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Neue Saison-Unterbrechung? Keine Anzeichen und große Geldsorgen


Während in der Bundesliga über eine Neuverteilung der TV-Gelder ab der Saison 2021/22 und damit um eine Neuausrichtung des Liga-Wettbewerbs gestritten wird, müssen die Profiklubs in Deutschland erst einmal diese Saison 2020/21 überstehen. Viele Vereine sind in wirtschaftliche Schieflage geraten, so auch der 1. FC Köln, und fürchten daher aufgrund der Corona-Krise eine weitere Saisonunterbrechung, monatelang Geisterspiele oder gar einen vorzeitigen Abbruch der Spielzeit. Nach GBK-Informationen gibt es derzeit jedoch keine Anzeichen, dass es medizinische Gründe für einen radikalen Schnitt geben wird.  

Köln – Der Fußball malt mal wieder schwarz. „Auf tönernen Füßen“ stünde die Zukunft der Bundesliga, erklärte Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge jüngst dramatisch. Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz ergänzte: „Wenn die Saison nicht zu Ende gespielt werden könnte, wäre das für alle ein existenzielles Problem.“ Und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke mahnte: „Es ist klar, dass das in dieser Form wirtschaftlich nicht mehr ewig gut gehen kann.“

Was genau in dieser Form wirtschaftlich nicht mehr ewig gut gehen kann, erklärte freilich weder Watzke noch einer seiner Kollegen. Womöglich hat er die Millionen-Transfers gemeint, die die Bayern, Dortmund und Hertha auch in diesem Sommer trotz Corona und trotz allen Gejammers problemlos gestemmt haben. Womöglich hat er die Millionen-Gehälter gemeint, die die meisten Klubs auch in dieser Saison wieder nahezu ohne Corona-Abzüge zahlen und die den mit Abstand größten Teil aller Ausgaben eines Etats umfassen. Womöglich meinte er aber auch die fragwürdigen Geschäftsmodelle, mit denen sich so mancher Klub Saison für Saison durch die Spielzeiten hangelt.

Steht auch der FC finanziell auf tönernen Füßen?

Auch der 1. FC Köln hat in diesem Sommer finanziell einen Balanceakt hingelegt, und so mancher fragt sich, wieso die Geißböcke die Millionen aus dem Cordoba-Verkauf in mindestens gleicher Höhe wieder ausgegeben haben, anstatt sich auf Leihgeschäfte oder ablösefreie Spieler zu konzentrieren, wenn das Geld doch angeblich so knapp sein soll. Doch die Manager haben entschieden, nicht nur in Köln, sondern auch anderswo, und so müssen sich die Vereine nun bis zum nächsten Transferfenster mit dem Finanzkorsett bewegen, das sie sich selbst angelegt haben. Immer in der Hoffnung, dass nicht noch mehr Einnahmen wegfallen, beispielsweise durch Geisterspiele.

Der 1. FC Köln hat seine Basisplanung der Saison mit insgesamt vier Geister-Heimspielen (bis maximal 300 Zuschauer) aufgestellt. Nach GBK-Informationen kalkulierten Alexander Wehrle und die weiteren Verantwortlichen die restlichen 13 Heimspiele der Saison mit elf deutlich reduzierten Zuschauerbesuchen von 10.000 Fans sowie zwei Heimspiele mit zumindest halbwegs normalem Zuschaueraufkommen. Soweit die Basisplanung, der freilich die notwendige Worst-Case-Planung gegenüber steht, die die Deutsche Fußball Liga von allen Bundesliga-Klubs gefordert hatte – also die Finanzierung der Saison ohne jegliche Zuschauereinnahmen an allen 34 Spieltagen. Für diesen Fall, das ist inzwischen bekannt, müsste sich der FC in größerem Stile Fremdmittel von Banken oder Financiers besorgen, um die Saison durchzufinanzieren.

„Aktuell gehen wir davon aus, dass wir bis Weihnachten ohne Zuschauer spielen müssen“, sagte Alexander Wehrle auf GBK-Nachfrage. Das würde bedeuten, dass mindestens die ersten sieben Heimspiele der Saison und damit drei Heimspiele mehr als kalkuliert, ohne Zuschauer stattfinden würden. Ein größerer Verlust also als erhofft, geringfügig abgefangen durch jene Dauerkarten-Inhaber, die auf eine Erstattung verzichtet haben. Jedoch schwebt noch ein viel größeres Damoklesschwert über dem FC und der Liga, wie auch Sportchef Horst Heldt erklärte, nämlich ein erneuter Saison-Unterbrechung über mehrere Wochen ohne Spiele sowie das mögliche Szenario eines Saison-Abbruchs wie in anderen Ländern im Frühjahr geschehen.

Darum belasten wöchentlich 4000 Corona-Tests der Bundesliga die Labore nicht

Die Faustregel hierfür gilt: Sollte es in Deutschland zu Engpässen bei den Testungen auf das Coronavirus kommen, müsste der Fußball erneut pausieren. Der Grund: Aktuell gilt für den Profifußball nur deshalb eine Ausnahmeregel, weil dieser ein Hygiene- und Gesundheitskonzept vorlegen konnte, das auf regelmäßigen Tests der Spieler und Staff-Mitgliedern beruht. „Es gibt derzeit keine Hinweise von den Gesundheitsämtern, dass der Profifußball systemrelevante Tests wegnimmt“, sagte Wehrle am Dienstag dem GEISSBLOG.KOELN. „Wenn dies so kommen sollte, müsste der Fußball natürlich zurückstehen.“

Derzeit testet jeder Erst- und Zweitligist je nach Spielplan ein- bis zweimal pro Woche seine Spieler, Trainer und Verantwortlichen. Beim FC werden rund 60 Personen getestet. Pro Woche nehmen die 36 Profiklubs deutschlandweit also rund 4000 Tests in Anspruch. Was nach einer großen Menge klingt, ist in Wahrheit ein verschwind geringer Anteil. Großlabors wie in Köln die Laboratorien Dr. Wisplinghoff und Dr. Quade testen alleine in Köln pro Tag mehrere Tausend Menschen auf das Coronavirus.

Beitrag zur Normalisierung des Lebens unter Pandemie-Bedingungen

Der GEISSBLOG.KOELN fragte bei Dr. Annegret Quade nach, deren Labor auf der Aachener Straße bis zu 4000 Coronatests pro Tag durchführt und im Schichtbetrieb die große Anfrage über 24 Stunden hinweg bearbeitet. „Wir können diesen Umfang leisten und bauen seit Monaten immer weiter Kapazitäten auf“, sagte Dr. Quade. „Zuletzt haben uns die Anfragen der Reisewilligen, die von dem Beherbergungsverbot innerhalb Deutschland betroffen waren, viel Kapazität gekostet, aber wir können die Ergebnisse der Untersuchungen noch immer innerhalb von 24 Stunden liefern.“ Quade geht daher nicht davon aus, dass rund 4000 Bundesliga-Tests pro Woche über ganz Deutschland verteilt auf absehbare Zeit auch nur annähernd die systemrelevanten Tests gefährden werden. Vielmehr sehe man in der Erfüllung aller Anfragen auch einen gesellschaftlichen Auftrag. „Natürlich läuft das nicht von selbst und wir mussten Nachtschichten einrichten. Andererseits können wir als Labore auf diese Weise auch einen Beitrag zur Normalisierung des Lebens unter Pandemie-Bedingungen leisten.“

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