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Vier Innenverteidiger: Wer hat laut Daten die Nase vorn?


Es ist wohl eine der umkämpftesten Positionen beim 1. FC Köln: Während Rafael Czichos in der Innenverteidigung gesetzt ist, streiten sich daneben Jorge Meré, Luca Kilian und Timo Hübers um den Startplatz. Bislang schien sich der Spanier einen Vorteil erspielt zu haben – doch was sagen die Daten? 

Köln – Vier Innenverteidiger – acht Spieltage. Zeit für eine Bestandsaufnahme bei der Performance des Kölner Innenverteidiger-Quartetts bestehend aus Führungsspieler Rafael Czichos, Jorge Meré sowie den Neuzugängen Luca Kilian und Timo Hübers.

Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass Performancedaten von Spielleistungen, die in weniger als 900 Minuten erbracht wurden, nur zum Teil valide sind, da erst eine geringe Menge an Spielzeit zur Bewertung vorhanden ist. Gerade die Leistungen von Timo Hübers (ein Bundesliga-Einsatz) sind hier vor allem der Vollständigkeit halber aufgeführt und mit Vorsicht zu genießen.

Bei einem Blick auf die Statistiken in der Tabelle stechen unmittelbar die starken Leistungen von Czichos heraus, der zwar jüngst gegen Hoffenheim einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte, aber nicht nur Dauerbrenner im Team von Steffen Baumgart ist, sondern auch die Rolle des Abwehrchefs innehat.

Vorweg: Ein Defensivmonster („Defensive Beast“) gibt es unter den FC-Innenverteidigern nicht. Die erfolgreichen Defensivaktionen von Czichos bedeuten im Bundesliga-Vergleich nur Rang 35 (von 55 Innenverteidigern mit mehr als 220 Spielminuten). In etwa genauso verhält es sich auch bei den Defensivzweikämpfen, wo es, wie bereits in der vergangenen Spielzeit, an Qualität mangelt. Meré und Kilian zählen neben dem Mainzer Hack zu den drei schwächsten Defensivzweikämpfern der Liga – ausbaufähig! Hier müssen sich die FC-Verteidiger steigern, denn alle liegen unter dem Ligadurchschnitt von 68 Prozent.

Parameter Rafael Czichos Jorge Meré Luca Kilian Timo Hübers
Spielminuten 21/22 707 524 223 97
Erfolgreiche Defensivaktionen 9.7 9.1 10.1 4.6
Defensivzweikämpfe 5.7 (64%) 4.6 (59%) 10.1 (52%) 7.4 (12%)
Luftzweikämpfe 6.1 (58%) 4.5 (58%) 5.7 (50%) 4.6 (40%)
Abgefangene Pässe 5.2 5.8 4.8 3.7
Angespielt worden 34.8 30.2 23.8 39
Pässe 52.7 (89%) 48.1 (88%) 33.9 (90%) 52 (82%)
Vertikale Pässe 22.5 (82%) 15.3 (79%) 9.7 (83%) 20.4 (59%)
Anteil vertikaler Pässe 43% 32% 29% 39%
Lange Pässe 7.1 (63%) 6.4 (51%) 2.8 (43%) 6.5 (29%)
Pässe ins letzte Drittel 7.6 (72%) 6.9 (65%) 1.6 (75%) 7.4 (63%)
Progressive Pässe 11.7 (77%) 7.9 (70%) 2.8 (57%) 7.4 (50%)
xGBuildup

(Beteiligung an torgefährlichen Spielzügen)

0.29 0.55 0.04 0.02

Meré in einer Statistik Bundesliga-Spitze

Auch im Luftzweikampf lesen sich die 58 Prozent von Czichos und Meré nur durchschnittlich, Luca Kilian hat hier Probleme. Gemessen am dominanten Spielstil liegt die Defensivabteilung auf einem guten Niveau, was das Abfangen von Pässen anbelangt: Alle drei Verteidiger sind hierbei ligaweit in den Top-12 zu finden.

In den Passstatistiken ist vor allem der starke Fokus auf das Vertikalspiel bei Rafael Czichos erwähnenswert, weswegen er unter Baumgart auch gesetzt ist. Nur rund ein Dutzend Bundesliga-Innenverteidiger weisen hier eine bessere Passquote auf. Deutlich risikoscheuer agieren hier Jorge Meré (32 Prozent) und Luca Kilian (29 Prozent), die eher den sicheren Pass zum Nebenmann bevorzugen. Insbesondere bei den Pässen ins letzte Drittel zeichnet sich ein noch deutlicheres Bild, wo Luca Kilian massiv abfällt und nur 1.6-mal in diese Zone spielt, während Czichos 7.6-mal und Meré 6.9-mal den Pass in die Tiefe suchen.

Besonders spannend ist dazu noch der Fakt, dass Meré an etwa doppelt so vielen gefährlichen Spielzügen mit Torabschluss beteiligt war als Czichos, wenngleich dieser, wie gerade erwähnt, die risikofreudigeren Pässe spielt. Kein anderer Bundesliga-Innenverteidiger kommt auf einen Wert von 0.55 xG, an denen der Spanier auf 90 Minuten gerechnet in der Entstehung beteiligt ist.

Fazit

Beide FC-Innenverteidiger haben ihre Qualitäten im Aufbau- (Meré) und Übergangsspiel (Czichos), während Luca Kilian das Risiko meidet und sich auf sichere Pässe beschränkt. Dies führt allerdings auch dazu, dass der Youngster seltener angespielt wird. Timo Hübers ist aufgrund geringer Einsatzzeit noch nicht valide einzuschätzen, gilt aber ebenfalls als „ballspielender Innenverteidiger“. Ein robuster, zweikampf- und kopfballstarker Innenverteidiger würde Köln durchaus gut zu Gesicht stehen, gerade im Falle eines Ausfalls des Sechsers Ellyes Skhiri, der die Innenverteidigung erheblich entlastet, was Eins-gegen-Eins-Duelle anbelangt. Dieser zählt auch in dieser Saison zu den sechs zentralen Mittelfeldspielern mit den meisten erfolgreichen Defensivaktionen.

Dieser Text stammt von CREATEFOOTBALL Solutions, einer Fußball-Consultancy, die mit ihrem Know-How im Bereich Datenscouting national wie international professionelle Fußballclubs strategisch und ganzheitlich in der Kaderplanung berät und zudem mit Berateragenturen sowie Medienanstalten kooperiert. Mehr Informationen unter: www.createfootball.com

28 Kommentare
  1. Kurti sagte:

    Dem FC würden auf einigen Positionen bessere Spieler gut tun.
    Leider ist von den dilettantisch arbeitenden GF Sport Armin Veh und Horst Heldt dieser Kader zusammengestellt worden, zudem ausgestattet mit grotesken Laufzeiten einiger Verträgen und üppigen Gehältern.

    Somit ist für mehr Qualität schlicht kein Geld da.

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    • Michael H sagte:

      Zu Czichos: natürlich hat es gute Gründe, warum er spielt. Allerdings sehe ich das Problem bei ihm eher darin, dass er in fast jedem Spiel mindestens einen groben Fehler macht, der häufiger zu Toren führt. Das ist für Defensivspieler ein weitaus wichtigeres Kriterium als die Passgenauigkeit.

      Und doch wird es aber leider von der „unabhängigen Analysefirma“ nicht erwähnt. Erwähnt werden sollte allerdings, dass das ein Studenten-Startup ist. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.

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    • Adrian Senger sagte:

      Ich glaube kaum jemand hasst Czichos.
      Es fällt nur auf das er in jedem zweiten Spiel grobe Schnitzer fabriziert. Sei es ein Eigentor das Punkte kostet wie in Freiburg, Haarsträubende Fehlpässe wie letzten Freitag auf Kramaric oder wenn er wie gegen Leipzig nach 30min ausgewechselt werden muss weil er keinen Zweikampf ohne Foul geführt bekommt und Gelb Rot gefährdet runter muss.
      Außerdem ist es für mich kein Qualitätsmerkmal ob jemand 63% seiner langen Bälle zum Mann bringt. Czichos ist zu langsam, hüftsteif und technisch zu schlecht für die BL. Und im Alter von 31 Jahren wird sich das auch nicht mehr ändern.
      Czichos ist nicht in der Lage 3 Spiele am Stück 90min lang Fehlerlos Bundesliga zu spielen. Das beweist er seit Jahren. Und jeder ohne Scheuklappen erkennt das auch.
      Ich frage mich warum Czichos die Hälfte seiner Karriere in der Dritten Liga verbracht hat wenn er doch so talentiert ist.
      Da muss das Komplette Scouting aller Bundesliga Klubs der letzten 10 Jahre versagt haben.
      Czichos spielt auf einem Niveau mit Sobiech oder Drexler. In keiner Zweitligamannschaft würde der positiv auffallen.
      Unter Baumgart haben sich 3/4 der Mannschaft positiv entwickelt.
      Allerdings gibt immernoch einige die den gleichen Stiefel wie die Jahre zuvor abliefern. Und dazu gehören ganz vorne Czichos und Özcan.

      Der Grund warum Union Berlin mittlerweile in der BL wesentlich gefistigter wirkt als der FC liegt daran das Sie auf den IV Positionen zwei Top Bundesliga Spieler haben. (Knoche, Friedrich). Czichos ist mindestens eine Klasse schlechter als die beiden. Das ist unter anderem auch ein Grund warum Union Berlin solche 0:5 Debakel seit dem a Aufstieg noch nicht passiert sind. Köln allerdings regelmäßig. (Freiburg, Bremen, Hoffenheim).

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  2. Carlo Korrupto sagte:

    Also wenn hier schon solche Daten dargelegt werden, dann sollten diese auch verständlich erklärt werden.
    Wenn ich auf die Tabelle schaue, frage ich mich nur was diese Zahlen Aussagen, da sie weder in der Tabelle selbst, noch im text wirklich erläutert werden. Was sind den 9,7 erfolgreiche Defensivaktionen?
    Ich kann mir meinen Teil denken, dass es sich um 9,7 Zweikämpfe pro 90 Minuten handelt handelt, aber mit Gewissheit kann ich es nicht sagen…

    Bitte beim nächsten mal doch bitte alle Parameter erläutern, sonst kann man sich so einen Beitrag auch schenken, wenn ich die Zahlen irgendwie interpretieren muss.

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    • MountainKing sagte:

      Volle Zustimmung.
      Wer Daten präsentiert, muss diese auch vernünftig definieren. Wer bei uns eine solche Tabelle abliefert, wird direkt zum Nachbessern geschickt.

      Denkbar wären hier, daß sich die Daten auf je 90 Minuten beziehen, manchmal werden solche Daten aber auch pro Spiel angegeben. Das ist dann schon ein signifikanter Unterschied.

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  3. Juppchen sagte:

    Ich finde den ganzen Artikel irgendwie „überflüssig“. Sofort am Anfang steht, dass alle Werte unter 900 Spielminuten nicht valide sind und *trommelwirbel* keiner hat über 900 Minuten.
    Also wäre es sinniger dies in 2-3 Speiltage zu machen.

    Nebenbei wie oben erwähnt ist eine Statistik für einen IV wichtig. Wieviel Tore wurden durch Fehlern verursacht. Da wäre Czichos in der Top Ten der Liga.

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  4. kalla lux sagte:

    Und wen alle Fans schreiben das “ Nolook Rapha“ kein BL Niveau hat und die meisten Böcke fabriziert. Alles irrelevant, weil es halt keine Alternative gibt . Und da er einen hohen Stellenwert hat, als Vize und Mitglied des Mannschaftsrates wird er weiter spielen.
    Und nicht nur das, sein Vertrag wir am Ende der Saison noch um 2 Jahre verlängert.
    Und im Endeffekt sollte es uns auch egal sein, solange wir durch ihn nicht absteigen.
    Mit ihm wird es wenigstens nicht langweilig , man hat immer etwas wo man sich darüber aufregen und diskutieren kann.
    Das hat doch auch etwas!

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    • Adrian Senger sagte:

      Wieso haben wir keine Alternativen? Hübers und Kilian sind beide wesentlich jünger und könnten sich noch zu nem soliden BL Spieler entwickeln.
      Es kann für mich halt kein Zufall sein das Czichos knapp die Hälfte seiner Karriere in der Dritten Liga gespielt hat. Dazu noch bis 28 Zweite Liga.
      Glaubt man tatsächlich das es in den letzten 10 Jahren keinem einzigen BL Klub aufgefallen wäre wenn Czichos Bundesliga Niveau hätte??
      Spielt Czichos 34 Spiele in der BL von Beginn macht er 20 Solide Spiele und baut in 14 irgendwelchen Mist. Und das ist bei ihm seit Jahren zu beobachten.
      Maroh oder Heintz haben auch nicht die Sterne vom Himmel gespielt aber Sie agierten weitestgehend konstant FEHLERLOS. Und das ist das wichtigste für einen IV. Czichos schafft keine 3 Spiele am Stück ohne Eigentor, Elfmeter, Platzverweis oder so einem Ding wie am Freitag auf Kramaric.
      Für mich ist Czichos ein reiner Zweitliga Spieler und permanenter Unsicherheits Faktor in der IV.
      Bitte den auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Das man auch Verteidiger mit BL Niveau in der Zweiten Liga findet zeigt der VFB Stuttgart mit Mavropanos…..

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  5. Anneliese sagte:

    Ich finde überhaupt gut, dass wir auch solche Zahlen mal genannt bekommen. Erstmal Danke dafür. Eine etwas ausführlichere Erklärung wäre dennoch gut und, ja, liebes Geissblog-Team, es wäre überaus hilfreich, statistisch auch mal an den Start zu bringen, welche Fehler sich die Herren erlauben, die dann zu Toren führen.
    Dabei geht es nicht um’s Bashing, sondern schauen, ob sie in der Lage sind, sich bei ihren Leistungen auch Fehler leisten zu können. Denn wenn die Leistung stimmt kann sich meinetwegen jeder auch gerne einen Bock leisten.

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  6. Martin Duda sagte:

    Wenn jemand ganz viele risikoreiche vertikale Bälle spielt, diese aber letztendlich Fehlpässe sind, sind diese tollen Werte plötzlich für den Allerwertesten. Genauso eine Zweikampfstatistik, die gar nicht berücksichtigt, daß man einen Zweikampf wegen falschen Stelungsspiel gar nicht erst führt, usw,usw,…

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  7. MountainKing sagte:

    „Fehler, die zum Tor führen“ ist keine sinnige Statistik, weil sich keine sinnige Definition findet.

    Wer ist schuld, wenn der Ball zum Stürmer kommt? Der Verteidiger, der den Pass nicht abfängt, oder der Mittelfeldspieler, der den Passgaber zuviel Raum gibt? Oder der Offensivspieler, der den Ball vorher unnötig verloren hat?

    Zudem wäre der Wert auch bei einer komplett eindeutigen Definition nicht brauchbar:
    – Verteidiger A macht einen Fehler, Stürmer verwandelt.
    – Verteidiger B macht 3 Fehler, aber der Stürmer schießt jedesmal daneben
    -> Verteidiger B ist laut Statistik besser.

    Man merkt hier schon, daß Datenanalyse für viele nur ein Feigenblatt ist, um die eigene Meinung zu unterfüttern.

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  8. Norbert Neuheisel sagte:

    Diese „Bestandsaufnahme“ zeigt, dass allen genannten Innenverteidigern irgendein Qualitätsmerkmal fehlt, was durch die überragende Defensivarbeit Skhiris im Mittelfeld bisher überdeckt wurde. Ein Innenverteidiger, der alle genannten Parameter mittelmäßig bis gut abdeckt, ist m.E. wertvoller für eine Mannschaft als einer, dessen Skala von schlecht bis sehr gut reicht. Die jungen Spieler haben den Vorteil, dass sie sich dahingehend noch weiterentwickeln können.

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