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Staatshilfe? Wie der FC die Krise finanziell überstehen will


Am Montagabend schlug ein Bericht des Handelsblatt beim 1. FC Köln ein wie eine Bombe. Unter der Überschrift „1. FC Köln beantragt Staatshilfe beim Bund“ berichtete das Handelsblatt über einen aktiven Vorstoß der Geißböcke bei der Bundesregierung und beim Bundeswirtschaftsministerium, um eine Bürgschaft in Höhe von zehn Millionen Euro zu erhalten. Dem widersprach der FC sofort. Die Finanzplanungen gingen in eine andere Richtung, hieß es.

Köln – Dass der 1. FC Köln große Finanzsorgen hat, ist bekannt. Wie groß sie wirklich sind, ist noch nicht klar, weil weder die Zahlen des zurückliegenden Geschäftsjahres 2019/20 offengelegt wurden, noch die tatsächlichen Verluste für 2020/21 schon feststehen. Doch es ist kein Geheimnis: Weil es in dieser Saison wohl keine Zuschauer mehr in den Fußballstadien geben wird und weil auch für die kommende Saison noch nicht klar ist, wann Fans wieder in die Arenen dürfen, geht es dem FC schlecht.

Nun berichtete das Handelsblatt am Montag, der FC habe „als erster Bundesligaklub wegen Staatshilfe beim Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes angeklopft“. Demnach wolle der FC klären, welche Staatshilfen für den Klub in Frage kämen. Unter anderem gehe es um eine Bürgschaft in Höhe von rund zehn Millionen Euro.

Der 1. FC Köln beabsichtigt derzeit nicht, einen Antrag zu stellen

Beim FC sorgte dieser Bericht für Entrüstung. „Der 1. FC Köln hat sich grundsätzlich mit dem Instrument WSF beschäftigt, beabsichtigt derzeit aber nicht, einen Antrag zu stellen“, hieß es in einer ersten Stellungnahme. Doch hinter den Kulissen brodelte es nach GBK-Informationen, der Klub sah sich wissentlich falsch dargestellt. Kurze Zeit später änderte das Handelsblatt seine Überschrift in „1. FC Köln klopfte bei Bundesregierung wegen Staatshilfe an“, blieb jedoch bei seiner Darstellung, die FC-Verantwortlichen hätten aktiv Kontakt aufgenommen.

Am Geißbockheim hieß die Redart hingegen so: Ein Dienstleister für Kredite und Finanzhilfen für mittelständische Unternehmen sei bei mehreren Bundesliga-Klubs vorstellig geworden, unter anderem beim FC, und habe in diesem Zuge mehrere Finanzprodukte vorgestellt, darunter den Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Es sei aber unklar gewesen, ob die Geißböcke überhaupt die Kriterien für diese Finanzhilfe erfüllen würden. Und so sei die Alternative verworfen worden, ehe man sich näher mit ihr beschäftigt habe. Insbesondere der Begriff „Staatshilfe“ sei den Verantwortlichen in der darauf folgenden Berichterstattung sauer aufgestoßen.

Staatshilfe? Um diese Optionen geht es

Richtig und längst bekannt ist: Vorstand und Geschäftsführung suchen seit Monaten nach Wegen, die Krise zu überstehen. Der FC wird in dieser Saison der aktuellen Prognose nach kein einziges Bundesliga-Heimspiel vor Zuschauern bestreiten (die beiden Heimspiele gegen Gladbach und Frankfurt vor jeweils 300 Fans ausgenommen). Alleine dieser Umstand reißt ein Finanzloch von über 30 Millionen Euro, hinzu kommen Umsatzeinbußen im Merchandising, TV-Einnahmen und Catering. Auch für die kommende Saison gilt bereits jetzt die Annahme, dass mehrere Heimspiele ohne Zuschauer oder mit einer deutlich verringerten Auslastung bestritten werden müssen. Szenarios, auf die sich der Klub vorbereiten muss.

Nach GBK-Informationen sprechen die Verantwortlichen mit den Hausbanken des Klubs über kurzfristige Kreditlinien bis zum Ende der Saison 2021/22 sowie über mittelfristige Finanzhilfen durch Landesbanken sowie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Letzteres würde wohl tatsächlich auf den in der Corona-Krise aufgelegten staatlichen Förderprogrammen basieren, allerdings wohl nicht in Form direkter Kredite, sondern Bürgschaften. Der Unterschied: Die Kredite würden wie in der Vergangenheit auch von den Hausbanken des FC vergeben. Verändern würden sich die Risiko- und Haftungsfragen, die dann zum Großteil durch die KfW oder die landeseigenen Bürgschaftsbanken getragen würden. Tausende Unternehmen in Deutschland haben diese Förderkredite oder Bürgschaftsübernahmen bereits beantragt. Nun beschäftigt sich auch der FC damit, um die finanzielle Lage des Klubs über 2022 hinaus zu stabilisieren.

Grund für die Finanznot: der überteuerte Kader

Unbenommen davon ist die Tatsache, dass die Finanzsorgen in Teilen hausgemacht sind. Einerseits stehen die Pandemie-bedingten Umsatzeinbrüche, die keiner der Bundesliga-Klubs hatte vorhersehen oder in die Unternehmensplanungen einpreisen können. Andererseits müssen jegliche Finanzhilfen in den nächsten Monaten und Jahren dazu genutzt werden, um die inzwischen verhängnisvoll hohen Millionen-Verträge beim FC zu finanzieren, die die Geißböcke in Zeiten abgeschlossen hatten, in denen sich der Klub finanziell noch stabil gewähnt hatte. Dass diese dem FC längst auf die Füße gefallen sind, ist bekannt. Dass der FC daran perspektivisch etwas ändern möchte, haben die Verantwortlichen zumindest immer wieder erklärt und betont. Doch der Fakt bleibt: Der Finanzbedarf ist nicht nur aufgrund der Corona-Krise so hoch, sondern auch, weil die Geißböcke einen überteuerten Kader bezahlen müssen, dessen Etat schon seit Jahren in keinem Verhältnis zum Leistungsniveau steht. Doch aufgrund teilweise noch mehrere Jahre geltender Verträge wird ein Umbruch, so er denn tatsächlich ernsthaft vollzogen werden wird, erst langsam vonstatten gehen.

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