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Skhiri-Double? Ljubicic: „Ich weiß, dass uns viele vergleichen“


Dejan Ljubicic gilt als designierter Nachfolger von Ellyes Skhiri, der den 1. FC Köln bei einem passenden Angebot verlassen darf. Der Österreicher will sich nach seinem ablösefreien Wechsel von Rapid Wien bei den Geißböcken so schnell wie möglich durchsetzen. Von Trainer Steffen Baumgart ist er begeistert. Der GEISSBLOG.KOELN traf den 23-jährigen zum Gespräch.

Das Interview führten Sonja Eich und Marc L. Merten

GBK: Herr Ljubicic, die ersten Tage beim 1. FC Köln liegen hinter Ihnen. Wie fühlen Sie sich bei ihrem neuen Klub?

Dejan Ljubicic: „Sehr gut. Die Mannschaft ist richtig toll, alle unterstützen mich. Meine Frau und meine kleine Tochter fühlen sich auch sehr wohl in Köln. Das ist das Wichtigste.“

Was versprechen Sie sich von Ihrem Wechsel zum FC?

Ich will hier Spaß haben, mich fußballerisch und menschlich weiterentwickeln. Die deutsche Bundesliga ist ganz anders als in Österreich. Ich bin gekommen, um der Mannschaft zu helfen. Der Verein hat mich nicht umsonst geholt, denke ich. Und wir wollen nicht wie im letzten Jahr nur gegen den Abstieg spielen.

Das Coaching ist nicht so meine Stärke

Wie können Sie der Mannschaft aus Ihrer Sicht am besten weiterhelfen?

Das Coaching ist nicht so meine Stärke, weil ich eher ruhiger bin. Ich kann sehr viel laufen und eine Mannschaft dadurch auch in den letzten Minuten, wenn sie schon müde ist, pushen. Ich denke, ich bin spielstark, aber das müsst Ihr dann beurteilen (lacht). Als Sechser bin ich auch relativ schnell.

Die Rolle des Dauerläufers hatte in der vergangenen Saison Ellyes Skhiri eingenommen. Könnten Sie sich vorstellen, zukünftig in seine Rolle hineinzurutschen, sollte er den Verein noch verlassen?

Ich weiß, dass mich viele mit ihm vergleichen. Aber ich weiß bislang zu wenig über ihn, als dass ich das einschätzen könnte – das will ich auch nicht. Ich habe ihn nicht im Speziellen verfolgt, sondern die gesamte Mannschaft. Gehört habe ich, dass er ein richtig guter Spieler ist und wie ich unheimlich viel läuft. Von solchen Spielern kann man sich viel abschauen.

Sie sind defensiver Mittelfeldspieler. Die Position lässt sich aber auch flexibel interpretieren. In welchem System fühlen Sie sich am wohlsten?

Ich habe schon alles Mögliche gespielt, innen in der Dreierkette, als Libero sozusagen. Aber auch auf der Doppel-Sechs, als alleiniger Sechser oder als Box-to-Box-Spieler. Aber auf der Doppel-Sechs fühle ich mich eigentlich am wohlsten.

So lief das Missverständnis mit Chicago

Sie haben ihren Vertrag beim FC ligaunabhängig unterschrieben. Trotzdem haben Sie sicher gegen Ende der Saison gezittert. Wie haben Sie die entscheidenden Spiele in der Relegation verfolgt?

Am Tag des Rückspiels war die Taufe meiner Tochter. Mein Vater hat total mit mir mitgefiebert. Wir haben mit der Familie zusammengesessen und das Spiel lief nebenher. Wir haben uns dann richtig gefreut. Aber ich habe gewusst, dass der FC das packen wird.

Sie haben mit Louis Schaub bei Rapid Wien 2017 noch gemeinsam gespielt. Haben Sie sich im Vorfeld Ihres Wechsels mit ihm ausgetauscht?

Er hat mir geschrieben, als der Wechsel feststand. Davor hatte ich mich nicht bei ihm erkundigt, wie der FC tickt. Damals war ich noch jung, da habe ich noch nicht so viel mit der Mannschaft gesprochen.

Im Januar 2020 wären Sie fast nach Chicago in die MLS gewechselt. Der Transfer kam damals nicht zustande, weil die Ärzte bei Ihnen fälschlicherweise einen Kreuzbandriss festgestellt hatten. Können Sie nochmal erzählen, warum Sie damals den Schritt in die USA gehen wollten?

Ich war damals ein bisschen unzufrieden bei Rapid und wollte den nächsten Schritt machen. Dann hatte ich gehört, dass mich Chicago verpflichten will. Es ist relativ schnell gegangen. Wir waren im Trainingslager, ich bin nach Wien zurückgeflogen, habe meine Sachen gepackt und bin weiter nach Chicago. Dort habe ich dann den Schock erlebt, dass ich einen Kreuzbandriss haben soll. Also musste ich zurück nach Wien und mich neu beweisen. Wichtig für mich war, dass unsere Ärzte gesagt haben, dass ich keinen Kreuzbandriss hatte und wieder normal Fußball spielen konnte. Rückblickend war das einfach komisch.

Ich singe gerne jugoslawische Lieder

Aber bei allem Respekt gegenüber der MLS: Wenn man den nächsten Schritt machen will, ist das nicht unbedingt die Liga, die einem als erstes einfällt.

Ich hatte damals einfach nicht so viele andere Angebote. Ich wusste, dass Bastian Schweinsteiger dort gespielt hat. Es ist auch nicht unbedingt eine schlechte Liga, man investiert dort mittlerweile sehr viel in den Fußball. Als junger Mensch möchte man gerne auch mal etwas Neues kennenlernen.

Sind Sie denn rückblickend froh, wie es gelaufen ist?

Auf jeden Fall (lacht). Ich bin froh, dass ich jetzt hier unterschrieben habe.

Sie sind in Wien geboren, ihre Eltern kommen aber aus Bosnien und Herzegowina. Sind Sie dort noch verwurzelt?

Ich singe gerne jugoslawische Lieder (lacht). Aber es stimmt, meine Eltern sind kurz vor dem Krieg nach Österreich geflüchtet. Heute habe ich nur noch ganz wenige Verwandte dort. Die meisten aus der Familie sind inzwischen in Australien, einige auch in Deutschland. Ich habe eine ganz große Familie. Meine Mutter hat elf Geschwister, mein Vater acht.

Von Baumgart bin ich überrascht

Sie selbst haben drei Geschwister. Ihre Bruder Robert ist zur neuen Saison von St. Pölten zu Rapid gewechselt und tritt praktisch in Ihre Fußstapfen.

Ja, das stimmt, er ist quasi mein Nachfolger. Er braucht aber keine Ratschläge von mir, er tickt auch ganz anders als ich.

Was nehmen Sie aus Ihren ersten Tagen beim FC bisher mit? Welche Lehren konnten Sie schon ziehen?

Auf jeden Fall die Intensität. Das Tempo ist hier viel höher als bei Rapid, selbst im Training. Auch das professionelle Leben, wie zum Beispiel ein gemeinsames Essen zwischen den Trainingseinheiten. So bringt man eine Gemeinschaft zusammen. Das kannte ich bisher nicht. Ich will mich schnellstmöglich anpassen, denn ich bin hierhergekommen, um zu spielen.

In ganz Köln wird über den neuen Trainer, Steffen Baumgart, diskutiert. Wie haben Sie ihn bislang wahrgenommen?

Super. Da bin ich sogar auch ein bisschen überrascht. Klar, jeder Trainer hat eine eigene Philosophie. Aber wie er uns über 90 Minuten pusht und an der Seitenlinie mitgeht, auch in den Testspielen, freut mich total.

Sind Sie ein Spieler, der das Feuer von der Seitenlinie braucht?

Ja, schon (lacht).

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