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Gefangen im Hamsterrad – Heldt fordert Konsequenzen


Der 1. FC Köln findet aktuell keinen Ausweg aus seinem selbst geschaffenen Teufelskreis. Auch wenn Markus Gisdol mit Jorge Meré für Sebastiaan Bornauw eine Überraschung parat hatte, findet die Mannschaft keinen Weg, sich aus dem Hamsterrad der Sieglos-Serie zu befreien. Union Berlin zeigte beim 1:2 (1:1), warum sie den Geißböcken inzwischen um einiges voraus sind. Sportchef Horst Heldt fordert daher am Tag nach der Pleite personelle Konsequenzen. 

Geschichte des Spiels: Vor wenigen Jahren hätte man es kaum für möglich gehalten, aber Union Berlin verkörpert aktuell fast alles, wovon man am Geißbockheim nur träumen kann. 2019 stiegen die Köpenicker gemeinsam mit dem FC in die Bundesliga auf – und scheinen den Kölnern inzwischen bereits meilenweit enteilt. Mit Urs Fischer haben die Berliner einen Trainer, der es perfekt versteht, seine Mannschaft entsprechend ihrer Fähigkeiten auf- und einzustellen. Zudem bewies man im Sommer an der Alten Försterei den Mut, Leistungsträger wie Rafael Gikiewicz ziehen zu lassen und nicht ganz risikofreie Spieler wie Max Kruse zu verpflichten. Auch auf dem Platz sah man am Sonntagabend, warum die beiden Mannschaften in der Tabelle inzwischen schon zwölf (!) Punkte trennen: Union Berlin hatte die reifere Spielanlage, machte defensiv kaum Fehler und erarbeitete sich am Ende auch das verdiente Glück als Sieger vom Platz zu gehen.

Personalie des Spiels: Gegen Union Berlin scheute Markus Gisdol Veränderungen nicht. Erstmals ließ der 50-jährige in dieser Bundesliga-Saison Sebastiaan Bornauw aus Leistungsgründen auf der Bank und brachte stattdessen Jorge Meré in der Innenverteidigung. Gehörte der junge Belgier in der abgelaufenen Saison noch zu den absoluten Leistungsträgern, befindet sich der 21-jährige derzeit in einer Formkrise. In der laufenden Saison verschuldete Bornauw bereits zwei Elfmeter. Und auch in den vergangenen Länderspielpausen konnte sich der Nationalspieler nach zwei individuellen Fehlern, die jeweils zum Gegentor führten, kein Selbstvertrauen holen. Dass Gisdol dann allerdings Meré seine ersten Bundesliga-Minuten in dieser Saison verschaffte, überraschte insbesondere nach dem schwachen Testspiel-Auftritt des Spaniers gegen Bochum. Gisdol ging mit dem spielerisch stärkeren, aber weniger robusten Abwehrspieler durchaus ein Risiko ein, wurde aber durch einen soliden Auftritt von Meré am Ende zumindest nicht dafür bestraft.

Duell des Spiels: Das Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Union Berlin hätte am Sonntag durch das private Duell zwischen Ellyes Skhiri und Max Kruse zugunsten der Geißböcke entschieden werden können. Denn der Kölner verfolgte seinen Gegenspieler auf Schritt und Tritt, lief als strenger Manndecker immer hinter dem Unioner Unterschiedsspieler hinterher und schaffte es über 90 Minuten, den Offensivspieler komplett aus dem Spiel zu nehmen. Kruse kam im gesamten Spiel nur auf 28 Ballkontakte und wies eine unterirdische Zweikampfbilanz von nur zwölf Prozent auf. So hätte der FC die Eisernen knacken können, hätte man selbst fußballerisch etwas auf den Rasen gebracht. Dass der ehemalige Gladbacher am Ende trotzdem zum Matchwinner für die Berliner wurde, daran konnte selbst Skhiri nichts mehr ändern. Denn beim von Salih Özcan verursachten Elfmeter und damit der einzigen Gelegenheit, in der sich Kruse ohne Skhiri an den Hacken bewegen konnte, behielt der Angreifer im Nachschuss einen kühlen Kopf. Und selbst da wäre Skhiri nach dem vergebenen Schuss aus elf Metern fast noch hinterher gekommen.

Zitat des Spiels: „Ich bin verärgert, weil sich Dinge wiederholen, wir nicht konsequent genug agieren und Gegentore herschenken. Wir müssen uns jetzt die Leute suchen, die bereit sind konsequenter zu handeln. Das wird die Aufgabe der Woche sein. Danach müssen wir filtern.“ (Horst Heldt)

Die unerzählte Geschichte des Spiels: Die Zuschauer an den Fernsehgeräten dürften am Sonntagabend ihren Ohren nicht so recht getraut haben, als mit Beginn des Spiels leise Fangesänge durch das RheinEnergieStadion hallten. Doch der Grund dafür war nicht etwa eine Ansammlung von Anhängern vor den Stadiontoren. Vielmehr hatten zwei Fans eine kreative Idee, indem sie vor der Südkurve eine Musikbox mit alten Fan-Gesängen aufstellten und diese in voller Lautstärke abspielten. Zumindest auf seine treuen Fans kann sich der FC auch in schwierigen Zeiten verlassen.

Erkenntnis des Spiels: Weiter über die inzwischen 18 Spiele andauernde Siegslos-Serie zu sprechen, macht angesichts der aktuellen Form der Geißböcke nur noch wenig Sinn. Sollte sich auf dem Platz in kürzester Zeit nichts ändern, droht diese Serie bis Weihnachten sich fortzusetzen. Es macht den Anschein, und das sprechen auch die Spieler inzwischen an, als wäre der FC in einem Hamsterrad gefangen: Ohne Selbstvertrauen keine Siege – aber ohne Siege kein Selbstvertrauen. Im Moment scheint Markus Gisdol mit seiner Mannschaft keinen Ausweg aus diesem Teufelskreis zu finden.

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