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Trotz Kritik: DFB plant zeitnahe Fortsetzung der Jugend-Ligen


Neben die Jugendmannschaften des 1. FC Köln bald wieder ihren Spielbetrieb auf? Hinter den Kulissen wird eifrig an der Fortsetzung der Jugendfußball-Bundesligen gearbeitet. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erscheint hier aktuell die treibende Kraft zu sein, den Spielbetrieb in absehbarer Zeit wieder aufzunehmen. Aus den Vereinen kommt jedoch Kritik – insbesondere aufgrund eines 50-seitigen Papiers, das jüngst an die Vereine versendet wurde.

Köln – Es war der 23. Oktober des vergangenen Jahres: Im strömenden Regen deklassierte die U19 des FC am Geißbockheim Bayer Leverkusen mit 5:0. Am nächsten Morgen kam die U17 zu einem 5:2-Heimerfolg gegen den Wuppertaler SV. Es waren die bisher letzten Pflichtspiele für die beiden Mannschaften, seither ruht der Spielbetrieb. Seit rund drei Monaten konnten die Talente keine Partie mehr bestreiten, einzig Trainingseinheiten sind derzeit unter strengen Hygieneauflagen erlaubt.

Der DFB hat nun einen Fahrplan veröffentlicht, wie der Spielbetrieb in absehbarer Zeit wieder aufgenommen werden kann. Hierfür wurde zuletzt auf Basis der Vorgaben für den Profifußball ein Hygienekonzept erstellt, das in der Version vom 18. Januar 50 Seiten umfasst und an die Vereine der Jugend-Bundesligen versendet wurde. Dieses Papier, das dem GEISSBLOG.KOELN vorliegt, stößt jedoch durchaus auf Kritik. So sind „Antigen-Schnelltest[s] am Spieltag für Heim- und Gastmannschaft mit Testergebnissen spätestens 90 Minuten vor Anpfiff“ vorgesehen, die die Vereine in Eigenregie durchführen sollen. Dies sorgt insbesondere kleinere Vereine ohne Nachwuchsleistungszentrum. Zudem wird von anderen Vereinen die Frage der Durchführbarkeit der Schnelltests am Spieltag mit Blick auf manch weite Auswärtsspiele etwa nach Ostwestfalen aufgeworfen, bei denen die Testung am frühen Morgen vor der Abfahrt erfolgen müsste. Ein positives Ergebnis hätte zudem die Absetzung des Spiels zur Folge. Insgesamt sollen pro Woche zwei Schnelltests pro Person durchgeführt werden.

3600 Euro für Schnelltests

Am vergangenen Donnerstag trafen die Vereine der U19- und U17-Bundesliga in einer dritten außerordentlichen Videokonferenz zusammen und diskutierten über die Fortsetzung des Spielbetriebs. Der DFB präsentierte hierfür eine 24-seitige Ausarbeitung über die Auswirkungen des Corona-Virus auf die laufende Saison. Manuel Hartmann, der Abteilungsleiter Spielbetrieb beim DFB, und Prof. Dr. Barbara Gärtner aus der Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetrieb erläuterten nochmals das „Hygienekonzept Junioren-Bundesliga“.  Die Kosten für einen Schnelltest werden demnach auf etwa fünf Euro „bei zentralem Einkauf durch den DFB“ beziffert, was bis zum Saisonende rund 3600 Euro pro Mannschaft bedeuten würde. Materialkosten wie Mund-Nase-Schutze und Desinfektionsmittel kommen noch hinzu. Die Kosten für die Tests würden eventuell durch den Verband übernommen.

Für den weiteren Saisonverlauf skizzierte der DFB zwei Grundsätze: So habe der DFB die „Pflicht und Aufgabe den Spielbetrieb der Junioren-Bundesliga anzubieten und zu organisieren, soweit es die Verfügungslage zulässt“. Die teilnehmenden Vereine wiederum hätten die „Verpflichtung am Spielbetrieb teilzunehmen“. Um die Saison zu Ende zu führen, legte der DFB verschiedene Modelle vor. Neben dem Optimum, einer Fortsetzung mit dem gegenwärtigen Modus, werden auch Optionen mit einem verringerten Teilnehmerfeld oder ohne Meisterschaftsendrunde angedacht. Eine andere Variante spielt das Szenario durch, dass nur noch der DFB-U19-Pokal im zweiwöchigen Rhythmus ausgespielt wird. Die Vereine erhielten im Anschluss eine Woche Zeit, um sich Gedanken über die vorgestellten Konzepte zu machen. Das Hygiene-Konzept und der neue Rahmenterminkalender für den Junioren-Fußball sollen zum nächstmöglichen Zeitpunkt im DFB-Präsidium beschlossen werden. Zudem empfiehlt der DFB-Jugendausschuss den Landesverbänden, „Freundschaftsspiele von Junioren-Bundesliga-Mannschaften zu genehmigen“.

Gesellschaftliche Vorbildfunktion des Fußballs?

Doch es gibt einige Vereine, die der Wiederaufnahme des Spielbetriebs kritisch gegenüberstehen. So sehen sie sich den Anforderungen aus dem Hygienekonzept nicht gewachsen und fürchten, schlimmstenfalls vom Spielbetrieb ausgeschlossen zu werden. Argumentiert wird auch mit der gesellschaftlichen Vorbild-Funktion des Fußballs. So könnten die Spieler aufgrund politischer Beschlüsse nicht zur Schule gehen, könnten bzw. müssten aber für die Spiele durch das Land fahren. Zudem entkopple die Fortsetzung der Bundesligen den Fußball von den Amateurklassen, in denen eine Fortsetzung aktuell überhaupt nicht denkbar wäre. In der U19-Mittelrheinliga sind beispielsweise erst sieben Spieltage absolviert. Bei einem Abbruch lässt sich diese Tabelle bei weniger als 50 Prozent ausgetragener Partien kaum werten, während in der Bundesliga eine Saison zu Ende gespielt wird. Nach Informationen des GEISSBLOG.KOELN haben sich einige Vereine zusammengeschlossen, die den Restart der Bundesligen kritisch sehen. Es wird also spannend zu beobachten, wie die Entscheidungsfindung weitergehen wird.

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