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Gisdol muss offensiv liefern – Czichos‘ unglückliches Comeback


Das 0:1 des 1. FC Köln gegen den FC Augsburg war ein herber Rückschlag für die Geißböcke. Defensiv besiegte sich die Mannschaft selbst, offensiv legte sie einen Offenbarungseid ab. Nach erfolgreichen Spielen vor Weihnachten hätte man es den Geißböcken (und sich selbst als Zuschauer) gewünscht, einen selbstbewussten Auftritt des FC zu sehen. Stattdessen bestätigte Köln seinen Ruf als schlechtestes Heimteam der Liga.

Aus Müngersdorf berichtet Sonja Eich

Geschichte des Spiels: Markus Gisdol dürfte wissen, dass diese Niederlage auch auf sein Konto geht. Der 1. FC Köln trainiert nun nach allen lange erzählten Hindernissen aus dem Saisonstart seit sieben Wochen ohne längere Unterbrechungen und ohne größere Verletzungsprobleme (Andersson ausgenommen). Defensiv hat der FC in dieser Zeit eine merkliche Entwicklung hingelegt, auch taktisch. Das ist dem FC-Coach nicht abzusprechen. Doch der erneut offensiv kaum anzusehende Vortrag seiner Mannschaft war erschütternd. Spielerisch scheint sich die Mannschaft kaum weiterzuentwickeln. Die fußballerischen Mittel beschränken sich auf Standards und Ideen von Ondrej Duda. Das ist viel zu wenig fünf Monate nach Beginn der Vorbereitung im Sommer. Gisdol muss nach den defensiven Justierungen und der neuen taktischen Variabilität nun zeigen, dass er seinem Team auch offensiv etwas beibringen kann. Das 0:1 gegen Augsburg war in dieser Hinsicht eine einzige Enttäuschung.

Das Ergebnis: Wieder kein Heimsieg, nicht einmal annähernd. Im achten Spiel in Müngersdorf die sechste Niederlage. Weiter nur zwei Punkte vor den leeren Tribünen zuhause. Kein anderes Team hat eine schlechtere Heimbilanz. Das 0:1 sprach Bände für alles, was dem FC in dieser Saison bislang nicht gelingen will.

Szene des Spiels: Als weder Ellyes Skhiri noch Noah Katterbach in der 77. Minute den Ball an der Seitenlinie gewinnen konnten, rückte Rafael Czichos raus. Er ließ sich mit einer einfachen Bewegung aus der Position ziehen, verließ seinen Posten als Absicherung im Rücken des Duos. Statt den Gegner in ungefährlicher Position an der Seitenlinie zu behalten, öffnete Czichos hinter sich den Raum, den Niederlechner anschließend für seine Flanke auf Iago nutzte. Zwar ließ sich auch Katterbach abkochen wie ein Schuljunge, doch der deutlich erfahrenere Czichos hätte sich nicht derart einfach aus dem Spiel nehmen lassen dürfen. Schon zuvor hatte der Innenverteidiger gewackelt, so resultierte das zweite abgepfiffene Niederlechner-Abseitstor aus einem Luftloch des 30-jährigen. Das Gegentor hatte zu viele Schuldige, als dass es fair wäre, Czichos zum Sündenbock zu machen. Zudem war die gesamte Kölner Offensive zu schlecht. Doch auch am Samstag galt wieder, was zu Beginn der Saison galt: Die FC-Defensive darf sich derart einfache Fehler nicht erlauben. Sonst reicht es nicht im Abstiegskampf.

Zahl des Spiels: Der FC brachte nur 72 Prozent der Pässe an den Mann. Anders ausgedrückt: Die Fehlpassquote lag bei 28 Prozent – nicht einmal drei von vier Pässen der Kölner landeten bei einem Mitspieler. Damit unterbot der FC selbst seinen eigenen bisherigen Passquoten-Schnitt der Saison (77,8 Prozent). Dieser Wert ist im Übrigen der Schlechteste aller Bundesliga-Teams. Keine Mannschaft spielt so viele Fehlpässe in der Liga wie der FC.

Duell des Spiels: „Das war Krieg auf dem Platz“, sagte Marco Richter nach dem Spiel. Der Augsburger, der im Sommer zum FC wechseln wollte, hatte sich derart mit Marius Wolf beharkt und den Kölner kurz vor Ende der Partie mit offener Sohle an der Seitenlinie abgeräumt, dass ihn Heiko Herrlich kurze Zeit später zur Sicherheit aus der Partie nahm. „Wir Augsburger wollen jeden Zweikampf gewinnen, aber nach dem Spiel gibt man sich wieder die Hand“, sagte Richter. Salih Özcan sagte dazu nur: „Wir haben uns davon zu sehr beeinflussen lassen.“

Zitat des Spiels: „Wir haben ein enges Spiel mit 0:1 verloren. Deswegen fällt es mir schwer, meine Mannschaft heute zu kritisieren.“ (Markus Gisdol)

Erkenntnis des Spiels: Der 1. FC Köln hat ein Spiel verloren, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Es war zwar das erste Spiel des Jahres in einem vorentscheidenden Januar, aber die Hoffnung bleibt, dass es den Spielern und Verantwortlichen eine Lehre war. Die Geißböcke müssen fußballerisch dringend nachlegen, ansonsten muss man hoffen, dass sich am Ende der Saison drei noch schlechtere Mannschaften finden. Es wäre jedoch ein gutes Gefühl, wenn sich der FC den Klassenerhalt auch verdienen würde. Und dafür braucht es eben mehr als nur Einsatzbereitschaft.

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