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Als Gisdol seinen Spielern die Auswechslung verweigerte


Ob der 1. FC Köln am Ende des 9. Spieltags auf Rang 15 oder 16 stehen wird, spielt zu diesem Zeitpunkt nur eine untergeordnete Rolle. Der 2:1-Sieg über Borussia Dortmund könnte der Anfang einer anderen Saison gewesen sein, als diejenige, die der FC zuvor geboten hatte. In jedem Fall sitzt Markus Gisdol zunächst wieder sicherer im Sattel. Dazu wissen die Spieler wieder, wie es sich anfühlt, ein Bundesliga-Spiel zu gewinnen.

Geschichte des Spiels: Die Statistiken waren vorher bekannt. Als der 1. FC Köln letztmals in Dortmund gewann, war Helmut Kohl noch Kanzler und Maurice Banach hieß der umjubelte Doppel-Torschütze für den FC mit Horst Heldt im zentralen Mittelfeld neben Pierre Littbarski. Nun gewann der FC erneut, mit Ellyes Skhiri als Doppel-Torschütze und Horst Heldt als erleichterter Sportchef auf der Bank, der nun erst einmal keine Fragen mehr zu Trainer Markus Gisdol wird beantworten müssen.

Das Ergebnis: Das 2:1 bedeutete den ersten Sieg nach 18 Spielen, die Punkte vier bis sechs auf dem Konto, den Sprung auf Rang 15 oder 16 (je nach Ausgang des Mainzer Spiels gegen Hoffenheim) und den Anschluss an die Ränge im unteren Mittelfeld. Wie wichtig der Sieg tatsächlich sein wird, wird man erst in den nächsten Wochen sehen. Doch im Hier und Jetzt nimmt er ganze Steinbrüche von den Schultern aller beim FC – Verantwortliche, Trainer und Spieler am Geißbockheim.

Szene des Spiels: Man glaubt bei einem Spitzenteam wie Borussia Dortmund, dass ein Trick maximal einmal klappen kann. Aber warum eigentlich nicht zweimal? Der FC jedenfalls probierte es. Und das, obwohl mit Sebastian Andersson der kopfballstärkste Spieler im Team fehlte. Eckball auf den kurzen Pfosten, dort über den Scheitel in Richtung langen Pfosten rutschen lassen. Und da steht, wer sonst, Ellyes Skhiri. Was also in der 9. Minute geklappt hatte, funktionierte auch in der 60. Minute. Eigentlich Wahnsinn, aber an diesem Tag in Dortmund war nicht viel normal. Und so siegte der FC am Ende verdient.

Fehlschuss des Spiels: Als der BVB noch einmal alles nach vorne warf und Erling Haaland noch immer nicht getroffen hatte, zog der 16-jährige Youssoufa Moukoko aus halblinker Lage noch einmal ab. Es war die fünfte Minute der Nachspielzeit. Sein Schuss ging am Tor der Kölner vorbei. Doch nicht ins Toraus. Marco Reus erreichte die Kugel noch und brachte sie sofort wieder vor den Kölner Kasten. Dort stand Haaland. Keine drei Meter vor der Linie. Timo Horn war geschlagen. Doch der Norweger legte den Ball tatsächlich am langen Pfosten vorbei. Eine Chance, die Haaland normalerweise nachts um drei mit geschlossenen Augen gemacht hätte. Doch wie gesagt: An diesem Tag in Dortmund war nicht viel normal.

Zahl des Tages: Der 1. FC Köln lief 123,6 Kilometer, Borussia Dortmund nur 114,7 Kilometer. Unterschied: 8,9 Kilometer.

Zitat des Spiels: „Dieses Spiel war eine Schlacht. Mir haben Spieler in der 70. Minute signalisiert: ‚Ich kann nicht mehr. Können wir wechseln?‘ Aber ich habe gesagt: ‚Nein, wir wechseln nicht. Du beißt auf die Zähne, beißt dich da durch, und wenn du danach keinen Meter mehr laufen kannst, ist mir das völlig egal.‘ So haben die Spieler das angenommen, und dass du dann ein paar Kratzer aus der Schlacht mitnimmst, ist normal und gut. Selbst wenn es Verletzungen sind, die ein paar Tage dauern, ist das nicht schlimm. Das macht nichts aus.“ (Markus Gisdol)

Erkenntnis des Spiels: Der 1. FC Köln hat seine zwei besten Bundesliga-Spiele in dieser Saison gegen die beiden wohl besten Mannschaften gemacht: den FC Bayern und Borussia Dortmund. Beide Spiele hätten die Geißböcke gewinnen können, in beiden hätten sie mindestens ein Unentschieden verdient gehabt, am Ende waren es drei von möglichen sechs Punkten. Was die zweite dieser Leistungen über das wahre Vermögen dieser Mannschaft aussagt, wird man womöglich schon am nächsten Samstag gegen den VfL Wolfsburg sehen. Doch eines ist klar: Niemand spricht mehr über die Sieglos-Serie. Und erstmal wird auch niemand mehr über einen möglichen Trainerwechsel beim FC sprechen. Markus Gisdol hat den FC mit einer mutigen Aufstellung, der richtigen Taktik und vor allem mit einer Mannschaft aus dem Sumpf gezogen, die bereit war weit über die Schmerzgrenze hinaus zu gehen. Dafür gebührt allen Beteiligten Respekt.

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