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Wolf zeigt Größe – und wird von Kim und Podolski kritisiert


Die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln hat knapp 6000 Mitglieder virtuell zusammengeführt. Der Vorstand musste sich in einer stundenlangen Aussprache viel Kritik gefallen lassen. Zuvor hatte Werner Wolf in einem bemerkenswerten Moment seiner Rede Demut gezeigt und sich bei den Mitgliedern entschuldigt. Allerdings gab es hinterher nicht nur Kritik von Mitgliederrat Ho-Yeon Kim. Lukas Podolski bezichtigte den Präsidenten sogar der Lüge, sodass letztlich Alexander Wehrle dem FC-Präsidenten zur Seite springen musste.

Köln – Um 22 Uhr, vier Stunden war die Mitgliederversammlung da schon alt und noch keine einzige Wahl in Sicht, begann die Aussprache nach den Reden von Vorstand, Mitgliederrat und Geschäftsführung. Zwei Stunden lang sollte diese Aussprache dauern. Sport1-Moderatorin Jana Wosnitza führte durch den Abend, verlas die Fragen und die Führungscrew stand Rede und Antwort. Da hatten Werner Wolf und Co. bereits ihre Berichte abgeliefert, und insbesondere Wolf hatte Abbitte geleistet.

Darum bitte ich um Entschuldigung

„Wir haben in den vergangenen Monaten Fehler gemacht, die ich bedauere und darum bitte ich um Entschuldigung“, sagte ein demütiger Wolf. „Es tut mir leid, dass unsere Kommunikation nicht vernünftig funktioniert und präsidialen Ansprüchen nicht genügt hat. Wir versprechen, das zu verbessern und direkter und transparenter mit euch zu kommunizieren.“ Die ungenügende Kommunikation war der zentrale Kritikpunkt der bisherigen Amtszeit gewesen. Weder Mitglieder noch Fans von außen hatten mitgekommen, worum sich der Vorstand in den vergangenen anderthalb Jahren tatsächlich gekümmert hatte.

Wolf machte in diesem Moment einen selten gewordenen Schritt auf die Mitglieder zu. Entschuldigungen von FC-Verantwortlichen hatte es in den letzten Jahren kaum erlebt. Der FC-Präsident gab zudem zu: „Marktschreier zu sein, entspricht nicht meiner Persönlichkeit. Ich arbeite lieber im Hintergrund und sorge dafür, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden.“ Dass zahlreiche Mitglieder diese Entscheidungen und die Art und Weise der Kommunikation nicht gutheißen wollten, spiegelte sich in der Entlastung des Vorstands wieder, der mit 66 zu 34 Prozent zwar komfortabel, aber nicht überzeugend ausfiel.

Podolski bezichtigt Wolf der Lüge

Dennoch gab es auch vom Podium Kritik am Vorstand. Ho-Yeon Kim als Vorsitzender des Mitgliederrates fand deutliche Worte für die mangelhafte Führung des Vorstands nach außen. „Lieber Vorstand, ihr habt leider seit eurem Amtsantritt zu wenig kommuniziert. Wir wissen, dass aufgrund der Baustellen die Zeit knapp war, aber es ist gerade in einer solchen Situation wichtig, dass die Mitglieder verstehen, was ihr macht. Die Anliegen der Mitglieder müssen stärker berücksichtigt werden“, sagte Kim, der eine energische Rede hielt und dabei immer wieder Lob und Kritik verpackte.

Kritik verpacken war dagegen am späten Donnerstagabend keine Art mehr von Lukas Podolski. Der Weltmeister von 2014 griff Werner Wolf auf Twitter direkt an. Wolf hatte während der Versammlung auf die Nachfrage eines Fans erklärt: „Ich muss euch enttäuschen. Lukas Podolski wird nächste Saison nicht für den 1. FC Köln auflaufen. Wir stehen mit Lukas Podolski in Kontakt und er weiß, dass die Tür beim FC offen steht.“ Keine halbe Stunde später kam die schallende Ohrfeige des einstigen FC-Stürmers: „Während der Mitgliederversammlung des FC wurde erklärt, dass ich a.) in der kommenden Saison nicht zum FC zurückkehren werde, aber man b.) mit mir in einem guten Dialog sei. a.) kann ich bestätigen, b.) nicht. Der Vorstand des 1. FC Köln steht und stand mit mir nicht in Kontakt.“

Eine offene Erklärung, dass Wolf gelogen haben soll. Nicht das erste Mal muss sich der FC-Präsident den Vorwurf gefallen lassen, zu behaupten mit Menschen in Kontakt zu stehen, obwohl die andere Seite dies bestreitet. Friedhelm Funkel hatte erst kürzlich in Richtung Vorstand Kritik geäußert, eben nicht mit ihm in Kontakt gestanden zu haben. Gänzlich entkräften konnte Wolf den Vorwurf nie. Nun also Podolski – und das, nachdem Wolf gerade um Verzeihung für die schlechte Kommunikation gebeten hatte. Noch in der Nacht wurde bei einer weiteren Aussprache Wolf darauf angesprochen. Daraufhin erklärte er, nicht er, sondern Alexander Wehrle stünde mit Podolski im Austausch und teile dem Vorstand den entsprechenden Stand mit. Das bestätigte Wehrle: „Ich bin mit Lukas im Austausch zu Projekten. Die sind vertraulich. Schauen wir mal, was die Zukunft bringt.“

11 Kommentare
  1. Mado1953 sagte:

    Lukas Podolski entwickelt sich zur Diva! Er ist anscheinend beleidigt, weil bisher nicht der Vorstand, sondern „nur“ die Geschäftsführung mit ihm geredet hat. Hätte er dies so kommuniziert, wäre alles in Ordnung. Er aber lässt die Öffentlichkeit in dem Glauben, dass der Verein bisher überhaupt nicht mit ihm geredet habe. Das ist unlauter und auch nicht ehrlich. Wenn Herr Wolf davon redet, dass „wir“ in guten Gesprächen stehen, dann meint er auf der einen Seite Lukas Podolski und auf der anderen Seite den Verein, von mir aus auch nur die Verantwortlichen im Verein.
    Mir zeigt dieses Verhalten von Lukas Podolski, dass er seine Person wohl eher doch über den Verein angesiedelt sieht und dass es künftig, im Falle einer Zusammenarbeit, zu Problemen kommen kann. Sehr schade!

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      • Carlo Korrupto sagte:

        Das sehe ich anders. Wenn Wolf auf der MV sagt „Wir stehen mit Lukas Podolski in Kontakt und er weiß, dass die Tür beim FC offen steht.“, suggeriert das für mich dass er selber, oder zumindest ein Vorstandsmitglied, Kontakt zu Podolski hat.
        Wolf versucht sich mit dieser Aussage ins rechte Licht zu rücken und die Wogen mit den Fans zu glätten, auf dem nacken von Podolski. Wenn dann aber niemals persönlicher Kontakt bestanden hat, finde ich diese Aussage schon arm und da kann ich die Aufregung von Poldi schon verstehen.
        Außerdem schreibt Podolski doch klar „Der Vorstand des 1. FC Köln steht und stand mit mir nicht in Kontakt.“ Da Wehrle nicht zum Vorstand gehört, sondern Geschäftsführer ist, stimmt seine Aussage doch und da kann ich eure Aufregung auch nicht verstehen.

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        • MountainKing sagte:

          Wenn Wolf „wir“ sagt, dann gehe ich davon aus, daß er vom Verein spricht, und nicht explizit vom Vorstand. Und es ist doch komplett hupe, ob Wehrle oder Wolf mit Poldi am Telefon hängt. Tatsächlich ist die Ausgestaltung der Details Tagesgeschäft und damit Aufgabe der Geschäftsführung, und nicht des Vorstands.

          Poldis Aussage ist dagegen viel irreführender und auch bösartiger, weil er ganz bewußt ein falsches Bild zeichnet. Denn nach dem Tweet hat sich doch niemand gedacht: „Joa, dann scheint ja jemand anderes vom Verein mit ihm zu sprechen.“

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    • Norbert Furmanek sagte:

      Gebe Poldi recht. Was war so schwer von Wolf zu sagen nicht ich , sondern Wehrle sei im Gespräch mit Poldi.. Da beißt er sich nichts ab. Immer so kompliziert fassen :–(((( Ausserdem Marc . Was hat das an Größe ?? Fehler einzugestehen —ok. Aber da waren viel zu viele Fehler darunter !! Und warum wurde Heldt entlassen und der Vorstand blieb außen vor ? Da sollte noch einiges aufgearbeitet werden , so kann man nicht zur Tagesordnung übergehen, so nicht !

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  2. Anneliese sagte:

    Also, ich habe bis ein Uhr durchgehalten und bin dann – nach der Rede von Wettich – eingeschlafen. Da hatte Wolf bereits gesprochen und der Tweet von Poldi war online.
    Ich persönlich finde es richtig, dass klargestellt wird, dass der Vorstand NICHT mit Poldi spricht, sondern Wehrle. (In welcher form er etwas an die Führung weitergibt bleibt mal dahingestellt, ich hatte nicht den Eindruck, man sei informiert) Im Übrigen hatte Podolski diesen Fakt schon vor ein paar Wochen geäußert und ich finde es von Herrn Wolf frech, das gestern nochmal zu wiederholen.
    Im Weiteren: für mich hat es überhaupt keine Größe, dass Herr Wolf sich entschuldigt, sondern ich ERWARTE das von einem Vorstand sogar. Dieses Eingeständnis war längst überfällig und es bleibt abzuwarten, ob und wenn überhaupt mit welchen Taten dem tatsächlich Rechnung getragen wird.
    Bitte, Herr Werten, stellen Sie nicht etwas als „Größe“ heraus, was der ganz normale Standard im Umgang ist/sein sollte.
    Ansonsten an dieser Stelle besten Dank für ihre gute Berichterstattung im Liveblog gestern.

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  3. Inka sagte:

    Es geht doch gar nicht darum, wer mit wem gesprochen hat, sondern ob der Vorstand tatsächlich voll hinter dem Projekt Podolski, was er ständig öffentlich suggeriert seit dessen Kritik, steht. Wenn der Präsident Alex Wehrle vorschickt, sagt das eine Menge aus, auch wenn der natürlich die fachliche Kompetenz für eine Zusammenarbeit hat. Er ist aber nicht der Boss. Ich muss doch als Verein zeigen, wie ich mich über das Engagement freue, und da lade ich als Präses den Poldi medienwirksam zu Gesprächen ein, zeige mich und mein Interesse. Und den Verein vertritt in solchen Fragen nun mal der Präsident, nicht Alex Wehrle. Der macht dann besser das Geschäftliche, von dem dieser Vorstand offensichtlich überhaupt keine Ahnung hat. Wolf hat Lukas Podolski an den Katzentisch gesetzt wie weiland Erdogan Frau von der Leyen. Symbol- und Bildersprache. Und in Ausreden nie verlegen. Poldi verprellen, kommt nicht gut an bei den Fans, also tun wir so als ob. Aber wirklich gebrauchen kann ihn Herr Wolf offenbar nicht. Was für ein Trauerspiel. Jetzt wird auch noch Poldi beschädigt…;-) Die lernen es nie.

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  4. Brutus Cesar sagte:

    Also dass Wolf sich entschuldigt hat finde ich sowohl angemessen, als auch ein Zeichen von Größe. Auch bei anderen Präsidenten der Vergangenheit wäre es angemessen gewesen aber entschuldigt hat sich von ihnen keiner. Hier hat Wolf bei mir auf jeden Fall ein paar der verlorenen Sympatiepunkte wieder zurückgewonnen. Jetzt muss er sich an seinen Worten messen lassen. Auch der Vorstand sich ja lieber an Taten statt an Worten messen lassen will. :-D

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