig sein.

Ich weiß gar nicht, wie viele Angebote wir abgebeben haben

Allerdings laufen 2021 mehrere große Spielerverträge aus. Wenn der FC jetzt im Sommer 2020 vornehmlich Leihspieler geholt hätte, um auf Biegen und Brechen die Klasse zu halten, hätte man 2021 einen großen Umbruch im Kader vornehmen können. Es wäre ein Überbrückungsjahr in der Krise geworden.

Das übergeordnete Ziel lautet immer, die Liga zu halten. Dafür brauchen wir aber eine konkurrenzfähige Mannschaft. Glauben Sie mir, wir haben als Cordoba-Ersatz über viele Spieler nachgedacht. Ich weiß gar nicht, wie viele Angebote wir für unterschiedliche Spieler abgebeben haben. Und überlegen Sie mal! Für Jhon brauchten wir einen Spieler mit großer Qualität. Den bekommt man aber nicht an jeder Straßenecke. In der Regel haben wir uns also für das Tafelsilber anderer Klubs interessiert. Und das Tafelsilber eines Klubs bekommst du nicht auf Leihbasis. Wir hätten unser Tafelsilber ja auch nicht auf Leihbasis abgegeben.

Heldt über Vertragsdetails bei Arokodare und Wolf

Bei Tolu Arokodare gibt es das Gerücht, der FC habe eine Kaufpflicht bei Klassenerhalt?

Es gibt keine Kaufpflicht, das ist falsch. Es ist ein Leihgeschäft mit Kaufoption.

Und bei Marius Wolf?

Bei Marius gibt es keine Kaufoption. Die wäre ohnehin unerreichbar gewesen. (lacht)

Inwieweit hat sich die Corona-Krise in den neuen Verträgen wiedergefunden?

Corona ist in allen Verträgen eingepreist, bei den Neuzugängen wie Ondrej Duda oder Dimi Limnios genauso wie bei den Abgängen von Simon Terodde oder Louis Schaub und bei den Vertragsverlängerungen wie mit Ismail Jakobs. Beispielsweise hätten wir unter normalen Umständen für Marius Wolf eine Leihgebühr zahlen müssen.


Teil 1 des großen GBK-Interviews mit Horst Heldt lest Ihr hier!

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