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100 Tage im Amt: Was Baumgart verändert hat – was er vor hat


Seit dem 1. Juli 2021 ist Steffen Baumgart Trainer des 1. FC Köln. Damit ist der 49-jährige seit diesem Wochenende 100 Tage im Amt. Sieben Bundesliga-Spiele, zwölf Punkte und Platz sechs stehen nach dieser Startphase zu Buche. Der FC-Coach hat in kürzester Zeit dem Klub seinen Stempel aufgedrückt. Aber was hat er wirklich schon verändert? Und was hat Baumgart noch vor? 

Das hat Baumgart schon verändert

Stimmung: Der schnelle, sportliche Erfolg kommt nicht von ungefähr. Als Baumgart beim FC anfing, musste er seinen Spielern erst einmal ein anderes Gefühl für ihre Stärken und Leistungsfähigkeit geben. Der Fast-Absteiger hatte sich erst in der Relegation gerettet, hatte seit Beginn der Corona-Pandemie Angsthasen-Fußball gespielt. Doch seit Baumgart da ist, herrscht eine erfrischende, positive, sich gegenseitig motivierende Stimmung in die Mannschaft. Die Spieler haben Spaß im Training und im Spiel. Der Trainer ist mit dem Herzen dabei, wird laut, fordert – aber fördert. Immer zu spüren: sein Respekt vor den Spielern, wenn diese alles geben, unabhängig vom Resultat.

Taktik: Diese Stimmung passt zu dem Fußball, den Baumgart spielen lassen will. Der FC-Trainer betont immer wieder, dass man ihn nicht auf reine Emotionen reduzieren sollte. Zurecht: Der 49-jährige hat eine klare Vorstellung vom taktischen Verhalten seiner Spieler, vom hohen Anlaufen, von den Spielzügen insbesondere über die Außenbahnen, vom sofortigen Gegenpressing bei Ballverlusten und von einer offenen, aber dazu passenden Restverteidigung. Baumgart geht Risiko, und die Spieler gehen mit. Sie teilen das gemeinsame Motto: Tore schießen macht mehr Spaß als Tore verhindern.

Personal: Die Spieler lieben diesen Spielstil, und das ist wohl der entscheidende Faktor für den bisherigen Erfolg. Baumgart kam nicht nach Köln und stülpte dem FC eine x-beliebige Taktik über. Er hat die Spieler vom ersten Tag mitgenommen auf seinem Weg, aus einem offensiven Spielstil und den zurückkehrenden, nach Spektakel dürstenden Fans eine Symbiose zu bilden. Dafür hat er nach reiflicher Überlegung ein 4-4-2 als Grundformation gewählt, weil sich darin die meisten Spieler am besten wiederfinden, und hat dadurch vielen Spielern zu alter Stärke oder kaum erahnter Qualität verholfen. Der Begriff „Bessermacher“ ist eigentlich abgenutzt, bei Baumgart und dem FC passt er bislang aber wie die Schiebermütze auf den Kopf des FC-Trainers.

Das will Baumgart noch ändern

Mentalität: Der Saisonstart ist geglückt, und tatsächlich hat sich schon ein erstaunliches Selbstverständnis unter den FC-Profis für die Spielidee breit gemacht. Doch Baumgart weiß: Er muss dieses zarte Pflänzchen schützen und weiter stärken. Aktuell läuft es, die Spieler strotzen vor Selbstbewusstsein. Doch Baumgart will immer, auch wenn es mal nicht gut läuft, an seiner offensiven Ausrichtung festhalten. Diese Mentalität in den Köpfen der Spielern zu verankern und unverrückbar einzupflanzen, wird noch einige Zeit brauchen. Das Spiel in Freiburg zeigte, dass die Mannschaft durchaus noch in alte Muster verfallen kann. Diese auszutreiben, ist Baumgarts Ziel.

Personal: Der FC-Trainer hat in einigen Interviews bereits durchblicken lassen, dass er bei aller Euphorie eine Eigenschaft in seinem Kader noch vermisst: Geschwindigkeit. Gerade in der Offensive gibt es fast keinen Spieler, der auf eine hohe Endgeschwindigkeit kommt oder über einen herausragenden Antritt verfügt. Diese Qualität würde den FC-Kader taktisch aber noch variabler und gefährlicher machen, insbesondere, wenn sie mit entsprechenden Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins einher gehen würde. Denn auch da haben die Kölner noch Defizite.

Geißbockheim: Baumgart belässt es bei seiner Arbeit schon nach 100 Tagen nicht mehr beim Sportlichen. Der 49-jährige mischt sich ein, wird unbequem für Spieler, Menschen und Institutionen, die dem Erfolg des Klubs und damit Baumgarts Erfolg im Weg stehen könnten. Mit einem flammenden Appell an die Kölner Politik hat er die Diskussion um den Geißbockheim-Ausbau neu befeuert. Er fordert: „Wir brauchen sehr, sehr viel Hilfe. Und da will ich nicht hören, was alles nicht geht, sondern das, was geht.“ Baumgart, der Forderer. Baumgart, der Förderer. Der FC-Coach packt an – in allen Bereichen beim FC.

8 Kommentare
  1. Gerd1948 sagte:

    Ich machs kürzer: Nullstellung. Nach dem Nichtabstieg konnte man auf Null setzen. Jeder hatte die Chance sich noch mal kurz zu zeigen, bis auf die ganz wenigen, die außen vor waren, ob sie jetzt Ostrak oder Schaub heißen. Hauptmann ja auch. Schindler und andere. Der Trainer versucht täglich alle mitzunehmen und gibt das Vertrauen, jeder weiß, dass er es wieder in den Spieltagskader schaffen kann, Jungprofis haben viele Chancen sich über verschiedene Modelle anzubieten. Die Spielidee ist natürlich eine völlig entgegengesetzte, die ,wie man sieht aber eher Stärken frei setzt und nicht Probleme offen zu Tage legt. Dies ist der größte Unterschied, Baumgart sucht und vertraut auf die Stärken, die jeder Spieler mit bringt.

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  2. Klaus Höhner sagte:

    Ich muss auch gestehen das ich meine bedenken hatte nach dem Pokalspiel.Der Start in die Saison hat mich eines besseren belehrt,vor allen Dingen das die Mannschaft auch nach Rückschlägen weiter nach vorne spielt das kennt man garnicht mehr.Die mutige Spielweise birgt natürlich auch Gefahren aber die nimmt der Trainer in Kauf das zeugt von Selbstbewustsein.Es werden auch wieder Niederlagen kommen ,wenn man in den kommenden 4 Spielen 6 Punkte holt alles bestens .Auf gehts FC.

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    • Gerd1948 sagte:

      Also von möglichen 93 sollten nach dem holprigen Start schon am Ende 80 Punkte drin sein, dann sehen wir unterm Strich für was die reichen.
      Kommt immer drauf an wie und mit welchen Mitteln man versucht Rückstände zu egalisieren. Besonders wenn ein Rückstand in der ersten Halbzeit zustande kommt braucht man nichts gravierendes zu ändern. Sobald man die Ordnung verliert wird man auf Dauer meist als zweiter Sieger vom Platz gehen.

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    • Carlo Korrupto sagte:

      Ich glaube wir können nicht wirklich beurteilen, warum er das 4-4-2 gewählt hat. Allerdings passt das gewählte System sehr gut zum Kader, daher halte ich es schon für möglich, dass er sich bei anderem Spielermaterial auch anders hätte entscheiden können.
      In der Vorbereitung hat er auch andere Systeme getestet. Aber für ein 4-2-3-1 System z.B. fehlen dem Kader die passenden, schnellen Flügelspieler.

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