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Personelle Konsequenzen: Ellyes Skhiri als Verlierer?


Beim 1. FC Köln wird es personelle Konsequenzen aus den schwachen Auftritten der letzten Wochen geben. Das hat Trainer Markus Gisdol angekündigt. Die Achillesferse ist identifiziert: Im Mittelfeld-Zentrum, wo Jonas Hector weiter fehlen wird, ist der FC aktuell nicht Bundesliga-tauglich in Form. Gegen den FC Bayern München wird es wohl Ellyes Skhiri treffen. Ist die Lösung gar ein Bundesliga-Debütant?

Köln – Jonas Hector wird dem 1. FC Köln auf unbestimmte Zeit fehlen. Der ehemalige Nationalspieler trainiert nicht mit der Mannschaft, Trainer Markus Gisdol erwähnt den Ausfall des Kapitäns nur noch kurz. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Der Ausfall des defensiven Mittelfeldspielers wiegt so schwer, dass man beim FC am liebsten gar nicht darüber nachdenken möchte. Mit jedem Spiel, das Hector fehlt, wird deutlicher, wie wichtig der 30-jährige für die Geißböcke ist. Mit seiner Zweikampfstärke, mit seiner Ballsicherheit, mit seinem Spielverständnis. Zu ersetzen ist er beim FC von niemandem.

Und doch muss Gisdol dies nicht nur am Samstag, sondern wohl auch darüber hinaus tun. Die natürlichen Optionen lauten Ellyes Skhiri, Elvis Rexhbecaj, Marco Höger und Salih Özcan. Doch das Quartett hat Probleme. Skhiri ist in erschreckender Form, gegen Stuttgart nicht nur beim 0:1 gut zu beobachten. Rexhbecaj hat immer wieder lichte Momente, liefert sich aber ebenso regelmäßig Aussetzer oder Verschnaufpausen. Höger gilt nur noch als Spieler für ausgewählte Momente und Spiele, kaum jedoch mehr als Kandidat für die Startelf. Und Özcan? Mit dem Rückkehrer aus Kiel ist man bei den FC-Verantwortlichen noch nicht so zufrieden wie erhofft. Der 22-jährige leistete sich in der Vorbereitung wie gegen Hoffenheim Nachlässigkeiten in der Defensivarbeit. Gegen Frankfurt überzeugte er erstmals den Trainer. Doch daran muss er nun anknüpfen, zumal ihn Gisdol nicht als Sechser, sondern eher als Achter oder Zehner sieht.

Natürlich denke ich im Zentrum über personelle Veränderungen nach

Doch Gisdol muss etwas ändern, um mehr defensive Stabilität auf die Doppelsechs zu bringen – und das ausgerechnet gegen „die größte Aufgabe im Weltfußball“, wie der FC-Coach die Münchner Bayern bezeichnet. „Es gab in den letzten Spielen der Bayern unterschiedlichste Lösungsansätze der Gegner. Trotzdem haben die Bayern im Schnitt 4,5 Tore geschossen“, sagte Gisdol. „Wir müssen unseren Weg finden. Es gibt immer Überraschungen, und vielleicht gelingt uns eine solche.“ Dass dafür gerade das Zweikampfverhalten im Zentrum besser werden muss, ist kein Geheimnis. Der FC verlor zuletzt selbst die direkten Duelle, in denen die Spieler unmittelbar nahe an ihren Gegenspielern dran waren. Es fehlten Wille und Durchsetzungsstärke. Gegen die Bayern wäre das Fortsetzen dieser Schwächen fatal.

„Insbesondere im Zentrum ebnet das Zweikampfverhalten den Weg zu einem guten Spiel“, sagte Gisdol und kritisierte die bisherigen Spieler auf den entsprechenden Positionen. Ondrej Duda in der zentralen Offensive ist vieles, nur kein harter Zweikämpfer. Skhiri ist zwar läuferisch top, ließ sich in den letzten Wochen aber allzu häufig abkochen und in direkten Duellen zur Seite schieben. Und Rexhbecaj, ein Spielertyp, auf den Gisdol steht, konnte seine Einsätze bislang kaum rechtfertigen. „Natürlich denke ich deswegen im Zentrum über personelle Veränderungen nach“, gestand Gisdol am Donnerstag. Nur welche Alternativen hat er?

Özcan für Duda? Überrascht Gisdol mit Cestic?

Höger wäre gegen die schnellen Bayern wohl hoffnungslos unterlegen. Özcan könnte für Duda in die Startelf rücken, um die bayrischen Spielmacher früh unter Druck zu setzen und körperlich ebenbürtig zu sein. Doch es sieht danach aus, als ob Skhiri bei all seiner Laufstärke eine Pause bekommen wird. Sollte Rexhbecaj also auf seiner Position bleiben, müsste Gisdol einen positionsfremden Spieler auf der Sechs ausprobieren. Youngster Jens Castrop aus der U19 ist körperlich noch nicht weit genug. Georg Strauch aus der U21 trainierte in dieser Woche nicht mit den Profis, weshalb er nicht in Frage kommen wird. Benno Schmitz kennt die Rolle aus früheren Zeiten, ist aber am Sprunggelenk angeschlagen. Und so könnte Sava Cestic ein überraschender Kandidat werden. Der Innenverteidiger agierte bereits in der Vorbereitung der Profis mehrfach auf der Sechs, insbesondere im Trainingslager in Donaueschingen. Auch in dieser Woche probierte Gisdol den 19-jährigen dort aus. Von allen Innenverteidigern gilt der Youngster als die variabelste Wahl für die Rolle auf der Sechs. Doch würde Gisdol Cestic ausgerechnet gegen die Bayern zu dessen Bundesliga-Debüt verhelfen? Und dann auch noch von Beginn an und auf einer anderen Position?

Not macht erfinderisch. Und in Not sind die Geißböcke fraglos. Gisdol wird sich etwas einfallen lassen müssen. Doch selbst die beste Idee, das weiß man am Geißbockheim, würde es gegen diese Bayern aktuell sehr schwer machen auch nur in die Nähe eines Unentschiedens zu kommen.

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