,

Lehren des Spiels: Der FC hält, was Baumgart verspricht


Zum dritten Mal in Folge hat der 1. FC Köln am Wochenende 1:1 gespielt. Ein Ergebnis, das zunächst unspektakulär klingt, allerdings im Falle des FC einiges an Spektakel bedeutet. Wieder einmal lieferten sich die Geißböcke ein packendes und intensives Spiel mit Eintracht Frankfurt, inklusive einem Jubilar und einer bitteren VAR-Entscheidung. Die Lehren des Spiels. 

Aus Frankfurt berichtet Sonja Eich 

Geschichte des Spiels: Die Partie am Samstag versprach intensiv zu werden – und sie enttäuschte nicht. Mit Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Köln trafen immerhin zwei der laufstärksten Teams aufeinander, die zudem auch noch mit die meisten intensiven Läufe sowie Sprints der Liga absolvieren. Letztlich zeigte sich das auch auf dem Platz: 117 Kilometer (FC) zu 116 bei den Frankfurtern. Nur zwischen Union Berlin und Arminia Bielefeld wurden am Samstag noch mehr Meter abgespult als im Deutsche Bank Park. Mit 14:10 Torschüssen, 76 Prozent Passquote, 54 Prozent Ballbesitz und 55 Prozent Zweikampfquote war der FC den Frankfurtern am Ende auch in den wichtigen Statistiken überlegen, musste sich aber dennoch mit einem Punkt zufrieden geben.

Spieler des Spiels: Rafael Czichos gehörte am Samstagnachmittag mit seiner Ruhe und Übersicht nicht nur zu den besten Spielern auf dem Platz. Gleichzeitig feierte der Innenverteidiger auch ein Jubiläum: Der Auftritt bei Eintracht Frankfurt war das 100. Pflichtspiel des 31-jährigen im FC-Dress. Damit liegt Czichos nun mit Alexander Bade, Carl-Heinz Rühl und Frederik Sörensen gleichauf auf Platz 100 aller aktiver und ehemaliger Spieler des 1. FC Köln. Bleibt der Abwehrspieler gesund, dürfte Czichos in dieser Saison aber noch einige Plätze nach oben klettern.

Drei Pechvögel des Tages

Pechvogel des Tages: Hier eine Entscheidung zu treffen, fällt angesichts der zahlreichen Verletzungen am Samstagnachmittag schwer. So mussten mit Erik Durm, Luca Kilian und Benno Schmitz gleich drei Spieler aufgrund einer Kopfverletzung ausgewechselt werden. Auch Timothy Chandler hatte es beim Zusammenprall mit Schmitz am Kopf erwischt. Der Frankfurter konnte aber in der Pause genäht werden und das Spiel noch zu Ende bringen. So war die Partie zwischen der Eintracht und dem FC zwar kein übermäßig hartes, unglücklich waren die zahlreichen Luft-Zweikämpfe aber allemal.

Zahl des Spiels: Diese zahlreichen Zweikämpfe und Verletzungsunterbrechungen sorgten am Samstag auch für eine ungewöhnliche Nachspielzeit: Ganze acht Minuten schlug Schiedsrichter Martin Petersen auf die erste Hälfte drauf. Zu diesem Zeitpunkt waren die anderen Spiele des Nachmittags bereits lange Zeit in der Halbzeitpause.

Das Ergebnis: Das 1:1 scheint so etwas wie das neue Lieblingsergebnis der Kölner geworden zu sein. In den letzten drei Partien mit FC-Beteiligung waren beide Mannschaften jeweils einmal erfolgreich. Dabei waren es auch drei Mal die Geißböcke, die mit 1:0 in Führung gehen konnten, diese am Ende aber nicht über die Zeit brachten. Fest steht aber auch: So unspektakulär, wie dieses Ergebnis eigentlich klingt, war jedoch keines der drei Spiele.

Szene des Spiels: So wild wie das gesamte Spiel, war auch die Situation in der 68. Minute, als Kingsley Ehizibue einen Pass auf Jorge Meré spielte, der jedoch von Daichi Kamada bereits in Bedrängnis genommen wurde. So verlor der Spanier den Ball an den Japaner, holte ihn sich mit einer beherzten Grätsche wieder zurück, nur um ihn dann Sekunden später erneut zu verlieren. In der Folge spielten die Frankfurter schnell nach vorne, Meré sprintete ebenfalls mit zurück und klärte die Flanke gerade noch zur Ecke, wobei der Ball bei seiner Rettungsaktion nur knapp neben dem eigenen Tor heruntergekommen war.

Abseits oder nicht?

Pfiff des Spiels: Die Spieler hatten sich in der 55. Minute bereits wieder am Mittelkreis zum Anstoß versammelt. Florian Kainz hatte die Kölner zuvor vermeintlich in Führung geschossen, als sich doch noch der VAR einschaltete. Dem Treffer war ein Schuss von Duda vorausgegangen, bei dem Modeste hauchzart im Abseits gestanden hatte. Da der Franzose anschließend aktiv in die Situation eingriff, wurde der Treffer wieder einkassiert. Strittig blieb die Situation dennoch: Denn je nach dem, in welchem Moment von Dudas Schussabgabe man das Bild anhielt und die Abseitslinie zog, stand Modeste im Abseits – oder aber auch nicht. An den Fernsehbildern war die Situation für viele Zuschauer daher nicht ganz so klar zu erkennen wie für den Kölner Videokeller. Kurios zudem: Während im Deutsche Bank Park die Entscheidung, das Tor aufgrund der Abseitsposition nicht zu geben, bereits auf dem Videowürfel angezeigt wurde, hatte Schiedsrichter Petersen diese Information anscheinend noch nicht mitgeteilt bekommen. Im Frankfurter Stadion brandete also bereits der Jubel auf, während die Entscheidung auf dem Platz noch nicht offiziell war.

Erkenntnis des Spiels: Steffen Baumgart hatte vor der Saison offensiven Fußball beim 1. FC Köln versprochen. Alles andere würde den Trainer selbst an der Seitenlinie langweilen. Nach nun sechs Spieltagen lässt sich uneingeschränkt festhalten: Der FC hält, was Baumgart verspricht. Und langweilig dürfte einem bei Spielen der Kölner so schnell auch nicht werden.

 

 

22 Kommentare
  1. Felix Zwaier sagte:

    Das war ganz klar Abseits, meine Taschen sind auch immer gut gefüllt. Dank des VAR kann man sich nun viel länger Zeit lassen um mit den entsprechenden Vereinen über die Entscheidung zu verhandeln.

    Spaß beiseite, aber wird irgendwann mal öffentlich, dass der VAR korrupt ist, wars das für mich mit Fussball. Aber das der Schiedsrichter da kein Mitspracherecht mehr hat, müsste doch wohl nun wirklich jedem klar geworden sein. Von wegen klare Fehlentscheidung, wenn es so wäre, hätte es bessere Wiederholungen gegeben, mit Linie. Die acht Minuten Nachspielzeit finde ich zwar grundsätzlich auch in Ordnung, aber warum gab es im letzten Spiel, wo köln kurzzeitig die Oberhand gewonnen hat, nur drei Minuten trotz mehreren minutenlangen VAR Entscheidungen?

    Kommentar melden
    • Marvin Held sagte:

      1. Bei Abseitsentscheidungen hat der Schiedsrichter kein Mitspracherecht. Da entscheidet der VAR alleine mittels kalibrierter Linie. Dazu braucht es den Schiedsrichter nicht mehr.
      2. Bei Abseitsentscheidungen gilt das Prinzip Abseits oder kein Abseits. Daher gibt es entweder Fehlentscheidungen oder richtige Entscheidungen. Hier muss also nicht wie bei Fouls oder Handspielen über die Klarheit der Entscheidung diskutiert werden.
      3. Die Nachspielzeit war wohl vor allem wegen der vielen Verletzungen und Auswechslungen, der VAR allein hat nicht so lange gebraucht.

      Zu 1. und 2.: Dein Nicht-Verständnis zeigt leider, woran der VAR (auch) scheitert. Leider ist vielen Fans immer noch unklar, wann er wie eingreift und eingreifen darf. Hier haben DFB, DFL und nicht zuletzt Sky & Co. ziemlich versagt, wenn solche Grundlagen auch nach Jahren noch diskutiert werden. Die Performance einiger weniger VARs tut dann ihr übriges.

      Kommentar melden
      • Felix Zwaier sagte:

        Zu 1. Es gab keinen eindeutigen frame, videos werden in frames per second aufgenommen. Das zeigt dein Unverständnis, zu glauben, mit videos klare Entscheidungen treffen zu können. Beweis dafür ist die Abseitzentscheidung von Modeste wo ich immernoch keine vernünftige Wiederholung sehen konnte. Entweder man Stoppt kurz vor berühren des Balls, wo mo klar noch nicht im abseits steht, oder den frame wo der Ball schon bestimmt 20-25 cm vom Fuß ist und wo mo mit dem linken Nippel im abseits steht. Der Arm kann es ja auch nicht gewesen sein (HANDSPIEL).

        2. Der VAR hat im Spiel gegen Freiburg, in der ersten Halbzeit 4 mal eingegriffen, zweimal über drei Minuten lang und die Nachspielzeit lag, trotz weiterer Fouls und Tore, bei drei Minuten. Die Formel zu dieser Rechnung möchte ich auch noch einmal sehen um in die Nähe deines allgemeinen Verständnis zu kommen.

        Kommentar melden
  2. Ulrich Treimer sagte:

    Man sucht immer die Stecknadel im Heuhaufen. Die Schulter soll mimimal im Abseits gewesen sein und damit wird dann ein riesiger Torwartfehler wieder einkassiert. Für mich eine peinliche Regelauslegung. Und wenn Mo den Ball mit der Abseitsschulter reingemacht hätte wäre es Handspiel gewesen. Alles sehr armselig.

    Kommentar melden
  3. OlliW sagte:

    Mo stand mit der obersten Schicht seiner Schulterhaut im Abseits. Weil man mit diesem Körperteil theoretisch ein Tor hätte erzielen können oder kann, wurde es zurückgenommen. Hätte er mit einem Teil seiner Schulter nicht im Abseits gestanden und hätte dann aber mit eben diesem Körperteil ein Tor erzielt, hätten alle HAND! gerufen und es hätte nicht gezählt.

    Kommentar melden
  4. Kurti sagte:

    Es ist einfach nur Willkür was der VAR in den meisten Fällen entscheidet.
    Niemand kann in dieser Situation es beurteilen, ob das Trikot bim Abseits war.
    Dann werden noch ein paar idiotische Linien irgendwo hingemalt, um das zu rechtfertigen.

    Da der Schiedsrichter alles gesehen hat, war es eine Tatsachenentscheidung.

    Kommentar melden
  5. Martin Duda sagte:

    Im Artikel wird exakt eines der VAR-Probleme, welches ich letzte Woche schon geschildert hatte, aufgegriffen. Da bekam ich. nachdem die VAR-Entscheidung letztes mal für den FC wahr eher Gegenwind.
    Es mag vielleicht noch möglich sein, eine Körperposition in der Bewegung auf wenige cm genau festzustellen. ABER der genaue Zeitpunkt, an dem der Ball den Fuß (oder ein anderes Körperteil) verlässt, das heißt, genau den Zeitpunkt ab dem Ball und Körper keine Berührung mehr haben, ist mit einer oder auch mehreren Kameras von der Tribüne aus doch gar nicht auszumachen. Dieses eine Bild (Zeitpunkt) wird doch dann mehr oderweniger willkürlich festgelegt. Das ist dann das was über Abseits oder nicht entscheidet.
    Wählt man diesen Frame dann ein wenig früher oder später, kann letztendlich die Entscheidung anders ausfallen.
    Fazit: Der VAR wird auch nur von Menschen bedient, und die technischen Daten werden dann von Menschen subjektiv ausgewertet

    Kommentar melden
  6. OlliW sagte:

    Genau. Dieser exakte Zeitpunkt ist nicht genau zu ermitteln. Es wird aber so getan, als sei das objektiv möglich. Wenn es um Millimeter geht, ist das sehr ärgerlich. Wenn es um halbe Körperlängen geht, kann man das machen. Im Mos Fall kann man sehr schön sehen, was aus „Gleicher Höhe“ oder „im Zweifel für den Stürmer“ geworden ist: Bürokratie im Zweifel gegen den offensiven Fußball.

    Kommentar melden
    • andi sagte:

      Genau so sehe ich das auch. Die Tatsachenentscheidung war ganz klar Tor, da ein menschliches Auge dieses vermeindliche Abseits nie erkennen kann. Aber der VAR wollte in einem geilen Spiel wohl mit aller Gewalt seinen Stempel aufdrücken. Mit solchen Mikroskopentscheidungen wird der VAR wohl nie volle Akzeptanz erreichen.

      Kommentar melden
  7. FC Neukoelln sagte:

    „Rafael Czichos gehörte am Samstagnachmittag mit seiner Ruhe und Übersicht nicht nur zu den besten Spielern auf dem Platz.“

    Nanu? Da muss Sonja wohl „Ruhe“ mit „Langsamkeit“ und „bester“ mit „schlechtester“ verwechselt haben. Kommt ja mal vor an so einem ernüchternden Wahlkater-Morgen.
    „Übersicht“ kann hier nur als Synonym gemeint sein für einen weiteren seiner Auftritte als Hans-Guck-in-die-Luft-Double. Ausserdem fehlt Czichos in der Statistik derjenigen, denen nach dem Spiel ein Brummen im Schädel attestiert wurde, wobei das bei Czichos auch schon vor dem Spiel da war – weil es immer da ist.
    Anders kann man sich das ja gar nicht erklären.

    Kommentar melden
  8. Gerd1948 sagte:

    Wer will denn jetzt entscheiden wollen, ob bei Forsberg letzte Woche zu früh oder zu spät die Linie gezogen wurde? Ich konnte deswegen mit der Entscheidung leben. Womit ich nicht einverstanden bin ist die Entscheidung, dass einzelne Körperteile dafür sorgen, Spieler ins Abseits zu pfeifen. Auch diese Regel sollte wie die Handregel modifiziert werden. Abseits ist der, der mit dem ganzen Körper neben der kalabrierten Linie zu sehen ist, ansonsten gleiche Höhe. Aber es ist ja nicht neu, dass dies Leute entscheiden, die vllt nicht ganz so lang Fußball gekickt haben.
    @ Herr Zwaier, ich hätte demnach schon jetzt keine Lust mehr uir Pfeiferei, wenn ohr insgesamt wisst, dass ihr nur noch Mittel zum Zweck seid. Es wurde nach Nibelungenart beteuert, dass die Spielleitung und dazu zähle ich jede Entscheidung, letzten Endes in eurer Entscheidung bleibt. Dies tut sie nicht, wenn der VAR willkürlich eingreift, eben bei nicht klaren Fehlentscheidungen. Tore werden immer berprüft, also ist bei dieser Szene m.E. dem VAR diesmal nichts vorzuwerfen. Warum man allerdings nicht einfach Verletzungsunterbrechungen und Videobeweise zeitlich erfasst und einheitlich oben drauf leitet, erschließt sich mir nicht.

    Kommentar melden

Hinterlasse einen Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar