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In der GeißbockAkademie: Zehn Talente zwischen Schule und Profi-Traum


Was vor zwanzig Jahren in der über die Grenzen Kölns hinaus bekannten „Hütte“ vor Platz 7 im Rhein Energie Sportpark begann, ist heute Vorbild für viele andere Bundesligavereine in Deutschland. Aus der ehrenamtlich organisierten Hausaufgabenbetreuung zwischen Bratwurst und belegten Brötchen für die FC-Talente (auch Lukas Podolski hat hier vor 18 Jahren Vokabeln gepaukt) entwickelte sich ein Konzept, das eine kombinierte sportliche und schulische Förderung ermöglicht: heute bekannt unter dem Namen GeißbockAkademie des 1. FC Köln.

Von Lars Tetzlaff

Köln – Für den Außenstehenden ist es vermeintlich einfach: Die Nachwuchsarbeit des 1. FC Köln muss das Ziel haben, am Ball talentierte Kinder und Jugendliche auszubilden, um sie über die Jahre möglichst nahe an den Profikader heranzuführen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Einem Verein muss es bei der Ausbildung von jungen Talenten auch darum gehen, sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu begleiten. So sollen die Jugendlichen beim FC so ausgebildet werden, dass sie nicht nur mit dem Ball am Fuß umzugehen wissen. Die schulische bzw. berufliche Laufbahn muss parallel zur fußballerischen Ausbildung ebenso erfolgen, um den höchstmöglichen Bildungsabschluss zu erreichen. Schließlich schafft es nur ein Bruchteil der Talente, die jahrelang in einem NLZ spielen, in den Profifußball.

Dass eine gute Bildung auch für die Entwicklung der besten Talente förderlich ist, betont Beate Weisbarth, die Leiterin der GeißbockAkademie: „Junge Menschen müssen geführt und begleitet werden. Und gerade Fußballer benötigen im modernen Fußball eine hohe Auffassungsgabe, die Bereitschaft sich weiterzuentwickeln, Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, Disziplin und Zielstrebigkeit. Das gilt auch schon für unsere 15 oder 16 Jahre alten FC-Talente, die auf dem Weg zum Profi sind. In diesem Alter begründet sich die Notwendigkeit einer engen Verzahnung von Schule und Ausbildung zum Profi von ganz alleine.“

Ein starkes Netzwerk

Von besonderer Bedeutung ist dabei das Sportinternat Köln, der Lebensmittelpunkt der meisten Fußballer in der GeißbockAkademie. Darüber hinaus arbeitet die Nachwuchsabteilung des 1. FC Köln eng mit dem Verbund der NRW Sportschulen in Köln, den sogenannten Eliteschulen des Fußballs in Köln und diversen Partnerschulen zusammen. Dabei kooperieren Schule und Verein mit Trainern, Lehrern, Schulleitung, Eltern, Spielern und Geschäftsleitung. So geht es beispielsweise darum, die Teilnahme am Vormittagstraining oder die Freistellungen für Verbands- und DFB-Einsätze bzw. zu Auswahlmaßnahmen zu ermöglichen. Auch anstehende Klassenarbeiten werden gegebenenfalls mit sportlichen Terminen abgeglichen. In der GeißbockAkademie erhalten die Talente nach Schulschluss dann nicht nur ein sportlergerechtes Mittagessen, sondern auch die Möglichkeit, an einer Hausaufgabenbetreuung teilzunehmen, bevor es zum Nachmittagstraining geht.

„Unser Fokus liegt auf einer individuellen Förderung der jungen Menschen – entsprechend ihrer ganz eigenen Stärken und Schwächen. Dafür stehen uns 17 hochqualifizierte Lehrer und Lehrerinnen aus den unterschiedlichsten Schulformen zur Verfügung. Sie sind fast rund um die Uhr erreichbar, um auf die individuellen Zeitpläne der Schüler einzugehen“, sagt Weisbarth. Die Akademie ist täglich von 13 bis 17 Uhr geöffnet, abends und auch am Wochenende gibt es bei Bedarf die Möglichkeit zum Online-Unterricht. „Unser Konzept und das Zusammenspiel mit unseren Partnern in den Schulen ist in Deutschland schon zu einer Marke geworden“, findet Weisbarth. „Das sehen auch die anderen Bundesligavereine, der DFB und die DFL so. Das macht uns alle zusammen ein Stück weit stolz. Trotzdem müssen wir uns auch immer wieder selbst hinterfragen, weiterentwickeln und neue Konzepte etablieren.“

Neues Projekt eröffnet neue Möglichkeiten

Zuletzt hat der 1. FC Köln mit der Cologne International School eine neue Partnerschule gewonnen. Die Kooperation soll die Möglichkeiten erweitern, die FC-Talente sportlich und schulisch noch individueller zu fördern. „Im Leistungssport wird immer viel von Belastungssteuerung gesprochen. Darauf müssen wir auch in Sachen Bildung reagieren. Klar, wir können den Tag nicht länger als 24 Stunden machen, aber wir können das Zeitmanagement zur Förderung der Spieler optimieren und individualisieren“, erklärt Weisbarth. Das Zauberwort heißt „Blended Learning“, wobei Präsenzveranstaltungen und digitales Lernen kombiniert werden. Eine Idee, die beim FC schon lange vor der Corona-Pandemie implementiert wurde. Die Lern- und Trainingspläne sind dabei so aufeinander abgestimmt, dass das Streamen des Unterrichts zeitliche Ressourcen schafft. Die FC-Nachwuchsspieler profitieren von kleinen Lerngruppen, von mehrsprachigem Unterricht und der technischen Ausstattung der Schule.

Derzeit besuchen zehn Talente des 1. FC Köln die Internationale Friedensschule Köln. Aus der U19 sind Jens Castrop, Justin Diehl und Vladimir Fratea dabei, aus der U17 Nicolas Bajlicz, Ben Dennerlein und Mike Dreier. Aus der U16 gehören Marlon Becker, Malte Höhn, Jakob Krautkrämer und Marlon Monning dazu. Auch Carsten Schiel, Leiter des FC-Nachwuchsleistungszentrums, betont: „Wir haben eine große Verantwortung für unsere Nachwuchsspieler und möchten, dass sich unsere Talente ein zweites Standbein aufbauen. Dazu zählt auch eine Basis durch Schule, Ausbildung oder Studium zu bieten, falls die Fußballkarriere ins Stocken geraten sollte oder der Traum vom Profifußball aus welchen Gründen auch immer zerplatzt.“

Morgen lest ihr im zweiten Teil der Nachwuchs-Serie des GEISSBLOG.KOELN das ausführliche Interview mit Beate Weisbarth, der Leiterin der GeißbockAkademie.

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