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Die Festung Müngersdorf ist nur noch eine Ruine


Der 1. FC Köln liefert im heimischen Stadion bislang die schlechteste Bundesliga-Saison seiner Geschichte ab. Die Spieler lernen aus ihren Fehlern nicht und lassen sich von einer vorhersehbaren Freistoß-Variante düpieren. Max Meyer und Markus Gisdol müssen nun zeigen, dass sie gemeinsam funktionieren können. Und Timo Horns Aussage lässt einmal mehr tief blicken. Die Lehren des 0:1 gegen den VfB Stuttgart.

Aus Müngersdorf berichtet Sonja Eich

Geschichte des Spiels: Der 1. FC Köln verliert mal wieder ein Fußballspiel, das er nicht hätte verlieren müssen oder dürfen. Die Saison 2020/21 ist voll von solchen Partien: Hoffenheim, Bielefeld, Union Berlin, Augsburg und jetzt Stuttgart – fünf völlig unnötige und teils dumme Niederlagen, dazu das Unentschieden in Bremen, das ein Sieg hätte sein können. Auf diese Weise haben die Geißböcke nun schon mindestens ein halbes Dutzend Punkte liegen gelassen, weil die Spieler in teilweise einfachsten Situationen das Verteidigen einstellten. So auch am Samstag.

Duell des Spiels: Sosa auf Kalajdzic – das hätte man wissen können beim FC. Aber Ellyes Skhiri und Rafael Czichos ließen sich beim Einlaufen des Mittelstürmers vor dem Freistoß abkochen wie zwei A-Junioren. Der VfB hatte in den drei Spielen zuvor zweimal auf genau diese Weise getroffen. Der FC hätte also darauf eingestellt sein müssen. Zumal der Freistoß von ganz weit draußen ewig lange unterwegs war. Einen solchen Treffer muss eine Bundesliga-Mannschaft in der Lage sein zu verhindern.

Das Ergebnis: Nicht nur das 0:1 des 1. FC Köln machte am Samstag den Verantwortlichen Sorge, sondern auch das 2:1 des 1. FSV Mainz 05 bei Borussia Mönchengladbach. Von den zwischenzeitlichen acht Punkten Vorsprung auf die Rheinhessen sind nur noch vier geblieben. Das muss den Kölnern arg zu denken geben, weil es nächste Woche für den FC zum FC Bayern geht, während der FSV zuhause Augsburg empfängt. Der Vorsprung könnte dann also schon wieder gänzlich dahin sein. Das große Zittern geht also wieder von vorne los – wenn es überhaupt je nachgelassen hatte.

Szene des Spiels: Max Meyer zeigte in der 69. Minute erstmals, warum der 1. FC Köln ihn verpflichtet hat. Unter der Woche gab es Diskussionen, ob Markus Gisdol den Ex-Schalker überhaupt hatte haben wollen. Eine gänzlich überzeugende Antwort konnte der FC-Coach unter der Woche nicht geben. Nun muss der FC-Trainer zeigen, dass er einen solchen Spieler beim FC einbauen kann – und Meyer muss zeigen, dass er eingebaut werden will. Dass er fußballerisch besser ist als die meisten anderen Spieler im Kader, ist keine Überraschung. Doch erstens muss er es auch auf den Rasen bringen, und zweitens muss der Trainer beweisen, dass er mit dem FC mehr spielen lassen kann als das einfallslose Gekicke, das man in dieser Saison bislang präsentiert bekam.

Zahl des Spiels: Das 0:1 war die siebte Heimniederlage im elften Heimspiel in dieser Saison. Nie war der 1. FC Köln nach elf Heimspielen in der Bundesliga so erfolglos wie in dieser Spielzeit. Ja, die Zuschauer fehlen und viele Mannschaften weisen eine schlechtere Heimbilanz auf als zu Vor-Corona-Zeiten. Aber ein Sieg und drei Unentschieden in elf Spielen? Nur die Mitleid erregenden Schalker punkten noch seltener daheim. Von der Festung Müngersdorf ist nur noch eine Ruine geblieben.

Zitat des Spiels: „Wir hätten an Stuttgart ranspringen können, das war unser großes Ziel. Das hat nicht funktioniert, weil wir zu wenig nach vorne investiert haben.“ (Timo Horn)

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