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Warnzeichen für Gisdol: Glauben die Spieler noch an sich?


Der Trainer des 1. FC Köln moniert eine zu brave und schlecht kommunizierende Mannschaft. Dabei muss ein Trainer auch nach solchen Qualitäten eine Mannschaft zusammenstellen und vom Sportchef auf dem Transfermarkt dabei unterstützt werden. Wie die FC-Profis allerdings nach der Pleite gegen Union Berlin öffentlich kommunizierten, darf als Warnsignal für den FC, speziell für Markus Gisdol verstanden werden. Wie lange folgen die Spieler noch ihrem Trainerteam?

Köln – Horst Heldt wollte seinem Trainer bestimmt nicht widersprechen, als er am Montag erklärte: „Wir müssen weniger reden und mehr machen.“ Damit meinte der Sportchef wohl, dass der leeren Worte der letzten Wochen keine Taten gefolgt waren. Kurzum: Durchhalteparolen kann der Klub nicht mehr gebrauchen. Es müssen endlich Ergebnisse erzielt werden. Doch eine gewisse Ironie konnte man Heldts Worten nicht absprechen, denn tags zuvor hatte Markus Gisdol nach dem 1:2 gegen Union Berlin noch moniert: „Wir kommunizieren zu wenig. Wir sind zu leise auf dem Platz.“

Kommunikation muss Teil der Kaderplanung sein

Die Marschroute muss beim 1. FC Köln also heißen: Klappe halten neben dem Platz, Klappe und vor allem den Allerwertesten aufreißen auf dem Platz. Jedoch darf es durchaus erstaunen, wenn Markus Gisdol und Horst Heldt als eines der Probleme der Mannschaft identifiziert haben, dass die Spieler auf dem Feld zu wenig reden, zu leise sind, zu still, zu introvertiert. Das ist durchaus eine Qualität, die man bei einer Kaderplanung einkalkulieren kann. Wenn man mit Spielern wie Noah Katterbach, Ismail Jakobs oder Ellyes Skhiri in der Startelf plant, weiß man, dass das Trio nicht zu den Lautsprechern gehören wird. Timo Horn ist ebenfalls nicht dafür bekannt, einer der lautstarken Dirigenten aus seinem Tor heraus zu sein. Wenn man dann auch noch Ondrej Duda und Sebastian Andersson verpflichtet, zwei absolute Schweiger auf dem Feld, muss man sich nicht wundern, dass der 1. FC Köln ein Kommunikationsproblem hat. Die verbale Kompetenz darf also durchaus Teil der Kaderplanung sein, war es in diesem Sommer aber offensichtlich nicht.

Es sind also hausgemachte Probleme, mit denen sich der FC jetzt herumärgern muss. Wenn man nur darauf setzt, dass Jonas Hector die Mannschaft auf dem Feld dirigiert, dann ist das zu wenig. Vor allem dann, wenn der Kapitän ausfällt. Da hilft es auch nichts, wenn der Ex-Nationalspieler vor dem Spiel – wie am Sonntag gegen Union – mit in der Kabine ist. Auf dem Feld fehlt der Taktgeber. Auch deswegen ist der Abgang von Mark Uth so schmerzhaft und bislang in keiner Sekunde aufgefangen, denn Uth ging auch verbal voran. Gisdol beklagte am Sonntag die fehlenden Typen, das fehlende Feuer. „Wir sind zu brav.“ Einer der wenigen Lautsprecher auf dem Rasen ist derzeit Rafael Czichos, doch der steht derart neben sich, dass er gegen Union beide Gegentore verschuldete und nun ernsthaft um seinen Stammplatz bangen muss.

Man wird sehen, wie lange die Mannschaft ohne Ergebnisse intakt bleibt

Wenn eine Mannschaft nicht kommuniziert, sich nicht hilft, sich nicht coacht, dann ist das aber auch ein Hinweis darauf, dass es womöglich innerhalb der Truppe nicht stimmt. Etwas, das man beim FC öffentlich kategorisch ausschließt. Doch es war Fehlerteufel Czichos, der am Sonntag den Finger in die Wunde legte und fragte, wann die Endlos-Sieglos-Serie auch dem Teamgeist schaden wird. „Man wird sehen, wie lange die Mannschaft ohne Ergebnisse intakt bleibt“, sagte der Innenverteidiger und sprach damit erstmals aus, was viele Beobachter schon länger anzweifeln. Wie lange folgen die Spieler noch einem Trainerteam, wenn Woche für Woche die Vorgaben nicht zum erhofften Ergebnis führen – eigenes Versagen der Spieler hin oder her. Die FC-Profis müssten schon überaus selbstkritisch sein, wenn sie sich eingestünden, dass das nun schon seit März vorherrschende Nicht-Gewinnen vornehmlich an ihnen liegt und nicht am Trainerteam.

Wie lange also bleibt das Konstrukt noch stabil, sodass ein Sieg überhaupt noch möglich ist? Timo Horn forderte genau diesen Zusammenhalt. „Wenn wir selbst nicht an uns glauben, wer dann?“ Aktuell sind es nur wenige Beobachter rund um den FC, die bei dem Restprogramm vor Weihnachten (Dortmund, Wolfsburg, Mainz, Leverkusen, Leipzig) noch an die Wende glauben. Diesen Glauben müssen die Spieler selbst erzeugen, zusammen mit dem Trainer. Dafür müssen sie reden. In der Kabine, auf dem Trainingsplatz, vor allem aber auf dem Spielfeld, wenn es in den 90 Minuten um die Punkte geht. Doch für Gisdol müssen die Aussagen von Czichos und Horn genauso wie jene von Heldt ein Warnsignal sein. Nicht nur, was seine eigene Zukunft beim FC betrifft, sondern auch hinsichtlich der Aufgabe, die weiterhin über allem steht: endlich wieder gewinnen. Es gibt wohl kaum eine größere Aufgabe, denn am Samstag muss der FC zu Borussia Dortmund.

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