,

FC-Flop Dennis: „Eine große Lüge – die Trainer mochten mich“


Neun Spiele, drei Tore, drei Vorlagen: Man könnte meinen, der 1. FC Köln hat in der vergangenen Rückrunde einen Superstar verkannt und Emmanuel Dennis zu Unrecht links liegen gelassen. Der 23-jährige blüht beim FC Watford in der Premier League auf und hat seine Vier-Millionen-Ablösesumme längst bestätigt. Nun gab er ein Interview und beteuerte, dass einzig Horst Heldt an Dennis‘ Scheitern beim FC schuld gewesen sei.

Köln – Das Interview erschien am Wochenende in Het Nieuwsblad, und Dennis machte deutlich, dass es ihm in England wieder gut gehe. „Ich bin sehr glücklich, bin frei im Kopf“, sagte Dennis, der im vergangenen Sommer nach eigener Aussage auch hätte in der Bundesliga bleiben können, sich aber für Watford entschied. „Ich hatte Belgien satt. Es hat mir keinen Spaß mehr gemacht. Ich war tot im Kopf, völlig tot.“

Das hatte wohl auch mit seiner Zeit beim 1. FC Köln zu tun. Im Januar war er vom FC Brügge zu den Geißböcken ausgeliehen worden, kam aber nur auf zehn Spiele, ein Tor im DFB-Pokal und fiel vor allem damit auf, dass erst Markus Gisdol und dann Friedhelm Funkel den Nigerianer aussortierten. In der Schlussphase der Saison durfte Dennis nicht einmal mehr mit den FC-Profis trainieren.

Heldt? Dieser Mann wurde inzwischen entlassen

Nun sagte Dennis jedoch, dass er in Köln missverstanden und verkannt worden sei. Dass er am Ende der Saison aussortiert worden sei, habe eigentlich mit Schmerzen im Zeh zu tun gehabt, nicht mit seinen vorherigen Leistungen und den zwischenmenschlichen Problemen mit den Teamkollegen. Gisdol und Funkel sowie Sportchef Horst Heldt hatten jedoch betont, dass sie im Abstiegskampf auf Spieler setzen müssten, auf die sie sich verlassen könnten. Heldt erklärte nach der Saison, Dennis‘ Verpflichtung sei ein Fehler gewesen, da er charakterlich nicht zur Mannschaft gepasst hätte.

„Dieser Mann wurde inzwischen entlassen“, schoss dagegen Dennis nun zurück. „Er musste sich eine Antwort einfallen lassen, warum es nicht funktioniert hatte. Da ich bereits dafür bekannt war, ein Einstellungsproblem zu haben, hat er das benutzt. Es war die einfachste Erklärung, aber eine große Lüge.“ Dennis erklärte vielmehr, er habe nie Probleme mit den Trainern gehabt. „Die Trainer mochten mich.“ Einzig der Spielstil des FC hätte nicht zu dem Flügelstürmer gepasst.

Ich hatte keine Motivation. Null.

War es also kein Einstellungsproblem beim FC? Aktuell läuft es bei dem 23-jährigen bestens, Dennis glänzt in der Premier League und macht mit den Qualitäten auf sich aufmerksam, die ihn in Brügge im Sommer 2020 beinahe zum 20-Millionen-Transfer gemacht hätten. Doch der Angreifer machte auch keinen Hehl daraus, dass gerade dieser geplatzte Transfer zum FC Arsenal einen Karriereknick und mentale Probleme mit sich gebracht hätte.

„Ich hatte mit einem Transfer gerechnet. Aber als sich das Transferfenster schloss und ich noch immer in Brügge war, war es sehr schwer für mich. Ich saß eine Weile auf der Couch – und eigentlich gefiel es mir sogar. Ich hatte keine Motivation. Null.“ Was nicht gerade nach einem Vorzeige-Profi klang, bestätigte sich wenige Monate später. Im November weigerte sich Dennis, auf einem anderen Platz im Mannschaftsbus zu sitzen.

Dennis bestätigt Bus-Streik

Diesen Vorfall bestätigte der 23-jährige nun. Aufgrund der Corona-Regeln habe seine Mannschaft mit zwei Bussen fahren müssen und der Teammanager habe ihm einen anderen Platz zugeteilt als zuvor. „Der Teammanager wusste, dass ich wütend werden würde, und der Trainer hörte uns streiten. Er fragte, was los sei und sagte dann: Geh zum anderen Bus oder geh wieder rein! Das waren meine Optionen. Also bin ich wieder reingegangen.“ Und in einem Nachsatz ergänzte Dennis: „Der positive Nebeneffekt dieser Busgeschichte war, dass ich im Winter leichter wechseln konnte.“

Der FC hatte sich also einen wahren Musterprofi geangelt, der am Ende zumindest bereute, den Geißböcken beim Kampf um den Klassenerhalt nicht besser hatte helfen können. „Ich bin froh, dass sie sich gerettet haben. Ich fühle mich schuldig, dass ich ihnen nicht helfen konnte. Köln hat tolle Fans und ich wurde gut behandelt.“

13 Kommentare
  1. Truebe Tasse sagte:

    Immerhin kein kompletter Rundumschlag, sondern lediglich ein Nachtreten gegen Heldt. Und über den scheiden sich ja bekanntlich die Geister. Wie es alles im Gesamten war, werden wir wohl alle nie vollumfänglich erfahren. Alle Seiten haben wohl ihres zum Transferirrtum beigetragen.

    Kommentar melden
    • Dingens sagte:

      Was für ein Fretchen!
      Der sollte HorstvHeldt lieber dankbar sein das er ihm eine chance gegeben hat sich in Köln und der Bundesliga zu zeigen.
      Wenigstens hat er, wenn auch heuchlerisch, sich für sein versagen bei Mannschaft und Fans entschuldigt.

      Jörg Jakobs ist ein Guter aber wenn wir HH noch hätten, ware es personel bestimmt noch besser für uns.

      Kommentar melden
  2. Norbert Furmanek sagte:

    Was soll denn immer das Nachhaken . Der Spieler ist weg . Wem bringt es in der derzeitigen Situation etwas ? Wenn Dennis behauptet es lag an Zehschmerzen dann ist das schon merkwürdig oder es wurde falsch widergegeben . Aber Altes immer aufwärmen .? :-((((( Dennis kann froh sein , dass es jetzt im Moment bei ihm gut läuft. Manchmal kommt das Echo schneller zurück wie er denkt.

    Kommentar melden
  3. Gerd1948 sagte:

    Dass Heldts Person bei der Gemengelage mit der Personalie Gisdols im Einklang ging hat er ja iwie billigend in Kauf genommen. Somit Bros forever, aber ich war auch lange lange Zeit ein Heldt Befürworter, eben etwa bis die „unforced error“ Vertragsverlängerung bei Heldt über den Tisch ging und im Winter nicht glücklich nachgebessert wurde. Schade, aber am Ende zählt dann doch nicht die Verbundenheit eines Einzelnen sondern der Verein. Da auch hier nur noch wenige Stimmen laut werden, hier braucht man ja keinen Aufmacher bezüglich, gegen den Vorstand, sehe ich das als Zeichen, dass man mittlerweile stillschweigend die zahlreichen guten Entscheidungen dieses zumindest toleriert. Sie werden im Gegensatz zu Sonja und Marc einen ruhigen Tag verbringen, auch wenn er genau so lang ist.

    Kommentar melden
  4. Haarspalta sagte:

    Eigentlich lohnt es sich doch nicht mehr, sich mit dem Typen zu befassen. Kaum läuft es mal ein bisschen, geht die große Klappe auf.

    Diese Aussagen sind ein klassischer Fall von mangelnder Selbstreflexion. Schuld waren alle anderen, er selbst hat alles richtig gemacht und das haben ihm auch alle so bestätigt….

    Kennt man von paar anderen. Loddar, Würstchen-Uli, diverse Politiker und so mancher Forist.
    Erkenne dich selbst!

    Kommentar melden
    • Hannelore Sandmann sagte:

      wer lesen kann, ist klar im Vorteil:
      „…der am Ende zumindest bereute, den Geißböcken beim Kampf um den Klassenerhalt nicht besser hatte helfen können. „Ich bin froh, dass sie sich gerettet haben. Ich fühle mich schuldig, dass ich ihnen nicht helfen konnte.“

      moderated
  5. Adrian Senger sagte:

    Also über seinen Charakter kann man sicher geteilter Meinung sein.
    Allerdings habe ich auch schon paarmal geschrieben das mir die Privat Person eigentlich egal ist. Was zählt ist was auf dem Platz passiert.
    Das er wohl doch bisschen Fußball spielen kann zeigt sich gerade in England.
    Von daher würde ich sein Versagen wohl eher bei Markus Gisdol und dessen Spielweise verorten.
    Unter Baumgart würde man diese Saison wohl einen etwas anderen E. Dennis erleben.
    Das ist halt der springende Punkt. Gisdol hat nahezu alle Spieler schlechter gemacht. Baumgart macht fast alle bis auf wenige Ausnahmen besser.
    Dennoch sollte der FC in den nächsten 5 Spielen mal wieder 2-3 Siege einfahren. Der Trend in der Tabelle zeigt seit Wochen nämlich deutlich nach unten.
    Platz 11 ist zwar in Ordnung. Aber bis Platz 16 sind es auch nur noch 4 Punkte.
    Gegen Union ist verlieren eigentlich fast schon verboten will man nicht wieder richtig unten rein rutschen.

    Kommentar melden
  6. Gerd1948 sagte:

    Und warum verpflichtet man möglichst keine schwierigen Charakter? Rüschtüsch, weil es ein Mannschaftssport ist. Natürlich hätte er unter Baumgart vllt jetzt mehr gespielt…auf Außen wohlgemerkt, es ging aber um die Besetzung in der Mitte. Und Baumgart hätte sicher schnell auf einen „ausscherenden“ Charakter reagiert. Versagt hat in dem Fall auch kein Gisdol, obwohl er immer gerne ran gezogen wird, denn Heldt hat den Spieler verpflichtet, warum auch immer.

    Kommentar melden

Hinterlasse einen Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar