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Passt zu Baumgarts Spiel: So tickt Neuzugang Ljubicic


Dejan Ljubicic ist einer von bislang vier Neuzugängen beim 1. FC Köln. Der ehemalige Kapitän von Rapid Wien unterschrieb ligaunabhängig und soll das defensive Mittelfeld der Geißböcke stärken. Warum er zum FC wechselte und wo der Österreicher seine Stärken und Schwächen sieht erklärte Ljubicic in seiner ersten Woche am Geißbockheim. 

Köln – Als der 1. FC Köln am 26. April Dejan Ljubicic als Neuzugang vorgestellt hatte, standen die Geißböcke gerade auf dem Relegationsplatz und im Abstiegskampf bereits mächtig unter Druck. Durch die erfolgreichen Nachholspiele von Hertha BSC rutschten die Kölner bekanntermaßen bis zum letzten Spieltag sogar noch auf einen direkten Abstiegsplatz ab. Für Ljubicic allerdings kein Problem. Der Österreicher hatte sich unabhängig der Ligazugehörigkeit für einen Wechsel nach Köln entscheiden. „Ich habe beim letzten Spiel gezittert, dass der FC die Klasse hält“, gab der Neuzugang am Donnerstag in einer Medienrunde zwar offen zu. Trotzdem hätte er auch bei einem möglichen Abstieg den FC als nächsten richtigen Schritt gesehen.

Der FC tickt ähnlich wie Rapid

„Mein Vertrag lief aus, und im Januar begannen die Gespräche mit mehreren Vereinen. Ich hatte auch andere Angebote aus Deutschland, aber der FC hat sich sehr um mich bemüht. Deshalb wollte ich hierher“, blickte der 23-jährige auf seine Entscheidungsfindung im letzten halben Jahr zurück. Gerüchten zufolge sollen dabei nicht nur andere Bundesligisten an einer Verpflichtung von Ljubicic interessiert gewesen sein. Aussagen, der Österreicher wäre schon in der italienischen Hauptstadt gewesen, um mit dem AS Rom zu verhandeln, dementierte er aber. „Das stimmt nicht“, sagte Ljubicic. Ob er stattdessen in einer anderen italienischen Stadt gewesen wäre? „Ja“, gab der defensive Mittelfeldspieler lächelnd zu.

Am Ende zog es Ljubicic aber insbesondere aufgrund der sportlichen Perspektive zum 1. FC Köln. Bei den Geißböcken ist Ljubicic nach dem großen personellen Umbruch im Mittelfeld fest eingeplant. Aus der vergangenen Saison sind nur noch Jonas Hector, Salih Özcan und Ellyes Skhiri in der Defensiv-Zentrale übrig geblieben. Letzterer gilt bekanntermaßen als Verkaufskandidat. Dass Ljubicic nach vielen Jahren bei Rapid Wien nun erneut bei einem Traditionsklub gelandet ist, freut den Rechtsfuß dabei besonders. „Der FC tickt ähnlich wie Rapid. Köln ist natürlich noch mal größer“, erklärte der Neuzugang, der die Ziele von Steffen Baumgart bereits übernommen hat: „Der FC will nicht nur gegen den Abstieg spielen, sondern ins Mittelfeld. Dazu möchte ich mit meinen Qualitäten beitragen.“ Zu seinem neuen Trainer, der bei dessen Verpflichtung kurioserweise noch gar nicht feststand, sagte Ljubicic: „Ich habe einen super Eindruck. Er pusht uns schon sehr und ich bin gespannt, wie das in den nächsten Wochen weitergeht.“

Der größte Unterschied in der Bundesliga

Trotz seiner noch jungen Jahre hatte der gebürtige Wiener bei Rapid sogar die Kapitänsbinde getragen. Dabei gilt Ljubicic eher als introvertiert denn als großer Lautsprecher. „Ich hatte damals Angebote und Rapid hat mich mit der Binde gelockt“, sagte der Mittelfeldspieler mit einem Augenzwinkern, fügte aber seine Wertschätzung für dieses Amt bei seinem Heimatverein hinzu: „Es war mir eine Ehre, für mich gab es nur diesen Klub, weil ich dort aufgewachsen bin.“ Nun sei es für den Österreicher jedoch an der Zeit für den nächsten Schritt.

Statt in der Österreichischen Bundesliga wird Ljubicic in der kommenden Saison in Deutschland seine Qualitäten unter Beweis stellen müssen. Dass der Sprung aus dem Nachbarland in das deutsche Oberhaus nicht immer einfach ist, hat bereits der Wechsel von Louis Schaub gezeigt, der 2018 ebenfalls von Rapid ans Geißbockheim gewechselt war. „Das Tempo ist viel höher, das merkt man sofort. Daran muss ich mich Schritt für Schritt gewöhnen“, erklärte Ljubicic seinen Eindruck der ersten Trainingswoche bei einem Bundesligisten.

Ich muss in die Kraftkammer

Von seiner Physis her wirkt Ljubicic seinem potentiellen Vorgänger auf der Sechs, Ellyes Skhiri, schon sehr ähnlich. Genau wie der Tunesier ist der Österreicher eher schmächtig, dafür mit 1,87m relativ groß gewachsen. Und auch seine Stärken beschreibt Ljubicic ähnlich denen von Ellyes Skhiri, der beim FC als Wechselkandidat gilt: „Ich bin ein schneller Sechser, kann sehr viel laufen.“ Es gibt aber auch Unterschiede zu dem zweitbesten Scorer der vergangenen Saison. Während Skhiri eher als ruhiger Ballverteiler gilt, soll es mit Ljubicic nun schneller nach vorne gehen: „Wenn ich den Ball erobere, kann ich schnell umschalten, die Bälle in die Schnittstelle spielen“, erklärte der Spieler. Eigenschaften, die fast schon prädestiniert sind für das von Baumgart geforderte Spiel.

Als kompletter Spieler sieht sich Ljubicic, dessen Eltern bosnische Kroaten sind und vor dem Krieg nach Österreich geflohen waren, aber längst nicht, „Es gibt auch Dinge, die ich verbessern muss und will“, gab er zu. „Deshalb bin ich auch hier. Mein defensives Kopfballspiel muss ich verbessern – und in die Kraftkammer muss ich“, fügte Ljubicic lachend an, der sich vor seinem Wechsel bereits einige Ratschläge über den FC eingeholt hatte. Nur von zwei Österreichern mit FC-Vergangenheit nicht: Toni Polster und Peter Stöger. „Nein, das sind Austrianer. Ich bin Rapidler.“

 

 

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