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Faktencheck: Hat Horst Heldt mit seiner Kritik Recht?


Am Sonntag platzte Horst Heldt der Kragen. Der Sportchef des 1. FC Köln attackierte die Medien für ihre kritische Berichterstattung der Leistungen der Geißböcke. Er warf den Journalisten vor, Luftschlösser zu malen, gegen welche die Verantwortlichen ankämpfen müssten. Darüber hinaus erklärte der 51-jährige die sportliche Situation im Abstiegskampf und die Offensivprobleme. Ein Faktencheck seiner Aussagen.

1. Medienkritik

Heldt sagte: „Ich muss Sie immer wieder abholen und darauf hinweisen, dass wir von nichts anderem reden. Wir haben weder nach dem Derbysieg vom Europapokal geredet noch nach Freiburg vom Abstieg geredet.“

Faktencheck: Der 1. FC Köln versucht seit Monaten das Kölner Umfeld für eine vermeintlich hohe Erwartungshaltung an Klub und Spielern verantwortlich zu machen. Dies entspricht nicht der Wahrheit. Kein Medium aus dem näheren FC-Umfeld hat vor der Saison ein anderes realistisches Saisonziel als den Klassenerhalt für die Mannschaft formuliert. Kein Medium hat vom Europapokal gesprochen. Auch der überwältigende Teil der Fans wünscht sich ausdrücklich nichts anderes als den Klassenerhalt. Horst Heldt und Markus Gisdol wiederholen dennoch seit Monaten, es sei schwer, den hohen Erwartungen an den FC gerecht zu werden.

Heldt sagte: „Mich wundert, dass Sie das wundert. Wir wussten, dass es bis zum Ende eng bleiben würde und dass wir bis zum Ende kämpfen müssen. Bis zum Ende heißt auch bis zum Ende. Da ist man nicht am 22. oder 23. Spieltag gerettet. Wir müssen damit umgehen und Sie müssen sich fragen, wie Sie damit umgehen und wie sie das begleiten.“

Faktencheck: Es ist per Definition die Aufgabe von Journalisten und Medien, Kritik und Kontrolle auszuüben. Dies geschieht auch in dieser Saison. Jedes Medium hat unterschiedliche Schwerpunkte und Ausrichtungen. Dennoch findet sich in der Berichterstattung über den 1. FC Köln der vergangenen Monate kein Hinweis darauf, dass ein Medium den FC bereits als gerettet angesehen hat. Nach dem 20. Spieltag wurde allerdings die Hoffnung formuliert, die Geißböcke hätten sich dank acht Punkten Vorsprung auf Mainz und 13 Punkten Vorsprung auf Schalke signifikant und womöglich entscheidend von den direkten Abstiegsplätzen abgesetzt. Diese Hoffnung erwies sich aufgrund der darauf folgenden zwei Niederlagen des 1. FC Köln und den gleichzeitigen vier Punkten der Mainzer tatsächlich als verfrüht.

2. Sportliche Situation

Heldt sagte zu den unterschiedlichen Aussagen von Markus Gisdol und den Spielern: „Das ist vollkommen Wurscht. Das interessiert nicht. Jeder hat seine Ansichten, das ist auch gut. Da findet aber keine Diskrepanz in der Kabine statt.“

Faktencheck: Die öffentlichen Aussagen von Markus Gisdol und diversen Spielern haben sich in den vergangenen Wochen immer wieder unterschieden. Unter anderem nach den Niederlagen gegen Augsburg, Freiburg und Stuttgart bewertete der Trainer die Partie positiver als die FC-Profis, welche teils deutliche Kritik am eigenen Auftritt übten. Heldt betonte nun, es gebe in der Bewertung innerhalb der Kabine keine Diskrepanz. Dies lässt sich nicht kontrollieren. In der öffentlichen Darstellung ist jedoch der Eindruck entstanden, dass einige Spieler eine andere, offensivere und mutigere Spielweise bevorzugen würden als vom Trainer vorgegeben.

Heldt sagte: „Stuttgart hat schon oft bewiesen, dass sie in der Lage sind auszunutzen, wenn der Gegner ihnen Räume bietet. Deswegen haben sich in der ersten Halbzeit beide Mannschaft neutralisiert. Eine Standardsituation hat das Spiel verändert. Es war ein enges Spiel, in dem wir in der Lage gewesen wären einen Punkt zu holen.“

Faktencheck: Korrekt ist, dass der 1. FC Köln erfolgreich die Lehre aus dem Hinspiel zog und dem VfB nicht ins offene Messer lief. Die Geißböcke lieferten defensiv eine starke Partie ab und waren zu jeder Zeit auf Augenhöhe mit den Stuttgartern. Ein Freistoßtor entschied die Partie. Kritik machte sich nach dem Spiel an der defensiven Ausrichtung des 1. FC Köln fest, nachdem man die Anfangsphase überstanden und die Stärken der Stuttgarter kontrolliert hatte.

3. Offensivprobleme

Heldt sagte: „Es gibt immer einen Plan, aber es wird keiner daran gehindert, Leistung abzuliefern, aktiv zu sein. Ob man vorne presst, in der eigenen Hälfte eng steht, Zweikämpfe gewinnt oder Ballgewinne umsetzt. Da ist jeder Spieler immer gefordert. Egal, wie die Ausrichtung lautet. Aktivität ist immer gefordert.“

Faktencheck: Die Kritik an Markus Gisdol macht sich seit Monaten vor allem am mangelhaften Offensivspiel fest. Der von Heldt erwähnte „Plan“ ist für Außenstehende in dieser Saison bislang kaum zu erkennen. Die zweitschlechteste Passquote der Liga hat sich im Laufe der Spielzeit nicht verbessert, genauso wenig die Anzahl herausgespielter Torchancen (viertschlechtestes Team). Die zweite Hauptkritik am 1. FC Köln manifestiert sich an der Intensität der Spieler, die Heldt nun selbst kritisierte. Der GEISSBLOG fragte vor dem Spiel gegen Stuttgart Trainer Gisdol nach einer Erklärung, warum der FC in den Statistiken intensiver Läufe und Sprints im Liga-Vergleich in den letzten Wochen auf Rang 13 und 14 abgerutscht sei. Eine Antwort konnte Gisdol nicht geben. Während die Laufleistung insgesamt weiterhin zu den besten der Liga gehört (Platz sechs), lässt sich aus nachlassenden intensiven Läufen und Sprints genau jene fehlende Aktivität ablesen, die Heldt moniert.

Heldt sagte zur fehlenden Einbindung von Emmanuel Dennis: „Seit wie vielen Tagen ist er denn hier? Gerade in der Offensive ist das Feintuning wichtig. Er muss sich erst einmal an die Bundesliga gewöhnen. Das braucht Zeit, die wir nicht haben. Wir müssen uns leider Gottes gedulden.“

Faktencheck: Der Sportchef formulierte im Sommer genauso wie im Winter das Ziel, Spieler verpflichten zu wollen und zu müssen, die sofort weiterhelfen. Diese Vorgabe machte Heldt selbst. Dennis wurde nun im Winter für die verbliebenen 17 Pflichtspiele ausgeliehen. Nach fünf dieser 17 Partien erklärte der 51-jährige, Dennis könne noch nicht integriert sein, weil sich dieser noch an die Bundesliga gewöhnen müsse. Fast ein Drittel der Spiele, für die Dennis als Sofort-Verstärkung geholt wurde, sind also absolviert, der Spieler aber noch nicht richtig eingebunden. Daran macht sich die Kritik fest, auch weil Heldt bereits im vergangenen November erklärte, die Mannschaft müsse sich offensiv verbessern. Doch statt eine sportliche Entwicklung herbeizuführen, äußerte Trainer Gisdol nun sogar indirekte Kritik an der Kaderplanung, indem er erklärte, man habe keinen Stürmer, der genügend Tore schießen könne, um den FC in der Liga zu halten. Ein Kritikpunkt, den mehrere Kölner Medien bereits vor der Saison angefügt und vor diesem Problem gewarnt hatten.

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