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Ist der FC gar nicht so schlecht, wie es scheint?


So gewagt diese Aussage nach 17 sieglosen Spielen klingt: Der 1. FC Köln befindet sich womöglich auf dem Wege der Besserung. Die Betonung liegt auf dem Wort „womöglich“. Die Anzeichen mehren sich, und das, obwohl der Kölner Offensivvortrag beim 1:1 in Bremen ungenügend und nicht ansatzweise Bundesliga-tauglich war. Doch nach der Länderspielpause wird es über Monate hinweg keine Unterbrechungen mehr geben. Dann muss der FC ins Rollen kommen. Das ist alternativlos. 

Eine kommentierende Analyse von Marc L. Merten

Es bleibt dabei: Auch diese Länderspielpause wird für den FC ein herber zeitlicher Verlust sein. Mit Limnios, Duda, Özcan, Jakobs und Skhiri fehlen dem FC erneut jene fünf Nationalspieler, die exakt in dieser Formation gegen den FC Bayern das gesamte FC-Mittelfeld gebildet hatten. In Bremen hatte lediglich Drexler Skhiri ersetzt. Das Fehlen dieser Spieler im Trainingsbetrieb wiegt schwer. Denn wieder einmal werden zehn Tage vergehen, in denen sich der FC nicht wird einspielen können.

Bis Mitte März jede Woche mindestens ein Spiel

Diese Bedingungen sind keine Alibis, sie sind die Realität. Doch sie gehören bald der Vergangenheit an. Ab dem nächsten Spieltag, dem Heimspiel gegen Union Berlin, wird den FC nichts mehr in seiner Arbeit stören oder unterbrechen. Bis Mitte März (!) wird es in jeder Woche mindestens ein Pflichtspiel geben. Woche für Woche, Schlag auf Schlag, auch direkt vor Weihnachten und nach Silvester durch die wegfallende Winterpause. Zack, zack, zack – Trainingswoche, Spiel, Trainingswoche, Spiel. Dann will, dann muss der FC ins Rollen kommen. Dann muss sich zeigen, ob Horst Heldt richtig liegt mit seinem Glauben an Markus Gisdol und die Mannschaft.

Defensive nicht so schlecht wie sie scheint

Anzeichen dafür gibt es. Die Fitness (Laufleistung, Sprints, intensive Läufe) wurde bereits mehrfach hervorgehoben und stimmte auch in Bremen wieder. Vor allem aber macht die viel kritisierte Defensive Hoffnung. Denn: Kölns zwölf Gegentore sind in der unteren Tabellenhälfte hinter dem FC Augsburg (zehn Gegentreffer, Tabellen-10.) der zweitbeste Wert. Macht man sich zudem klar, dass der FC bekanntlich fünf dieser zwölf Gegentore durch Elfmeter kassiert hat und eines nach einem Eckball (gegen Gladbach), kann man konstatieren: Sechs Gegentreffer aus dem Spiel heraus sind nach sieben Spielen für den FC ein überzeugender Wert. Eine Standardschwäche gibt es auch nicht – und so bleibt: Wenn der FC diese absurde Elfmeter-Serie durchbrechen kann, stehen die Chancen für bessere Ergebnisse gut.

Hoffnungsschimmer in der Offensive

Die Kritiker mögen entgegen halten: Was hilft eine halbwegs stabile Defensive, wenn vorne nicht einmal der liebe Gott hilft? Womit wir wieder bei den Länderspielpausen, Unterbrechungen und späten Transfers wären, die schon so häufig thematisiert wurden. Auch hier zwei Zahlen, die zeigen, worum es in den nächsten Wochen gehen wird: Der FC hat eine durchaus überzeugende Chancenverwertung in dieser Saison. Sie liegt laut kicker bei 30,4 Prozent. Damit rangiert der FC in der Liga auf Rang acht. Gar nicht mal so schlecht. Das Problem ist daher offensichtlich: Mit gerade einmal 23 herausgespielten Chancen in sieben Spielen lässt sich kein Blumentopf gewinnen. Nur Bielefeld und Schalke haben weniger Chancen herausgespielt, Mainz genauso viele wie Köln. Ein Blick auf die Tabelle zeigt wenig überraschend genau diese vier Mannschaften am Tabellenende.

Oberstes Ziel: Rhythmus finden!

Der 1. FC Köln wird in den kommenden Wochen also mehrere Theorien beweisen müssen, auf denen die Hoffnungen der Verantwortlichen fußen: Erstens muss die Defensive weiter so stabil agieren wie bislang, dabei aber die Elfmeter-Absurditäten abstellen. Zweitens muss Markus Gisdol seiner Mannschaft vermitteln, wie sich seine Spieler deutlich mehr Torchancen als bislang herausspielen können. Und drittens müssen die Geißböcke ihren körperlichen Aufwand auf dem Niveau halten, mit dem sie die Spiele bislang bestreiten. Ab dem 8. Spieltag bekommt der FC die Chance dazu. Es ist die Chance, einen Rhythmus zu finden – ohne Abstellungen zu Nationalmannschaften und Unterbrechungen im Spielplan. Diese Chance müssen die Geißböcke ergreifen.

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