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Kölns Weg zurück: Weniger Ballbesitz, mehr Erfolg?


Am 4. November 2013 lief der 1. FC Köln erstmals in seiner Vereinsgeschichte mit einem Karnevalstrikot auf. Gegner war der 1. FC Union Berlin. Die Geißböcke siegten mit 4:0. Danach folgte nur noch ein Sieg in fünf weiteren Begegnungen der Geißböcke gegen die Eisernen. Am Sonntag soll es endlich wieder klappen. Wieder im Karnevalstrikot – nur mit welcher Taktik?

Köln – Marcel Risse mit einem Doppelpack, Yannick Gerhardt und Jonas Hector mit seinem ersten Tor für den 1. FC Köln trafen vor sieben Jahren. Bis dahin war der FC das dominierende Team dieser noch jungen Begegnung in der Zweiten Liga und heute Bundesliga gewesen. 2002/03 hatten die Geißböcke erstmals die Unioner in Müngersdorf empfangen – und mit 7:0 aus dem Stadion gefegt. Eine Dominanz, die in den folgenden Jahren bestehen blieb: sechs Spiele, fünf Siege. Doch seit vier Spielen geht praktisch nichts mehr. Ein Punkt, danach drei Niederlagen – die letzten beiden Pleiten in der vergangenen Saison waren verdient, Union war jeweils eine Klasse besser.

Unions Aufstieg: Fischer erinnert an Stöger

Union hat eine erstaunliche Wandlung hinter sich. Vor 15 Jahren waren die Köpenicker sogar noch einmal aus der Zweiten Liga bis in die Oberliga abgestiegen. Seitdem ging es über die Regionalliga, Dritte und Zweite Liga bis in die Bundesliga. Und es scheint, als habe Union den 1. FC Köln zunächst einmal überholt. Der Arbeiterklub mit seinem Kult-Stadion an der Alten Försterei lebt den Traum des Underdogs, den einst der FC St. Pauli so kultiviert hatte. Die Hauptstädter jedoch haben die Paulianer vom Millerntor als Attraktion in der Bundesliga abgelöst – und sie sind dabei sich auf beeindruckende Weise zu etablieren. Mit einfachem Fußball, mit Kampf, aber auch mit dem Mut zu mitunter verrückten Entscheidungen wie der Verpflichtung von Max Kruse oder, wohl noch viel wichtiger, Urs Fischer, einem Schweizer Erfolgstrainer, der perfekt zum Klub passt und in seiner Art ein wenig an die einstige Symbiose zwischen dem FC und Peter Stöger erinnert.

Diese erfolgreiche Verbindung muss der 1. FC Köln am Sonntag stören. Markus Gisdol und seine Mannschaft wollen schließlich den unglaublichen Negativlauf durchbrechen und wieder ein Bundesliga-Spiel gewinnen. Die Favoritenrolle scheint klar verteilt, doch ganz und gar nicht so wie vor 18 Jahren, als der FC die Eisernen mit 7:0 demütigte. Im Gegenteil: Wer den 1. FSV Mainz 05 mit 4:0 und Arminia Bielefeld mit 5:0 abschießt sowie gar bei 1899 Hoffenheim mit 3:1 gewinnt und überdies seit sechs Spielen ungeschlagen ist, ist gegen den 1. FC Köln im November 2020 der klare Favorit.

Bremen-Gruselkick: Beginn einer Rückkehr?

Gut möglich, dass den Geißböcken das gar nicht so unrecht ist. Denn der FC mochte es in der erfolgreichen Zeit unter Gisdol zwischen Dezember 2019 und März 2020 durchaus, nicht der Favorit zu sein und nicht so auftreten zu müssen. Es gab damals ein klares Konzept: Der FC überließ dem Gegner den Ball, stand defensiv stabil und setzte auf schnelle Konter. Die Siege über Leverkusen (2:0), Schalke (3:0), Hertha (5:0) und Freiburg (4:0) gehörten zum Besten, was man vom FC seit langem gesehen hatte. Was alle vier Spiele miteinander verband: extrem geringer Ballbesitz von unter 40 Prozent. War das Spiel des FC vor zwei Wochen in Bremen ein erster Schritt zurück in diese Richtung? Der FC kam beim SV Werder auf gerade einmal 33 Prozent Ballbesitz. Zwar gehörten diese 90 Minuten definitiv zu dem Schaurigsten, was man vom FC in den letzten Jahren gesehen hat. Doch Markus Gisdol wollte den FC vor allem defensiv stabilisieren. Mit Erfolg: Köln ließ bis zum wahnwitzigen Elfmeter-Ausgleich praktisch nichts zu.

Gisdol scheint also wieder zurückfinden zu wollen zum Erfolgskonzept aus der letzten Saison. Wenig Ballbesitz, große defensive Stabilität, wenig Räume für den Gegner und schnelle Angriffe bei Ballgewinn. Dass letzteres, also der Vortrag nach Ballgewinnen, in Bremen und auch in den Vorwochen praktisch nie klappte, lag an der extrem schwachen Passquote von unter 80 Prozent und an den noch immer nicht automatisierten Laufwegen. Das soll, sagt Gisdol, nun von Spiel zu Spiel besser werden. Das muss es auch, denn auch das war eine der Kölner Stärken, ohne die die Geißböcke Mannschaften wie Leverkusen, Schalke oder Freiburg nicht derart hätten auseinander spielen können. Gegen Union Berlin werden die Kölner zeigen müssen, dass sie in ihrer taktischen Entwicklung einen Schritt nach vorne gemacht haben, indem sie sich wieder auf alte Qualitäten besinnen. Es muss ja kein 4:0 werden wie beim Sieg über Union im Karnevalstrikot. Ein 2:1-Sieg wie beim überhaupt letzten Sieg der Geißböcke gegen die Eisernen im April 2014 würde reichen. Die beiden Tore damals erzielte übrigens ein gewisser Patrick Helmes. Ja, so lange ist das schon her.

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