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FC-Kandidat Keller: Das muss sein neuer Klub mitbringen


Beim 1. FC Köln steht Christian Keller weit oben auf der Liste der Kandidaten für den Posten des Sport-Geschäftsführer. Doch wird der 42-jährige tatsächlich Nachfolger von Horst Heldt und Interims-Sportchef Jörg Jakobs? Keller hat nun in einem Interview mit der Mittelbayrischen Zeitung erklärt, er werde sich zwar noch im November entscheiden, einen neuen Job aber nicht vor April 2022 antreten. Doch einige Aussagen zu seinem Profil und seinen Ansprüchen dürften den FC-Verantwortlichen gefallen haben.

Köln/Regensburg – Seit dem 1. November ist Christian Keller nicht mehr Geschäftsführer des SSV Jahn Regensburg. Roger Stilz wurde als Nachfolger bestimmt. Keller wird in den kommenden Wochen noch in Regensburg zur Übergabe bleiben. Im Dezember soll dann der erste Urlaub erfolgen, nach Madeira.

Auch das erste Quartal des nächsten Jahres will Keller noch auf Reisen verbringen. Denn: Seinen neuen Job will er „frühestens ab April 2022 beginnen. Vorher werde ich nichts machen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“, sagte Keller der MZ. Jedoch: „Ich werde den November dazu nutzen, um mich zu entscheiden, was ich mache.“

Würde Keller zum FC passen?

Der 1. FC Köln wird also in den kommenden Wochen wissen, ob Keller für den Job in Köln zur Verfügung steht. Bis Weihnachten wollen die Geißböcke bekanntlich einen neuen Sportchef präsentieren, auch wenn dieser erst im neuen Jahr seine Stelle antreten soll. Doch würde Keller überhaupt zum FC passen?

Der studierte Sportmanager hat den SSV Jahn in acht Jahren modernisiert und saniert, den Großteil der zuvor verkauften Anteile an der Spielbetriebsgesellschaft wieder an den Verein zurückgekauft und nicht dabei mit einem bei den Fans unbeliebten Investor angelegt. „Wir sind keine Spielwiese oder ein Renditeobjekt“, sagte er nun rückblickend zu den Gesprächen mit dem Investor und dürfte damit den Kern des FC-Vorstands und vieler Mitglieder treffen, die Anteilsverkäufe bei den Geißböcke ablehnen, vor allem an nicht in Köln verwurzelte Unternehmen und Unternehmer.

Auch die Überkommerzialisierung des Fußballs lehnt Keller öffentlich ab, erklärte nun hinsichtlich der Ablöse-Spirale: „Ich finde diese Entwicklung im Fußball krank. Wenn ich die teils horrenden Ablösesummen lese und höre, das führt bei mir zu einer Abneigung gegen den Sport, den ich wirklich liebe. Auch deshalb gehen wir beim SSV Jahn einen anderen, normalen Weg.“ Einen Weg, den man auch beim FC einschlagen will – inklusive einer Nachwuchsförderung, die Keller beim Jahn zwar nicht erfolgreich gestalten konnte, zu der dieser aber sagte: „Man muss im Nachwuchs in einem Zyklus von acht bis zehn Jahren denken.“

Was erwartet Keller von seinem künftigen Verein?

Keller liegt mit seinen Einstellungen also scheinbar auf Kölner Vereinslinie. Doch was erwartet er von seinem künftigen Verein? Was sind wichtige Kriterien für seine Entscheidung, die er im November treffen will? „Ich habe zwei Treiber für eine berufliche Tätigkeit. Der erste Treiber ist, dass ich eine Aufgabe brauche, die ich herausfordernd finde, wo ich aus der Außenperspektive betrachtet den Eindruck habe, dass ich mich einbringen kann und etwas bewegen könnte“, sagte Keller. „Es muss ein gewisses, nicht gehobenes Potenzial da sein.“

Die Herausforderung beim FC dürfte vielfach gegeben sein: in der Kaderstruktur, in der finanziellen Situation, im Geißbockheim, in der Nachwuchsförderung. „Das Zweite, was mich antreibt, sind vernünftige, gute Menschen beziehungsweise Mitstreiter bei der Aufgabe.“ Keller wird also im Konstrukt zwischen Alexander Wehrle, Steffen Baumgart, Thomas Kessler und Lukas Berg einerseits und dem Vorstand, Mitgliederrat und Gemeinsamen Ausschuss andererseits eine Vertrauensbasis sehen wollen, um dem FC zuzusagen. „Das sind die beiden entscheidenden Punkte, um mich für eine neue Tätigkeit zu entscheiden.“

Kellers Haaland-Anekdote

Ist der 42-jährige aber auch in der Lage, als Sportchef die richtigen Personalentscheidungen zu treffen? Dazu berichtete Keller mit Blick auf die Kaderplanung in Regensburg von einem Telefonat aus dem Januar 2019. „Wir hatten Erling Haaland damals, als er nach Salzburg gewechselt ist, in einem seiner ersten Spiele gesehen. Ich habe mir daraufhin erlaubt, beim Klubverantwortlichen anzurufen, ob Haaland vielleicht für eine Leihe in Frage käme“, erzählte Keller. „Der hat dann laut gelacht. Aber einen Versuch war es wert.“ Vielleicht hat er bei einem ähnlichen Versuch als FC-Sportchef künftig ja mehr Glück.

16 Kommentare
  1. Haarspalta sagte:

    Hat diese Fokussierung auf Keller eigentlich irgendeinen Hintergrund, der auf Vereinskanäle zurückgeht oder wird der jetzt nur gehyped, weil er gerade frei geworden ist und es zeitlich also gut passen würde? Wurde neulich nicht Arabi als quasi fix präsentiert?

    Wie auch immer, nach allem was man über Keller liest, konnte er beim Jahn ziemlich unbehelligt schalten und walten.
    Abstieg? Egal. Fans wütend? Egal. Investor wütend? Egal.
    Und nun hat er nach Jahren den Jahn endlich in ruhigere Gewässer geführt. Ob das nachhaltig so bleibt, weiß noch keiner.

    Beim FC könnte er so sicher nicht arbeiten. Man mag die Strukturen mit Mitgliederrat und gemeinsamem Ausschuss mögen oder nicht, aber sie sind nunmal da und haben Einfluss. Da wird er auf Gegenwind stoßen.
    Dann noch das berühmte Medienumfeld, der Klüngel, das Anspruchsdenken, die Politik und vieles mehr…

    Ich würde ihn nicht von vornherein als unpassend abtun wollen, aber zumindest wird er von dem, was er in Regensburg gelernt hat, hier wenig gebrauchen können. Ob er dann auf die Schnelle neue Rezepte parat hat, müsste sich zeigen.

    Arabi scheint mir insgesamt schon der solidere Kandidat zu sein.

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    • Kurti sagte:

      Keller ist in den Fokus geraten, weil er grade frei ist.
      Wenn ein Journalist nichts zu schreiben hat, werden eben solche Geschichten ausgegraben.
      Dein Hinweis mit „Arabi wird es ganz sicher“ passt dazu.

      Er würde gut passen, weil sich seine Erwartungshaltung und Selbstreflektion in dem Bereich der fehlenden Realitätsnähe befindet, wie beim Vorstand auch.

      Kategorie 9-10, wie von Super Vorstand Sauren in Aussicht gestellt, definitiv nicht.

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  2. Micha S. sagte:

    Das ist nicht böse gemeint, aber der FC Ist nicht Jahn…das ist nicht nur ne andere Liga sondern eine andere Welt.

    Spätestens wenn er merkt das am Geissbockheim nichts voran gehen wird(auch nicht die nächsten 10Jahre) aber alle wie trotzige Kinder sagen… der Standort ist unverhandelbar… wird sich er an seine Grenze stoßen… also ob es an dieser einen Personalie hängen würde, dass dort alles vergammelt…

    Ich teile zwar seine Ansichten zu den Ablösen, aber auch in Köln wird man hier und da nicht drum herum kommen, das gehört zum Fußball leider dazu(was man nur hinbekommen muss ist diese sinnlos hohen Zahlen mind. +/- 0 oder am besten regelmäßig für sich zu nutzen, denn es kann auch eine Chance sein)

    Wie gesagt, mag sein das er das alles hinbekommt, schlecht/blöd scheint er nicht zu sein… besondere Begeisterung löst er jetzt bei mir mit deiner Vita nicht aus… im Vergleich zum FC ist der Jahn halt ein DorfClub… dort hat er aber definitiv gute Arbeit geleistet.

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  3. holger7 sagte:

    Man kann zwar Sportchef und Trainer schlecht miteinander vergleichen, aber als wir damals Beierlorzer von Regensburg bekommen haben, dachten auch viele: Jetzt geht es voran. Ich denke auch, dass er hier in eine ganz neue Welt eintauchen würde. Ob er mit seinem Denken und Handeln dann hier richtig ist, müsste man abwarten. Wenn er es denn überhaupt wird. Ich hab ja immer noch das Gefühl, dass der eine da aus Moskau, der schon mal bei uns im Gespräch war, eher ein Kandidat wäre :-)) Stoffteddy oder so :-))

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  4. andi sagte:

    Tut mir leid. Aber ich bin der Meinung, dass man hier versucht einen guten Manger aus einem mittelständigen Unternehmen als Topmanager in einem grossen Konzern zu präsentieren. Hier geht es zwar „nur“ um Fussball und nur um ein paar Milliönchen aber die Aufgabe ist nicht geringer zu bewerten. Ich erwarte von einem GS Erfahrung in einem grossen Verein (das wollen wir ja sein) und den unbändigen Willen auch zum Wohle des Vereins mal gg. den Strom zu schwimmen. Unsere zwei möglichen Kandidaten dürfen dan ruhig mal ein längeres Praktikum in so einem Verein machen, um festzustellen wie solche Vereine ticken. Also kurz gesagt für mich ist keiner der Kandidaten Stufe 9 bis 10. Es könnte was werden, wenn Herr Jakobs noch eine Weile untersrützend zur Seite steht. Den der macht nen ruhigen,klasse Job und sollte auf der Kandidatenliste ganz oben stehen. Genug getextet schönen Tag noch

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  5. Hennes48 sagte:

    Diese Aussage von Sauren mit Stufe 9-10 war und ist absolut dämlich! Damit kannst du nur verlieren…
    Ich bin aber nicht sicher, ob sogenannte „gestandene“ Sportdirektoren auf dem Markt sind, die zum FC passen würden.
    Und wenn man mal die letzten Jahre Revue passieren lässt…Max Eberl, Fredi Bobic, Michael Zorc….usw…die waren zu Beginn in ihren Clubs auch keine anerkannten Fachmänner. Aber die haben dann nachgewiesen, dass sie es einfach „drauf haben!“ Ich bin also eher für eine Lösung wie Arabi oder Keller, in der Hoffnung, dass es richtig gut zündet und fruchtet…von den „abgehalfterten“ Namen habe ich ziemlich die Nase voll…

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    • Micha S. sagte:

      Sehe ich ähnlich… wie man es macht, macht man es falsch…

      Am Ende müssen da einige Sachen zusammenfassen. Eberl, Bobic, Zorc hatten auch alle eine Situation wo es nach hinten los gehen kann, bei Heidel ist das dann passiert… naja so halb. Dennoch halte ich von Heidel mehr. Am Ende stehen ja alle 4 nicht zur debatte.

      Man darf dem neuen GS definitiv nicht den Ausbau des Geissbockheims aufs Auge drücken, mit diesem Rucksack kann jeder nur verlieren. Auf der anderen Seite hat Horst Heldt ja schon den Wald brandgerodet und Jakobs den größten dreck dann aufgeräumt.

      Für mich wäre eine kreative Lösung mit besten vernetzungen in die BeNeLux wohl favorisiert. Auch gern einen „Außländer“ von dort mit Erfahrung ein Team aufzubauen mit überwiegend geringen Mitteln.

      Quasi einen belgischen/niederländischen Max Eberl.

      Beim Trainer und so verstehe ich ja noch, dass man sich gern um eine DE Lösung bemüht, aber beim GS besteht für mich ja absolut 0 der Bedarf das er überhaupt deutsch können muss.

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  6. Ankerdensin sagte:

    Nun gut, warum nicht einfach mal darauf vertrauen, dass der EffZeh mit Fachleuten der Personalsuche unterwegs ist und man in Herrn Keller oder Herrn Arabi potentielle Kandidaten gefunden haben könnte. Die in ihren bisherigen Unternehmen, vielleicht mittelständischer Ausprägung, bereits einen guten Job gemacht haben, charakterlich passen, hungrig sind und den EffZeh als Herausforderung sehen.
    Warum nicht? Warum schon wieder die Negativstimmung?

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    • andi sagte:

      Das ist keine Negativstimmung. Dafür sind andere zuständig. Es ist meine Meinung das die genannten Kandidaten noch Unterstützung brauchen um sich im Grosstadtdschungel, gerade in Köln, zurecht zu finden. Die Vorgänger haben das,obwohl sie Bundesliga kannten nicht geschafft. Du hast in Köln keine Zeit, du musst sofort liefern, und jede Fehllieferung wird hart in den Medien und bei den Fans bestraft. Also keinen GF 9 bis 10 suchen, sondern einen der den kölschen Klüngel versteht und mit dieser schwierigen Situation versteht umzugehen. Und natürlich zu alldem noch ne Menge Ahnung vom Fußball hat.

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    • Micha S. sagte:

      Finde auch nicht, dass es negativ klingt was man bisher liest.

      Nun hat keiner der genannten besonders tolle Referenzen… das muss nichts heißen, kann gut gehen oder auch nicht. Aber eine 9-10 ist es nunmal nicht, eher ein 5-6. Vielleicht auch eher unsere Kragenweite.

      Am Ende würde ich mir besonders auf der Position des GS mehr internationalität wünschen. Irgendwer mit nem guten Netzwerk nach Belgien/Niederlande gern auch von dort kommend, oder eine kreative Lösung und jemanden aus den USA der schon Berührungspunkte mit europäischen Vereinsfußball hatte.

      Ich verstehe bei der GS Position eh nicht, warum diese in DE zu gefühlt 100% von deutschen besetzt wird und man nichtmal andere in Erwägung zieht.

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  7. Michael Krämer sagte:

    Wenn Keller jetzt dem FC absagt, wie sieht das aus. Wie kann man sich nur in so eine dümmlich Situation bringen. Sorry, was sind das für Amateure im Vorstand.
    Schon die Aussage beim Geissbockheim „wir wollen in Köln bleiben“ war taktisch so unklug. Was haben wir nur für Amateure im Vorstand.

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  8. Michael Krämer sagte:

    Wenn Keller jetzt dem FC absagt, wie sieht das aus. Wie kann man sich nur in so eine dümmliche Situation bringen. Sorry, was sind das für Amateure im Vorstand.
    Schon die Aussage beim Geissbockheim „wir wollen in Köln bleiben“ war taktisch so unklug. Was haben wir nur für Amateure im Vorstand.

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