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Heldt spricht Klartext: Darum ist Gisdol der Richtige


Nach inzwischen 15 Bundesligaspielen ohne Sieg und nur zwei Punkten zum Saisonstart steht der 1. FC Köln unter Druck. Auch Horst Heldt ist mit der Punkteausbeute bislang alles andere als zufrieden. Warum es für den Geschäftsführer trotzdem keinen Grund gibt, an Markus Gisdol als Trainer zu zweifeln, erklärte der 50-jährige im ersten Teil des großen GBK-Interviews. 

Das Interview führten Sonja Eich und Marc L. Merten 

GBK: Herr Heldt, ganz geradeaus: Wie viele Spiele darf Markus Gisdol weiter nicht gewinnen?

HORST HELDT: „Darüber mache ich mir ehrlich gesagt keine Gedanken, weil das für mich nicht das entscheidende Kriterium ist.“

Wenn nicht die Ergebnisse das entscheidende Kriterium sind, was ist es dann?

Wir müssen andere Dinge erkennen oder nicht erkennen. Natürlich ist Fußball ein Ergebnissport. Aber das ist nicht das übergeordnete Kriterium. Wir haben den Vertrag mit Markus Gisdol nicht mit dem Blick auf die Vergangenheit verlängert. Mit den Schwierigkeiten, die der Verein in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren vor sich hat, brauchen wir einen geeigneten Trainer, der bereit ist, diesen Weg mitzugehen ohne ausschließlich auf seine eigene Reputation zu schauen. Aber natürlich möchte auch ich so schnell wie möglich Spiele gewinnen und Punkte einfahren. Mit zwei Punkten aus fünf Spielen sind wir nicht zufrieden.

Dann fliegt jeder raus

Es gibt also kein Ultimatum für Markus Gisdol?

Nochmal: Ich führe keine Trainerdiskussion. Und das nicht, weil es vielleicht blöd für mich aussähe, wenn ich nach der Vertragsverlängerung Abstand davon nehmen würde. Ich mache immer nur das, wovon ich absolut überzeugt bin. Wir wussten bei den Gesprächen, dass es ein schwieriger Weg für den 1. FC Köln werden würde, wenn es so weitergehen würde, wie es sich während Corona abgezeichnet hatte. Dafür brauchst du ein Trainerteam, das bereit ist, so einen Weg mitzugehen und so einen Abstiegskampf aushalten kann. Mich wundert, dass alle anderen sich wundern. Wenn ich erkennen würde, dass der Trainer nicht gut arbeitet, würde ich handeln. Aber dann fliegt jeder raus, egal, wie er heißt und ob das ein Spieler ist, der Trainer oder ob ich das bin. Jeder ist dazu verpflichtet, sein Bestes zu geben. Und das erkenne ich bei unserem Trainerteam.

Bei 15 Spielen ohne Sieg kommt diese Diskussion für Sie aber doch nicht unerwartet.

Grundsätzlich akzeptiere solch eine Diskussion, ich werde die Leute auch nicht davon abbringen, sie weiter zu führen. Und natürlich überprüfen wir uns selbst permanent. Aber es gibt auf der Faktenseite viele Argumente, warum wir die 15 Spiele ohne Sieg anders betrachten.

Welche sind das?

Alleine die Tatsache, dass wir jetzt eine ganz andere Mannschaft haben. Unsere Neuzugänge verspüren keinerlei Druck durch die nicht gewonnenen Spiele aus der letzten Saison. Natürlich nervt es mich, wenn wir nicht gewinnen, aber am Ende kommt es immer nur auf eines an: Erreichst du dein Ziel oder erreichst du es nicht. Und der 1. FC Köln hat dieses Ziel gemeinsam mit Markus Gisdol in der letzten Saison erreicht. Natürlich gibt es Themen, über die man diskutieren und die man kritisieren kann – wie zum Beispiel eine falsch gewählte Taktik. Das ist die Gegenwart, damit setze ich mich auseinander und darüber lasse ich auch gerne diskutieren.

Das beinhaltet negativen Stress

Dann machen wir das. Was macht Markus Gisdol denn gut? Was spricht für ihn?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben wir in dieser Saison Abstiegskampf vor uns. Das ist nervenaufreibend und intensiv. Das ist auch damit verbunden, dass man mehr Spiele verliert als gewinnt. Es wird schwierige Phasen geben, in denen du permanent Rückschläge erleidest. Darunter leidet dann auch das Selbstvertrauen. Das beinhaltet negativen Stress. Wenn man diesen nicht abschütteln kann, hat man gleich verloren. Aber Markus ist stressresistent. Er behält den Überblick, hat die Mannschaft im Griff, vernachlässigt dabei auch nicht die Einzelgespräche oder eine klare und eindeutige Analyse. Dabei ist er immer fakten- und lösungsorientiert. Er ist engagiert und als Teamplayer unterwegs. Wenn alle so arbeiten würden wie er, hätten wir mehr als zwei Punkte.

Was fehlt denn zu mehr Punkten?

Man darf nicht vergessen, dass wir im Sommer erst sehr spät auf dem Transfermarkt aktiv werden konnten. Das war für den Trainer nicht einfach. Wir alle hätten den Kader lieber schon früher in der Vorbereitung beisammen gehabt. Sebastian Andersson und Ondrej Duda kamen unmittelbar vor dem ersten Spieltag, Marius Wolf erst vor dem dritten Spieltag. Das waren Verpflichtungen auf strategisch wichtigen Positionen, weil Mark Uth und Jhon Cordoba nicht mehr da waren und Florian Kainz weggebrochen ist. Das darf man in der Bewertung der ersten Spiele nicht vergessen.

Im zweiten Teil des großen GBK-Interviews mit Horst Heldt lest ihr morgen das Transferfazit des FC-Geschäftsführers sowie die Analyse der finanziellen Situation. 

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