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Wunsch und Realität: Eingeständnis eines Fehlers


Zwei Stunden vor Ende der Transferperiode in Frankreich, vor allem aber vier Stunden nach Ende der Transferperiode in Deutschland sorgte der 1. FC Köln am Montagabend noch mal für ein Beben auf dem Transfermarkt. Dass Anthony Modeste den Verein in einer Nacht- und Nebel-Aktion in Richtung St. Etienne verließ und der FC den Franzosen ohne Ersatz ziehen ließ, zeigt, wie wenig die Geißböcke für die restliche Saison noch auf Modeste gezählt hätten. Der Stürmer hätte keine Rolle mehr gespielt.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Es war der 17. November 2018, als der 1. FC Köln seinen 70. Geburtstag feierte und auf dieser Feier die sensationelle Rückkehr von Anthony Modeste bekannt gab. Dieser Tag ist nun zwei Jahre, zwei Monate und 15 Tage her. In diesen 808 Tagen stand der Franzose nur in 18 Erst- und Zweitliga-Spielen in der Startelf des 1. FC Köln, wurde 30 Mal eingewechselt und schoss in diesen 48 Einsätzen fünf Erstliga- und sechs Zweitliga-Tore. Wäre Modeste ein Stürmer aus der zweiten Reihe, wäre dies eine anständige Quote. Doch Modeste ist alles, nur niemand aus der zweiten Reihe.

Das Versagen der Verantwortlichen

Als Vorstand und Geschäftsführung im November 2018 den Deal mit dem Stürmer perfekt machten, vermittelten sie den Eindruck, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Einen Spieler, den man 17 Monaten zuvor für 28 Millionen Euro verkauft hatte, holte man ablösefrei zurück. Das Problem, das erst später durchsickerte: Modeste bekam nicht nur einen fürstlichen Fünf-Jahres-Vertrag mit rund 3,5 Millionen Euro Jahresgehalt, sondern auch einen Anschlussvertrag als Offensivtrainer. Modeste ist somit noch bis 2028 an den FC gebunden. Später versuchten die FC-Bosse einen Teil der Verantwortung für die Rückholaktion auf Medien und Fans zu schieben, weil diese Modestes Comeback gefordert hätten. Dabei sahen sie geflissentlich darüber hinweg, dass sie überaus generös dafür bezahlt werden professionell einzuschätzen, ob ein Spieler dem 1. FC Köln weiterhilft, fit für die Bundesliga ist und welches Geld er wert ist. Bei Anthony Modeste im Herbst 2018, das ist inzwischen jedem klar, lagen sie krachend daneben.

Das hat viele Gründe. Die jüngsten und entscheidenden liegen auf dem Platz: Anthony Modeste war nach monatelangen Verletzungssorgen nicht annähernd fit genug für die laufintensiven Anforderungen in der Bundesliga. Mit seinen 32 Jahren musste der Franzose Extra-Schichten ableisten, um wieder in Form zu kommen – nicht gerade seine Lieblingsbeschäftigung. Es gelang ihm nicht. Doch sein Selbstverständnis sagte ihm, er müsse trotzdem spielen. Nur wenn er dann auf dem Platz stand, konnte er nicht leisten, was von ihm verlangt wurde. Nicht nur Trainer Markus Gisdol musste dies schließlich konstatieren, sondern auch Modestes Mitspieler. So stand der Stürmer letztlich alleine da, ohne Argumente in den kommenden Monaten noch einmal eine wichtige Rolle zu spielen. Wunsch und Realität klafften bei dem 32-jährigen meilenweit auseinander.

Die letzte Hoffnung auf Besserung

Dass der 1. FC Köln den Stürmer nun für den Rest der Saison verlieh, ohne für Ersatz zu sorgen, macht deutlich: Sportchef Horst Heldt und FC-Coach Gisdol planten nicht mehr mit Modeste. Nicht mal mehr als Joker. Den Startelf-Platz hat nun Emmanuel Dennis inne. Im Zweifel wäre dem Franzosen gar Tolu Arokodare vorgezogen worden. Und weil man noch immer hofft, dass Sebastian Andersson bald fit wird, wäre Modeste kaum mehr zum Einsatz gekommen. Insofern ist die halbjährige Leihe nach St. Etienne der beste Weg für alle Seiten. Der klamme FC spart dem Vernehmen nach rund eine Million Euro Gehalt. Modeste kann im einstigen Klub seines Vaters Spielpraxis bekommen und sich in einem anderen Umfeld neues Selbstvertrauen erarbeiten. Im Sommer kann man es dann erneut versuchen oder sich für eine endgültige Trennung entscheiden. Beim FC glaubt man, mit dieser Entscheidung kein Risiko eingegangen zu sein, indem man einen Stürmer abgibt, von dem man sich eigentlich viele Tore versprochen hatte. Und das, ohne ihn zu ersetzen. Doch die Tore, so die Überzeugung der Verantwortlichen, sollen sowieso andere machen. Modeste traute man dies nicht mehr zu. Eine bittere Erkenntnis, doch auf Basis der Eindrücke im Januar nachvollziehbar.

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