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Kölns Septuple: Der FC schwankt durch die Liga


Der 1. FC Köln sucht nach dem richtigen Maßstab für die eigenen Leistungen. Das 0:2 bei Eintracht Frankfurt ließ einmal mehr vieles vermissen. Andererseits gehören Leistungsschwankungen für eine Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel zum Alltag. Zudem sind drei Siege aus fünf Spielen eine beachtliche Ausbeute. Doch die Verletzungssorgen nehmen immer weiter zu, während die spielerischen Sorgen nicht abnehmen.

Köln – Arminia Bielefeld traf am Montagabend wohl zum perfekten Zeitpunkt auf den FC Bayern München. Der Klub-Weltmeister hatte sich gerade den Luxus einer Reise nach Katar gegönnt für eine Trophäe, die in Europa nur sehr wenige Menschen interessiert. Aber wenigstens können sich die Bayern nun Sextuple-Gewinner nennen, oder wie auch immer sechs Titelgewinne in einem Jahr in der Verballhornung der deutschen Sprache genannt werden. Fast hätte sich der DSC also Sextuple-Sieger-Besieger nennen und ein T-Shirt herausgeben können. Doch es reichte trotz 2:0-Führung in München „nur“ zu einem 3:3.

Bielefeld kann den FC im Nachholspiel überholen

Aufgrund der Zwischenergebnisse sorgte das 3:3 nach 90 Minuten am Geißbockheim wohl durchaus für Erleichterung, wenngleich nicht gerade Freude. Im Abstiegskampf setzen die Teams darauf, dass die Topklubs ihre Arbeit gegen die Konkurrenten im Tabellenkeller ernst nehmen und gewissenhaft absolvieren. Der FC Bayern hatte sich dahingehend bislang im Saisonverlauf nichts zu schulden kommen lassen. Nun aber holte Bielefeld einen Zähler, der die Arminia bis auf drei Punkte an den FC heranbringt. Der Relegationsplatz ist damit für die Geißböcke nur noch einen Spieltag mit schlechten Ergebnissen entfernt. Und weil Bielefeld noch das Nachholspiel gegen Bremen in der Hinterhand und auch der 1. FSV Mainz 05 am vergangenen Spieltag gepunktet hat, weiß man gerade am Geißbockheim nicht so recht, wie man mit der Tabellensituation umgehen soll.

Eines ist sicher: Der Schein trügt. Genauso wie die Kölner bis hinauf zu Rang elf die Luft des vermeintlich gesicherten Mittelfelds schnuppern, so sehr kriecht der faulige Gestank des Tabellenkellers empor. Nach dem Hochgefühl des Derbysieges gab es wieder arg gedämpfte Kost bei der SGE. Die Niederlage in Frankfurt hat den Verantwortlichen einmal mehr zu denken gegeben. Weil die Abwehr immer dann Probleme bekommt, wenn ein Gegner viel Tempo in den eigenen Reihen hat. Weil das Mittelfeld wenige bis gar keine Ideen im Spielaufbau zeigt. Weil im Angriff die wenigen Bälle, die dort ankommen, in einer Geschwindigkeit wieder weg sind, dass die Mittelfeldspieler mitunter gar nicht mehr mit aufrücken, weil sie ahnen, dass es keinen Sinn hat. Ball- und Spielkontrolle sind für den 1. FC Köln in dieser Saison ebenso ein Fremdwort wie konstante Leistungen.

Sieben vermeintliche Stammspieler verletzt

Probleme, die sich wohl, da muss man kein Prophet sein, auch durch die restlichen 13 Saisonspiele schleppen werden. Trainer Markus Gisdol bekommt seine Mannschaft zwar immer wieder zu besonderen Leistungen animiert. Eine Spielidee bekommt er in die Köpfe der Spieler aber nicht hinein. Hinzu kommen, und das könnte noch ein gewaltiges Problem werden, immer neue Verletzungen. Stürmer Sebastian Andersson schießt schon lange keine Tore mehr. Der Ausfall des technisch starken Flankengebers Florian Kainz fällt schon die gesamte Saison arg ins Gewicht. Kapitän Jonas Hector kommt nicht auf die Beine und gibt zum zweiten Mal in den letzten Monaten selbst seinem Arbeitgeber mit einer eigentlich harmlosen Blessur Rätsel auf. Marius Wolf will sich trotz eines Bänderrisses bis zur Länderspielpause Ende März durchbeißen. Welche Verantwortung hier Verein und Spieler gleichermaßen für die Gesundheit des Profis haben, steht auf einem anderen Blatt. Derweil könnte Ismail Jakobs unter Umständen noch diese Woche zurückkehren, aber sicher ist das nicht. Ondrej Duda absolvierte am Montag ein MRT, eine Diagnose gab der FC anschließend nicht bekannt. Der Verein ließ lediglich wissen, man werde sich nur äußern, sollte eine Verletzung vorliegen. Dies geschah nachmittags nicht. Man muss also darauf vertrauen, dass Dudas Rippen heil geblieben sind. Doch die Verletzung von Sebastiaan Bornauw hielt man auch eine Woche lang unter der Decke, ehe es plötzlich hieß, der Innenverteidiger müsse operiert werden. Ob der Belgier tatsächlich, wie nun offensiv kommuniziert, bereits nach zehn Tagen wieder trainieren kann, sei dahingestellt. Ähnliche Versprechungen hatte es bereits nach Anderssons Knie-OP gegeben. Das Ergebnis ist bekannt.

Verletzungen dürfen kein Alibi sein

Andersson, Kainz, Hector, Wolf, Jakobs, Duda, Bornauw – sie bilden Kölns Septuple. Ein illustres Lazarett, das den FC-Verantwortlichen so manche Sorgenfalte bereiten dürfte. Eigentlich war jeder dieser sieben Spieler zu Saisonbeginn fest in der Startelf eingeplant. Auch mit dieser Personalsituation lässt sich so manches Problem, das die Geißböcke seit Monaten haben, beschreiben. Doch keiner dieser Ausfälle darf zu einem Alibi für möglicherweise wieder ausbleibende Ergebnisse werden. Denn diese kann sich der 1. FC Köln nicht leisten. Mainz und Bielefeld haben zuletzt gezeigt, dass sie bereit sind dem FC den Fehde-Handschuh hinzuwerfen, dass sie bereit sind um den Klassenerhalt bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Diesen Kampf muss der FC führen. Mit allem, was er hat. Man mag sich am Geißbockheim nicht sicher sein, wie man die aktuelle Situation, sportlich wie tabellarisch, zu bewerten hat. Aber so viel ist klar. Denn ein Abstieg ist keine Option.

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